In knapp drei Wochen wählt Rheinland-Pfalz. Die Umfragezahlen der CDU gingen zuletzt zurück oder stagnierten. Landeschefin Klöckner setzt in der Flüchtlingskrise gezielt Contra-Punkte zur Bundespolitik. Wie kommt das beim gemeinsamen Auftritt mit der Kanzlerin an?

Julia Klöckner ist in ihrem Element. "Zack, zack", ruft die rheinland-pfälzische CDU-Chefin ihrem Wahlkampfteam, den "Jungs", zu und zieht los. Montag 10:00 Uhr, Fußgängerzone Koblenz. "Darf ich Ihnen was dalassen?", fragt Klöckner, als sie in einen Laden geht und Broschüren verteilt.

Auf der Straße hält sie Passanten an, die meisten lassen sich auf einen Plausch ein. Eine Frau aus Bayern findet, Klöckner habe gute Argumente in der Flüchtlingspolitik. "Wahnsinn, was bei uns an den Grenzen los ist", sagt sie später.

Wieso Ignorieren der Rechtspopulisten der Partei nur helfen würde.

Keine Diskrepanzen

Eine andere Frau sagt zu Klöckner, sie mache es der Kanzlerin derzeit nicht leicht. Die lässt das nicht gelten: Es gebe da keine Diskrepanzen, sagt Klöckner.

Weniger als drei Wochen noch bis zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Klöckner will ihre Partei nach 25 Jahren Opposition zurück an die Macht bringen. Die jüngste Umfrage in der "Bild"-Zeitung sieht die CDU bei 35 Prozent, die SPD bei 33.

Der Abstand zwischen Julia Klöckners CDU und der SPD mit Spitzenkandidatin Malu Dreyer ist noch etwas mehr geschmolzen. Klöckner hat mit ihrem Team im Januar den Plan "A2" mit Grenzzentren und Flüchtlingskontingenten pro Tag ersonnen, der die europäische Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ergänzen soll.

Klöckner will eine rasche Antwort parallel zur Suche nach einer europäischen Lösung.

Nach dem Straßen-Wahlkampf fährt die CDU-Spitzenkandidatin weiter zu einem "Ladies Lunch" in Neuwied. Rund 100 geladene Gäste, fast nur Frauen, hören ihr zu. Klöckner nutzt die Gelegenheit, um "A2" zu erklären: "Ich bin der Meinung, wir müssen zweigleisig fahren", sagt die CDU-Vize über eine europäische Lösung und über ihren Plan.

Entsetzen in SPD: CDU-Politiker spottet über Krankheit von Malu Dreyer.

Gratwanderung

"Das eine schließt das andere nicht aus." Man müsse Merkel den Rücken stärken vor dem EU-Sondergipfel mit der Türkei am 7. März. Und sie lobt die Kanzlerin. "Sie hält Europa zusammen mit einer unglaublichen Geduld", sagt Klöckner. "Ich wüsste gar nicht, wer das sonst machen sollte."

Es ist eine Gratwanderung, das weiß Klöckner, und das will sie auch.

Am Abend zeigen sich die beiden Polit-Profis Klöckner und Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung vor 1.300 Menschen im südpfälzischen Landau traut vereint. Hier werden keine Konzepte gegeneinandergestellt.

Vielmehr attackieren beide gemeinsam die rot-grüne Landesregierung, entweder weil die nicht fleißig genug beim Schuldenabbau sei, oder weil sie die Anerkennung weiterer Staaten als sogenannte sichere Herkunftsländer blockiere.

Auf ihre verschiedenen Ansätze gehen die Frauen nicht weiter ein. Klöckner favorisiert nur – ganz auf Merkels Linie - eine europäische Lösung – und krönt das mit dem Satz: "Angela, Du hast unsere Unterstützung".

Merkel bremst Klöckner nicht

Merkel lässt Klöckner machen, zumindest bremst sie sie nicht. Die 61-jährige Kanzlerin unterstützt die 43-jährige Stellvertreterin: Sie will, dass Klöckner Ministerpräsidentin wird, denn ein Wahlerfolg Klöckners könnte auch der Bundes-CDU Rückenwind geben.

Klöckner macht nicht mit Merkels Flüchtlingspolitik Wahlkampf, sondern mit ihrer eigenen. Dennoch kommt Merkel insgesamt zehn Mal bis zur Wahl am 13. März nach Rheinland-Pfalz. Es geht um das Signal.

Im Kanzleramt wird die Reaktion auf Klöckners erneuten Vorstoß für nationale Maßnahmen am Montag zurückhaltend aufgenommen - genau wie im Januar. "Das sind parteiinterne Überlegungen, die in der Tat auch in der Partei zu diskutieren sind", sagt Regierungssprecher Steffen Seibert.

Klöckner sieht sich nicht allein mit ihrer Politik - im Gegenteil. "Das wünschen sich ja viele", sagt sie über ihre Forderungen im Plan "A2". Sie sucht den Schulterschluss. Gemeinsam mit Baden-Württembergs CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf warb sie am vergangenen Wochenende vehement für ihren Kurs.

Bisher scheinen die Wähler in Umfragen nicht darauf zu reagieren. Ein Mann der CDU-Basis zeigt sich zuversichtlich und sagt mit Blick auf die Wahl und den Abstand zur SPD: "Klöckner braucht nur ein Prozent mehr."