Die etablierte Hillary Clinton, der Sozialist Bernie Sanders oder doch der populistische Donald Trump oder ein radikaler Ted Cruz? In den USA hat mit den Vorwahlen in Iowa die Suche nach dem nächsten Präsidenten begonnen. Damit verbunden stellt sich die Frage, welcher Kandidat für Europa als Präsident am besten wäre.

Das Rennen um die US-Präsidentschaft ist nach den ersten Vorwahlen im Bundesstaat Iowa völlig offen. Während sich Hillary Clinton und Bernie Sanders bei der Demokratischen Partei ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten, ließ der Republikaner Ted Cruz mit 28 Prozent der Stimmen seine Widersacher Donald Trump (24) und Marco Rubio (23) knapp hinter sich.

Auch in Europa wird das Rennen ums Weiße Haus aufmerksam verfolgt, denn nach acht Jahren Barack Obama steht in Washington ein Machtwechsel vor der Tür.

Nun stellt sich die Frage, wer aus europäischer Sicht der ideale Kandidat wäre. Wer vertritt am ehesten europäische Interessen? Mit wem könnte die Zusammenarbeit am besten funktionieren?

Das saß: Politiker wird bei Vorwahlen in Iowa zum Ex-Siegertyp.

Experte: Clinton die "geeignetste Kandidatin"

Für Prof. Thomas Jäger, Lehrstuhlinhaber für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität Köln, muss da nicht lange überlegen. "Sollte Hillary Clinton gewählt werden, wäre das im Kern wie eine dritte Amtszeit Obama", erklärt der Politologe. In den Bereichen der Sozialpolitik, Gesundheitspolitik oder beim Thema Waffenrecht sei mit Kontinuität zu rechnen.

Außenpolitisch tritt die frühere Außenministerin beispielsweise weiter für eine führende Rolle der USA in der Anti-IS-Koalition ein, den Einsatz von Bodentruppen lehnt sie wie Obama allerdings ab. "Clinton wäre, was die Zusammenarbeit mit Europa betrifft, die geeignetste Kandidatin", sagt Jäger. "Sie steht für Kontinuität."

Dr. Martin Thunert vom "Heidelberg Center for American Studies" (HCA) der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg teilt diese Analyse – zumindest aus Sicht des europäischen Establishments in der EU.

"Ich kann mir aber gut vorstellen, dass viele europäische Rechtspopulisten mit Trump glücklich wären und Parteien wie die griechische Syriza oder die Linkspartei in Deutschland mit Bernie Sanders", sagt Thunert.

Den Linksaußen, der sich selbst als "demokratischen Sozialisten" bezeichnet, hält Jäger für schwer einschätzbar.

"Sanders ist außenpolitisch bisher kaum in Erscheinung getreten. Da er mit seinen linken Positionen außerdem den republikanisch dominierten Kongress gegen sich hätte, würde er im eigenen Land permanent unter Druck geraten." Das wäre letztlich auch für seine Außenpolitik keine stabile Basis.

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Cruz, Trump, Rubio: mehr Ausgaben fürs Militär

Schwerwiegende Folgen für Deutschland und Europa könnte es dagegen haben, wenn einer der Republikaner im Herbst ins Weiße Haus gewählt würde. Davon ist zumindest Thomas Jäger überzeugt.

"Cruz, Trump und Rubio wollen die USA wieder zu einer harten Militärmacht aufbauen. Bei möglichen Kriegseinsätzen würde sich für die NATO und Deutschland die Bündnisfrage stellen."

Von Deutschland würde es unter Umständen erwartet werden, sich an neuen Kriegsabenteuern zu beteiligen, ein republikanischer Kandidat wäre für Europa daher deutlich "unangenehmer", so Jäger.

Ted Cruz sagte kürzlich, er wolle den IS "bombardieren, bis der Sand glüht". Trump kündigte an, den Verteidigungsetat zu erhöhen. Aber er fordert zugleich, dass die von Konflikten in ihrer Region betroffenen Länder – wie die Europäer in der Ukraine-Krise – mehr zur Lösung beitragen müssen.

"Ich erwarte auch von einer Präsidentin Clinton ein stärkeres militärisches Engagement als unter Obama", erklärt dagegen Martin Thunert. Demokraten und Republikaner würden beide mehr Beteiligung von Europa einfordern.

Während die außenpolitisch erfahrene Clinton aber in Abstimmung mit den Europäern agieren würde, seien bei den Republikanern auch Alleingänge möglich - was den militärisch eher zögerlichen Deutschen gar nicht ungelegen kommen könnte, wie Thunert vermutet.

Schließlich rechnet Thomas Jäger unter einem republikanischen Kandidaten mit einer aggressiveren, auf amerikanische Interessen konzentrierten Wirtschaftspolitik. "Auch das wäre schädlich für Europa", sagte der Politologe.

Republikaner blamiert sich während Gottesdienst in Iowa.

Trump gilt als unberechenbar

In den letzten Monaten war es vor allem Donald Trump, der die Öffentlichkeit, das politische Establishment in den USA und auch viele Europäer mit seinen provokanten Reden und demütigenden Bemerkungen über Frauen, Behinderte, Einwanderer und Muslime aufschreckte.

Ob Trump aus wahltaktischen Überlegungen agiere, oder ob seine Provokationen authentisch seien, ist für Jäger schwer einzuschätzen.

Auch für seinen Heidelberger Kollegen ist Trump ein Stück weit "unberechenbar" – über seine außenpolitische Ausrichtung äußert er sich stets vage.

"Aber auch Trump wäre an seine Bündnispflichten gegenüber den Europäern gebunden", sagt Martin Thunert.

Hillary Clinton wäre zweifellos die pflegeleichtere Präsidentin für Deutschland und Europa. Ob sie ihrem Ehemann Bill tatsächlich ins Weiße Haus folgen wird, ist nach den Vorwahlen in Iowa allerdings noch völlig offen.

Zur Person: Prof. Dr. Thomas Jäger ist seit 1999 Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik und Außenpolitik an der Universität zu Köln. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in internationalen Beziehungen sowie amerikanischer und deutscher Außenpolitik.
Dr. Martin Thunert ist Dozent am Heidelberg Center for American Studies (HCA) der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Dieses erforscht, analysiert und vermittelt Kenntnisse über historische, kulturelle, wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklungen in den USA.

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