Die Wahlergebnisse bei den Landtagswahlen waren vorhersehbar. Dennoch sitzt der Schock über deren Ausgang tief. Für die großen Volksparteien war die Wahl enttäuschend; der Einzug der rechtspopulistischen AfD mit zweistelligen Ergebnissen in die Landtage bestürzt. Von Ursachenforschung und Kampfansagen - ein Überblick.

Das sagen CDU und CSU

Verteidigungsminister Ursula von der Leyen (CDU) sieht im Ausgang der drei Landtagswahlen vom Sonntag keinen Grund für einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik.

In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt hätten mehr als 80 Prozent der Bürger für Parteien gestimmt, "die eine europäische Lösung der Flüchtlingsfrage befürworten und den Kurs der Kanzlerin unterstützen", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Kanzlerin sei verantwortlich für Wahlniederlagen der Union.

Auch EU-Kommissar Günther Oettinger rief in den Zeitungen zum Kurshalten auf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe die Chance, sich mit ihrer Politik in Europa durchzusetzen, sagte er. "Deswegen wäre es falsch, jetzt einen Kurswechsel herbeizuführen."

Er baue darauf, dass der nächste EU-Gipfel in der Flüchtlingsfrage mehr Klarheit bringen werde als die vorangegangenen Treffen.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte dem Sender Phoenix: "Es gibt eine erkennbar starke Mehrheit, die im Großen und Ganzen den Kurs der Kanzlerin unterstützt. Und es gibt einen beachtlichen Teil der Wählerschaft, die das mit Zweifeln und offener Kritik verfolgt."

In der Zusammenschau der Ergebnisse vom Sonntag "ergibt sich für alle demokratischen Parteien jede Menge Grund zum Nachdenken".

Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, hat die CDU aufgefordert, sich stärker um die Wähler der rechtspopulistischen AfD zu kümmern.

Der Chef der CDU-Jugend sagte: "Zu sagen, dass das keine Gefahr ist, auch nicht für ein Parlament insgesamt, ist falsch. Die Ergebnisse zeigen das jetzt."

Auf die Frage, ob die Bundeskanzlerin nun ihren Flüchtlingskurs ändern müsse, sagte Ziemiak: "Die einzigen, die auch in solch schwierigen Zeiten eine Lösung anbieten, das sind die Politiker der Union und nicht der AfD." CDU und CSU müssten sich jetzt mit der Alternative für Deutschland beschäftigen.

Es sei falsch, gemeinsame Talkshows mit AfD-Politikern zu verweigern. "Ich glaube, was wir jetzt machen müssen, ist, um jeden AfD-Wähler zu kämpfen."

Vor allem der Absturz der CDU in Baden-Württemberg müsse sehr genau und ohne Scheuklappen analysiert werden. "Das war ein bitterer Tag für die Union." Ziemiak betonte: "Dieser Tag darf sich nicht wiederholen."

"Angesichts der Stimmerfolge der AfD kann man natürlich nicht zufrieden sein - im Gegenteil, das ist ziemlich erschreckend", meint Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

"Die Botschaft aus der Bevölkerung heißt: Wir brauchen endlich wirksame Lösungen in den Flüchtlingskrise", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer.

Regierungsbildungen nach Landtagswahlen werden schwierig.

Das sagt die SPD

SPD-Chef Sigmar Gabriel gibt sich nach den Landtagswahlen kämpferisch. Auf Twitter kommentierte er: "Dieser Wahlabend ist eine Zäsur. Aber klar ist: die SPD wird den Kampf für das demokratische Zentrum in D voller Entschlossenheit aufnehmen".

Zudem forderte der Vize-Kanzler ein Ende des internen Streits über die Flüchtlingspolitik. "Ich glaube, dass das Ergebnis hoffentlich ist, dass die CDU/CSU merkt, dass dieser permanente Streit, die Chaostage dort, ihnen nicht helfen", sagte Gabriel am Sonntagabend in der ARD.

