Es war der bisher größte Aufmarsch von "Pegida"-Anhängern: Am Montag mobilisierte die Anti-Islam-Bewegung in Dresden rund 15.000 Menschen. "Pegida" ist in den vergangenen Wochen zu einer riesigen Bewegung geworden. Wie konnte das passieren? Wie gefährlich ist das fremdenfeindliche Bündnis? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist "Pegida"?

"Pegida" ist ein rechtspopulistisches Anti-Islam-Bündnis. Ausgeschrieben bedeutet "Pegida" "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Besonders in Dresden gehen seit Wochen zahlreiche "Pegida"-Anhänger auf die Straße. Auch in anderen deutschen Großstädten erlangt die Bewegung immer mehr Zulauf. Als Widerstand gegen die wöchentlichen Versammlungen demonstrieren auch zahlreiche Gegner des fremdenfeindlichen Bündnisses.

Woher kommt die Bewegung?

Der Initiator ist der vorbestrafte Lutz Bachmann. "Pegida" zielt vor allem auf Menschen ab, die sich vor einer vermeintlichen "Islamisierung" Deutschlands fürchten. Diese Angst vor einer "Unterwanderung" wird teilweise durch radikal-islamische Salafisten befeuert, die von Deutschland aus die Terrormiliz "Islamischer Staat" unterstützen. Trotzdem leben beispielsweise in Dresden, wo die Bewegung am meisten Zulauf findet, lediglich fünf Prozent muslimische Bürger. Ein weiterer Auslöser ist die aktuelle Asylpolitik, wodurch nach Ansicht vieler "Pegida"-Anhänger zu viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Beliebte Parolen sind "Armutszuwanderung" und "Asylmissbrauch". "Pegida" bündelt diese breite Strömung der Unzufriedenheit und bedient sich der einfachen Antworten rechtspopulistischer Organisationen. Das fremdenfeindliche Bündnis wird vom interkulturellen Rat Deutschlands und von Pro Asyl als rassistisch eingestuft.

Wie gefährlich ist "Pegida"?

Bei der Herbstkonferenz der Innenminister in Köln standen die Demonstrationen der "Pegida"-Anhänger auf der Tagesordnung. Der Vorsitzende der Konferenz, Ralf Jäger, sprach von einer "besorgniserregenden Gefahr": "Wenn sich das verfestigt, haben wir eine rechtsextremistische Strömung, die keiner in Deutschland will", so Jäger. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte der Zeitschrift "Spiegel", dass er über die schnell ansteigende Teilnehmerzahl besorgt sei. Laut einer Umfrage des Instituts TNS teilt jeder dritte Deutsche die Ansicht des fremdenfeindlichen Bündnisses. Das Innenministerium sowie Politikwissenschaftler beobachten eine Unterwanderung durch Neonazis und warnen vor einem Drift in den Rechtsextremismus.

Was fordert "Pegida"?

"Pegida" wettert besonders gegen muslimische Extremisten und angeblich drohende "Glaubenskriege" in Deutschland. Die Fremdenfeindlichkeit tarnt sich in der Sorge um die Werte der deutschen Kultur oder des "Abendlandes". Unter anderem sprechen sie sich für eine Verschärfung der Asylpolitik aus.

Was sind die Reaktionen in der Politik?

Das Bündnis wird von vielen Seiten angegriffen und verurteilt. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) beispielsweise bezeichnete die Aktionen der Rechtspopulisten als "Schande für Deutschland". Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich ablehnend: In Deutschland gebe es keinen Platz für Hetze gegen Gläubige, für Islamophobie oder Fremdenfeindlichkeit. Die Partei "Alternative für Deutschland" hingegen solidarisierte sich mit der Anti-Islam-Bewegung, und sieht sich nach dem Geiseldrama von Sydney sogar in ihrer Forderung nach Einwanderungsbeschränkungen bestätigt. (she/dpa)