Da warens nur noch drei: Die stärksten Republikaner-Kandidaten Rubio, Trump und Cruz stellen sich am Abend in Nevada zur Wahl. Auf wem lastet der größte Druck - und warum? Der Überblick.

Nevada bekommt dieser Tage reichlich politischen Besuch. Erst am Wochenende wählten die Demokraten im Casino-Staat, an diesem Dienstag folgen die Republikaner. Der Caucus ist die erste Vorwahl-Entscheidung ohne Jeb Bush. Der Ex-Gouverneur von Florida stieg aus, und eine der interessanten Fragen ist nun, wie sich sein Abschied auf das verbleibende Feld auswirkt. Lesen Sie hier das Wichtigste zur Vorwahl in Nevada:

Marco Rubio muss liefern

Marco Rubio hat ein paar gute Tage hinter sich. Nach dem Abschied Bushs hat sich der junge Senator aus Florida jede Menge prominente Unterstützer sichern können. Gouverneure, Senatoren, Alt-Republikaner - so ziemlich alles, was Rang und Namen in der Partei hat, schlägt sich inzwischen auf seine Seite.

Kein Wunder: Rubio gilt inzwischen als die letzte Hoffnung des Partei-Establishments, um Donald Trump verhindern zu können. Er will die Stimmen aller Moderaten auf sich vereinen. Das Problem: Rubio bleibt kaum mehr Zeit. Er muss schon in Nevada ein Spitzenergebnis holen.

Der Vorwahl-Marathon in den USA zieht immer mehr an.

Ein guter zweiter Platz, gewissermaßen auf Tuchfühlung mit Trump, ist das Mindeste. Ein Sieg wäre besser - allein schon, um das Image zu vermeiden, nicht gewinnen zu können. Ein Platz drei würde bei vielen wohl schon die Frage aufwerfen, ob er dem Milliardär wirklich noch gefährlich werden kann.

Trump hat etwas zu verlieren

Trump ist obenauf - und auf dem besten Weg zur Kandidatur. Das ist gut für den Milliardär und eine Gefahr zugleich. Alle erwarten - auch angesichts der Umfragen - einen Sieg.

Ein Erfolg ist entsprechend Pflicht, würde allerdings die Dynamik des Wahlkampfs nicht groß verändern. Sein Problem: Kommt er abermals nicht über 35 Prozent, dürfte es erste Debatten darüber geben, ob er sein Potenzial ausgeschöpft hat.

Milliardär und Clinton sind obenauf - Bush hat genug vom Verlieren.

Und verliert er sogar gegen Rubio oder Rechtsaußen Ted Cruz, könnte das leicht als Zeichen dafür gewertet werden, dass sich die Amerikaner doch nicht so sicher sind, was Trump angeht.

Vor allem jene Wähler, die sich erst in den letzten 48 Stunden entscheiden, könnten zum Problem werden. In South Carolina holte Rubio in dieser Gruppe doppelt so viele Stimmen wie Trump.

Der Caucus - unberechenbarer Urnengang

Die Umfragen können Trump gefallen, rund zwanzig Prozentpunkte sehen ihn die meisten Institute vor seinen Rivalen. Das will aber nicht viel heißen: In Nevada wählen die Republikaner nicht per klassischer Primary, sondern per Caucus, also komplizierten Wahlversammlungen.

Um dabei erfolgreich zu sein, braucht es vor Ort eine gute Strategie, um die eigenen Anhänger zu mobilisieren und auch wirklich zum Wählen zu treiben. Iowa, wo ebenfalls ein Caucus stattfand, hat gezeigt, dass Trumps Kampagne hier eine Schwäche gegenüber seinen Mitbewerbern hat.

Die Frage ist, ob seine jüngsten Erfolge und die daraus resultierende Diskussion ausreichen, um gewisse Defizite beim so genannten "ground game" wettzumachen. Nevada hat den Ruf der Unberechenbarkeit: Mitt Romney holte 2012 rund 50 Prozent, nachdem etliche Umfragen vor der Wahl ihn nicht mal als Sieger vorhersagten.

Und ab geht's Richtung Super Tuesday

Unmittelbar nach der Wahl in Nevada richten sich die Blicke auf den Super Tuesday am 1. März. Der Dienstag kommender Woche wird zur Schlacht: Gleich ein Dutzend Staaten wählen, und weil es so viele sind, hat der Super Tuesday erheblichen Einfluss auf die Delegiertenverteilung. Die drei wichtigsten Kandidaten Trump, Rubio und Cruz fahren dabei unterschiedliche Strategien:

  • Trump versucht mit seinem Privatjet, möglichst überall Wahlkampf zu machen.
  • Rubio konzentriert sich auf jene Wählergruppen, in denen er am besten abschneidet: jüngere Republikaner mit College-Abschluss in den Vororten großer Städte.
  • Cruz will vor allem seinen Heimatstaat Texas gewinnen, der immerhin 155 Delegierte zu vergeben hat.

Apropos Delegierte: Trump, den manche nach seinen jüngsten Siegen schon als absehbaren Präsidentschaftskandidat sehen, hat bisher 67 Wahlmänner und Wahlfrauen sammeln können.

Um nominiert zu werden, braucht er 1237. Der Weg ist noch weit.© SPIEGEL ONLINE