Er hoffe, dass die Union merke, dass die von der SPD vorgeschlagene Linie mit europäischen Antworten, Investitionen in Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt "letztlich auch für sie eine bessere Politik ist, als darüber ständig zu streiten".

Auf die Frage, ob die SPD in der großen Koalition im Bund nun noch deutlicher Kante zeigen müsse, sagte Gabriel: "Noch deutlicher geht ja kaum."

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sieht die zweistelligen Wahlerfolge der Alternative für Deutschland (AfD) als Bewährungsprobe für die Demokratie. "Das Abschneiden der AfD ist mehr als ein Denkzettel", sagte Maas.

Maas betonte, alle Parteien müssten nun klare Kante gegen die Protestierer und Vereinfacher zeigen: "Dumpfe Parolen müssen wir durch sachliche Argumente entlarven."

Wer die Flüchtlingskrise allein für eine Radikalisierung der politischen Auseinandersetzung missbrauche, müsse mit entschlossenen Reaktionen rechnen.

"Der Kampf gegen fremdenfeindliche Hetze bleibt die große Gemeinschaftsaufgabe für Politik und Zivilgesellschaft. Die schweigende Mehrheit darf nicht länger schweigen", meinte der SPD-Politiker.

"Ich habe einen ganz, ganz klaren Regierungsauftrag erhalten", sagte Malu Dreyer zu ihrem Wahlerfolg in Rheinland-Pfalz. Die rheinland-pfälzische SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Das sagen FDP, Linke und Grüne

Die Linke-Vorsitzende Katja Kipping hat die Politik der großen Koalition auf Bundesebene verantwortlich für die Zugewinne der AfD bei den Landtagswahlen gemacht.

"Die jetzigen Ergebnisse sind Ausdruck eines gesellschaftlichen Rechtsrucks und einer gesellschaftlichen Entsolidarisierung. Und die Verantwortung dafür trägt die große Koalition, die mit ihrer Politik der sozialen Verunsicherung und der schrittweisen Übernahme von AfD-Positionen am Ende die AfD gestärkt hat", sagte Kipping.

"Das Wahlergebnis der AfD in Sachsen-Anhalt ist für mich ein Schock", kommentierte Claudia Müller, Landesvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen in Mecklenburg-Vorpommern.

"Es ist ein Meilenstein, wenn man die parlamentarische Basis verbreitert", sagte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner zu den Ergebnissen seiner Partei.

Landtagswahlen: Medien kommentieren Erstarken der AfD.

Das sagt die AfD

Die AfD ist nach Angaben ihrer Co-Vorsitzenden Frauke Petry auf die Arbeit in der Opposition vorbereitet. "Wir haben uns bereits lange vor diesem Wahlkampf darauf eingerichtet, in der Opposition zu arbeiten", sagte Petry in der ARD.

"Das ist für eine junge politische Kraft auch ganz normal, dass man in der Opposition beginnt. Auch da kann man Dinge bewegen."

Den Erfolg ihrer Partei bei den Abstimmungen machte sie daran fest, dass sich die Wähler "in großem Maße" von den großen Volksparteien abwendeten und "und von uns erwarten, dass wir endlich die Opposition sind, die es auch im Bundestag, aber auch in den anderen Landesparlamenten offenbar nicht mehr gegeben hat".

AfD-Vize Alexander Gauland hat die Erfolge seiner Partei als klare Absage an die Flüchtlingspolitik von Merkel gewertet. "Wir sind die Opposition, die die anderen vor sich hertreiben", sagte Gauland.

"Wir haben eine ganz klare Position in der Flüchtlingspolitik: Wir wollen keine Flüchtlinge aufnehmen." Die Menschen, die die Alternative für Deutschland gewählt hätten, stünden hinter dieser Politik.

Die CDU habe Stimmen verloren, weil die Menschen nicht mehr hinter ihr stünden. "Die Leute, die uns gewählt haben, haben diese Flüchtlingspolitik abgewählt."

"Die AfD ist spätestens mit dem heutigen Tag eine feste parlamentarische Größe in unserem Land", meinte der Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland in Baden-Württemberg, Jörg Meuthen. (far/dpa)