Markige Worte von Wladimir Putin: In einem Interview kritisiert er die EU, die Nato, die USA. Alle seien Russland feindlich gesonnen. Sein Land dagegen habe nur einen Fehler gemacht.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung vom Montag deutlich zu aktuellen politischen Themen und zu Bundeskanzlerin Angela Merkel geäußert. Ein Überblick:

Autor Michail Sygar vertritt spannende These zu Russlands Präsidenten.

Putin über die EU-Sanktionen

Russlands Präsident Wladimir Putin kritisiert die Sanktionen gegen sein Land wegen des Ukraine-Konflikts als geopolitisches Kalkül. "Die Sanktionen des Westens sollen nicht der Ukraine helfen, sondern Russland geopolitisch zurückdrängen", sagte Putin der "Bild"-Zeitung vom Montag in einem Interview.

Die Strafmaßnahmen seien töricht, ein "absurdes Theater", wie er sagte. Sie schadeten beiden Seiten. Russland habe dadurch Probleme, sich international Geld zu beschaffen. "Größerer Schaden entsteht derzeit jedoch durch den Verfall der Energiepreise", sagte der Kremlchef der Zeitung in Sotschi in Südrussland.

Putin über den Terror und Flüchtlinge

Zur Münchener Sicherheitskonferenz Mitte Februar werde er nicht kommen. "Es ist nicht geplant", sagte auch Putins Sprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau. Trotzdem warb der Kremlchef für Kooperation: "Wir sollten weltweit viel enger zusammen stehen im Kampf gegen den Terror, der eine große Herausforderung ist."

Der Westen habe russische Warnungen vor Fehlern im Irak oder in Libyen immer als antiwestliche Propaganda abgetan, sagte Putin einer Gesprächsmitschrift des Kremls zufolge. "Und jetzt, wo Sie Hunderttausende, mehr als eine Million Flüchtlinge haben, sehen Sie unsere Position da als antiwestlich oder prowestlich?"

Putin über die Nato

Der russische Präsident erneuerte Vorwürfe, die er 2007 bei einer Rede in München erhoben hatte: Die Nato habe mit der Ausdehnung nach Osten gegen Absprachen verstoßen. Russlands einziger Fehler sei gewesen, seine Interessen nicht stark genug verteidigt zu haben.

Die Europäische Union und die USA hatten die Sanktionen 2014 wegen der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim und der russischen Hilfe für die Separatisten in der Ostukraine verhängt.

2015 ist Russland auf die Weltbühne als Großmacht zurückgekehrt. Mit militärischen Manövern demonstriert Wladimir Putin als Oberbefehlshaber gern die Stärke seiner Streitkräfte – und er schickt Soldaten in den Krieg gegen den IS.

Putin über die Krim

Kritik an seinem Vorgehen wies Putin zurück. "Für mich sind nicht Grenzen und Staatsterritorien wichtig, sondern das Schicksal der Menschen" - in dem Fall der Russen auf der Krim.

"Die Wiedervereinigung der Krim mit Russland ist gerecht", erklärte er. "Bei der Volksabstimmung, die noch vom alten Parlament der Krim beschlossen wurde, stimmte die Mehrheit der Bürger dann dafür, zu Russland zu gehören. Das ist Demokratie, der Volkswille."

Man habe sich im Fall der Krim an das Völkerrecht halten. "Gemäß der Uno-Charta hat jedes Volk das Recht auf Selbstbestimmung, nehmen Sie nur das Kosovo: Damals wurde von Uno-Instanzen entschieden, dass das Kosovo von Serbien unabhängig werden kann und die Interessen der serbischen Zentralregierung dahinter zurückstehen müssten."

Putin über Angela Merkel

Sein Verhältnis zu Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte er "professionell und offen". Die Frage, ob er die Kanzlerin bewundere, verneinte der russische Präsident.

Nach eigenen Worten hat er bei einem ihrer ersten Treffen nicht mit seiner Hündin erschrecken wollen. "Ich wollte ihr eine Freude machen", sagte Putin der Zeitung.

Von Merkels Abneigung gegen Hunde habe er nichts gewusst. "Als ich erfuhr, dass sie Hunde nicht mag, habe ich mich natürlich entschuldigt."

2007 in Sotschi hatte Putin seine ungestüme Labrador-Hündin Koni ins Zimmer gelassen, die auch an der Kanzlerin schnüffelte. Merkel überspielte die Situation. Auf deutscher Seite wurde nicht ausgeschlossen, dass der Kremlchef die Kanzlerin absichtlich in Bedrängnis bringen wollte. (far/dpa)

Das Verhältnis der Nato zu Russland ist schwer belastet. Daran ist aber nicht allein Russlands Präsident Wladimir Putin schuld. Im Interview erklärt Ex-Nato-General Harald Kujat, was hinter dem Säbelrasseln Russlands und den Manövern der Nato steckt und wieso es derzeit ausgeschlossen ist, die Ukraine in das Bündnis aufzunehmen.