Die Republikaner sind nach der Attacke von Mitt Romney auf Donald Trump im Kriegszustand. Bei der TV-Debatte verliert der Milliardär mehrfach die Kontrolle.

Es sind keine 20 Minuten vorbei, als es schon wieder drunter und drüber geht. Es geht gerade darum, dass Donald Trump, der sich so gerne als Schutzherr amerikanischer Jobs inszeniert, über eine seiner Firmen Kleidung in China und Mexiko herstellen lässt. Marco Rubio, sein Rivale aus Florida, fordert ihn auf, die Praxis einzustellen. Trump windet sich. "Beantworte das doch mal, Donald", ruft Rubio.

"Keine Sorge, kleiner Marco", ruft Trump.

"Jetzt kommt er wieder mit dem Kleiner-Marco-Ding. Immer, wenn es um spezifische Fragen geht, greift er zu Beleidigungen", sagt Rubio.

"Keine Sorge, kleiner Marco", kontert Trump.

"Großer Donald", kontert Rubio.

"Du hast noch nie in Deinem Leben jemanden angestellt", schimpft Trump.

Erste TV-Debatte nach Super Tuesday: Republikaner gehen auf Milliardär los.

Ach, mal wieder eine TV-Debatte. Das Format gibt es bei den Republikanern in diesen Wochen so häufig, man zählt gar nicht mehr mit. Man weiß nur: Je mehr Debatten es werden, desto weniger Kandidaten stehen auf der Bühne und desto schlechter ist die Stimmung. Im Moment ist sie in der Partei miserabel.

Trump siegt und siegt, und ein Teil der Republikaner startet hektische Versuche, um den Milliardär von der Präsidentschaftskandidatur doch noch fernzuhalten. Mitt Romney, der Wahlverlierer von 2012, rechnet furios mit Trump ab, Strategen basteln an TV-Attacken, windige Plattformen investieren Milliarden gegen den Unternehmer. Die Partei befindet sich im Kriegszustand - acht Monate vor der Präsidentschaftswahl.

Unter der Gürtellinie

Und Trump? Wirkt fahrig, gereizt, genervt. "Rubio hat mir ja vorgeworfen, kleine Hände zu haben. Schaut euch diese Hände an", ruft er und hebt sie demonstrativ in die Höhe. "Er hat es so gesagt, als ob noch was anderes an mir klein wäre. Ich garantiere euch: Es gibt da kein Problem." Da bleibt einigen Zuschauern im Publikum das Lachen im Hals stecken.

Wie ein Präsident wirkt Trump wahrlich nicht, weder vom Ton noch inhaltlich. Es ist eine ziemlich miese Debatte des Immobilienmoguls. Ausgerechnet bei der Einwanderung, seinem Kernthema, gerät er unter Druck. Es soll, so heißt es in Berichten, eine Aufnahme von einem Redaktionsbesuch Trumps bei der New York Times geben, in dem er in einem Hintergrundgespräch seine extreme Haltung zur Grenzsicherung abgeschwächt haben soll. Die Überraschung: Trump dementiert das nicht. "Man muss eine gewisse Flexibilität haben. Ohne etwas Geben und Nehmen geht es nicht", sagt er.

Rubio und Ted Cruz, der Senator aus Texas, greifen den Satz sofort auf und werfen ihm vor, vorne herum den Sheriff zu geben und hinten herum die Uniform abzulegen. "Gib die Aufnahme frei", ruft Cruz. Trump lehnt ab. "Gib die Aufnahme frei", sagt Cruz abermals. "Ich habe meine Antwort gegeben, Lügen-Ted", ruft Trump. Für den Moment ist die Diskussion beendet. Aber sie dürfte noch eine Rolle spiele, so viel ist klar. Der mögliche Wankelmut beim Thema Einwanderung ist etwas, mit dem Trumps Rivalen arbeiten können.

"Atme einfach"

Ex-Präsidentschaftskandidat der Republikaner greift Trump an.

Fast bei jedem Thema gerät der 69-Jährige mit seinen Gegnern aneinander. Rubio und Cruz verwickeln den Milliardär in Debatten über seine Firmenvergangenheit, seine Pleiten, seine "Trump Universität", die 2011 unter merkwürdigen Umständen schließen musste. Die Moderatoren des Senders "Fox" spielen Videoaufnahmen ein, um Widersprüche in Trumps Haltungen zur Außenpolitik offen zu legen. Geschont wird Trump nicht.

"Wenn wir Donald nominieren, verbringen den Herbst mit Angriffen gegen uns", ruft Cruz. Trump will Cruz ins Wort fallen. "Donald - lern mal ruhig zu bleiben", sagt Cruz. "Ich weiß, es ist schwer. Aber atme einfach."

"Ich atme", sagt Trump.

"Wenn die beiden fertig sind mit dem Yoga, kann ich dann was sagen?", ruft Rubio. Da gibt es sehr viele Lacher.

Rubio sagt dann auch etwas, und zwar zur Außenpolitik. Es ist eines seiner sehr eloquenten, aber von erzkonservativen Überzeugungen geprägtes Referaten. Die Welt sei aus den Fugen, es brauche amerikanische Führung und militärische Stärke, es ist der Rubio-Dreiklang. "Du hast noch nicht eine einzige substantielle Frage zur Außenpolitik beantwortet", sagt der Senator in Richtung Trump. "Stattdessen lobst Du Wladimir Putin."

"Falsch!", ruft Trump. "Putin hat wunderbare Sachen über mich gesagt. Und ich habe daraufhin gesagt: Wäre es nicht wunderbar, wenn wir gut mit Russland auskämen?" Leider hakt da niemand nach. Trump hat Putin nämlich sehr wohl gelobt. "Er ist wenigstens ein Anführer, einer, wie wir ihn in diesem Land nicht haben", sagte er im Dezember über den russischen Präsidenten.

Fazit: Trump verliert die Debatte, ziemlich klar sogar. Aber das ist schon häufiger vorgekommen. Geschadet hat es ihm bisher nie. In der Trumpschen Welt gelten eigene Gesetze. Am Samstag sind übrigens die nächsten Vorwahlen. Da wird er wieder gewinnen. Wahrscheinlich.© SPIEGEL ONLINE