Wladimir Putin hat der "Bild"-Zeitung ein ausführliches Interview gegeben. Darin spricht er über den Konflikt Russlands mit dem Westen, sein gutes Verhältnis zu Angela Merkel - und warum aus seiner Sicht die Welt seit dem Ende der Sowjetunion aus dem Gleichgewicht ist.

In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung gab sich Wladimir Putin im Konflikt mit dem Westen versöhnlich.

Oben ohne, beim Sport oder mit Hund: 2016 ganz im Zeichen des Kremlchefs.

Zwar wolle er nicht zur Nato-Sicherheitskonferenz Mitte Februar kommen. Doch zugleich hoffe er auf einen Dialog mit dem Westen - und vor allem eine engere Zusammenarbeit im Kampf gegen den weltweiten Terror. Für Angela Merkel fand der russische Präsident vor allem lobende Worte. Die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Wladimir Putin über sein Verhältnis zu Angela Merkel und zu Deutschland:

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich anerkennend über Angela Merkel geäußert. "Ich vertraue ihr, sie ist ein sehr offener Mensch", sagte er.

Sie unterliege zwar "bestimmten Zwängen und Beschränkungen. Aber sie bemüht sich ehrlich darum, die Krisen beizulegen, auch im Südosten der Ukraine", so Putin.

"Wir haben ein geschäftsmäßiges Verhältnis. Ich habe sie sieben Mal im vergangenen Jahr getroffen, mindestens 20-mal haben wir telefoniert."

Am Rande entschuldigte sich Putin auch für einen Vorfall aus dem Jahr 2007. Damals hatte er seinen Hund zu einem Treffen mit Merkel in Sotschi mitgebracht. Auf die Frage, ob er gewusst habe, dass Merkel eine gewisse Angst vor Hunden habe, antwortete Putin jetzt: "Nein, das wusste ich nicht. Ich wollte ihr eine Freude machen. Als ich erfuhr, dass sie Hunde nicht mag, habe ich mich natürlich entschuldigt."

Putin lobt auch das aus seiner Sicht gute Verhältnis und die gegenseitige Sympathie der Deutschen und Russen. "Auch mit anti-russischer Propaganda ist es den Massenmedien in Deutschland nicht geglückt, diese Sympathie zu beschädigen."

Aber in den internationalen Beziehungen zwischen Staaten gehe es anders zu, so Putin. "Da bin ich bin weder Freund, noch Braut noch Bräutigam. Ich bin der Präsident von 146 Millionen Russen. Für ihre Interessen muss ich einstehen. Wir sind bereit, das ohne Konflikte auszutragen und auf der Basis des internationalem Rechts nach Kompromissen zu suchen."

Wladimir Putin über den Ukraine-Konflikt:

Wladimir Putins Rolle im syrischen Bürgerkrieg wirft viele Fragen auf.

Zum Anschluss der Krim an Russland sagte Russlands Präsident. "Für mich sind nicht Grenzen und Staatsterritorien wichtig, sondern das Schicksal der Menschen."

Der Staatsstreich der Nationalisten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew habe im Februar 2014 2,5 Millionen russischen Menschen auf der Krim große Angst eingejagt. Putin: "Was haben wir also gemacht? Wir haben keinen Krieg geführt, nicht geschossen, es wurde kein einziger Mensch getötet. Unsere Soldaten haben lediglich die ukrainischen Truppen auf der Krim daran gehindert, die freie Meinungsäußerung der Menschen dort zu behindern."

Zugleich versicherte Putin, dass man sich im Fall der Krim an das Völkerrecht gehalten habe. Putin: "Gemäß der Uno-Charta hat jedes Volk das Recht auf Selbstbestimmung, nehmen Sie nur das Kosovo: Damals wurde von Uno-Instanzen entschieden, dass das Kosovo von Serbien unabhängig werden kann und die Interessen der serbischen Zentralregierung dahinter zurückstehen müssten. Das können Sie in allen Akten nachlesen, auch in den deutschen."

Wenn aber die Kosovaren das Selbstbestimmungsrecht gehabt hätten, "warum sollen es die Menschen auf der Krim nicht haben?" so Putin.

Die Sanktionen gegen sein Land wegen des Konflikts in der Ostukraine nannte er töricht. "Die Sanktionen des Westens sollen nicht der Ukraine helfen, sondern Russland geopolitisch zurückdrängen", sagte Putin in dem Interview, das die "Bild"-Zeitung im südrussischen Sotschi mit ihm geführt hat.

Wladimir Putin: Warum die Welt aus dem Gleichgewicht geraten ist

Zugleich beklagte Putin, dass die Welt seit dem Ende der Sowjetunion aus dem Gleichgewicht geraten sei. Das liege vor allem in der Schwäche der Sowjetunion kurz vor ihrem Ende, gibt sich Putin selbstkritisch. "Wir waren zu spät. Hätten wir von Anfang unsere nationalen Interessen viel deutlicher gemacht, wäre die Welt heute noch im Gleichgewicht."

Stattdessen seien nach dem Fall der Berliner Mauer "unsichtbare Mauern in den Osten Europas verschoben worden". Das habe zu "gegenseitigen Missverständnissen und Schuldzuweisungen geführt, aus denen all die Krisen seitdem erwachsen sind."

Die damaligen Nato-Staaten hätten im eigenen Interesse auf die Ost-Erweiterung des Bündnisses verzichten sollen, aber so Putin: "Die Nato und die USA wollten den vollen Sieg über die Sowjetunion. Sie wollten allein auf dem Thron in Europa sitzen – aber da sitzen sie nun und wir reden über die ganzen Krisen, die wir sonst nicht hätten."

In diesem Zusammenhang kritisierte Putin auch das Bestreben der USA, einen Raketenabwehrschirm in Europa zu installieren. Das "Streben nach absolutem Triumph sehen Sie auch an den amerikanischen Plänen zur Raketenabwehr", sagte er in dem Interview mit der "Bild".

US-Präsident Obama habe 2009 gesagt, die Raketenabwehr werde allein dem Schutz vor iranischen Atomraketen dienen.

Putin: "Aber jetzt gibt es einen internationalen Vertrag mit dem Iran, der ein mögliches militärisches Atomprojekt Teherans unterbindet. Die Internationale Atomenergie-Behörde kontrolliert, die Sanktionen gegen den Iran werden aufgehoben – doch an dem US-Raketenabwehrsystem wird ungebremst weiter gearbeitet." (cai)