Wladimir Putin spricht im Interview mit der "Bild" über die Rolle Russlands in der Weltpolitik, das zerrüttete Verhältnis zur Türkei - und warum Russland dem syrischen Diktator Bashar al-Assad Asyl gewähren würde.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat ein künftiges Asyl für Assad in Russland nicht ausgeschlossen. "Es war sicherlich schwieriger, Herrn Snowden Asyl in Russland zu gewähren, als es im Fall von Assad wäre", sagte Putin in dem Interview mit der "Bild".

Auch er sei "der Meinung, dass Präsident Assad viel falsch gemacht hat im Laufe dieses Konfliktes. Aber dieser Konflikt hätte niemals eine solche Größe gewonnen, wenn er nicht von außerhalb Syriens befeuert würde – mit Waffen, Geld und Kämpfern".

Krim, Ukraine, Terror, Kanzlerin: Das hat Russlands Präsident dazu zu sagen.

Gleichwohl wolle Russland nicht, dass "Syrien so endet wie der Irak oder Libyen", so Putin. Man sollte deshalb alles daransetzen, "die legitimen Machthaber in Syrien zu stützen".

Putin sagte weiter: "Das soll aber nicht bedeuten, dass alles beim Alten bleiben kann. Wenn die Stabilisierung des Landes vorankommt, müssen eine Verfassungsreform folgen und danach vorgezogene Präsidentschaftswahlen. Nur das syrische Volk kann entscheiden, wer das Land in Zukunft regieren soll."

Waldimir Putin bietet Nato Zusammenarbeit an

Russlands Präsident hat der Nato zudem eine Zusammenarbeit angeboten. "Russland würde gern wieder mit der Nato zusammenarbeiten, Gründe und Gelegenheiten gäbe es genug." Aber es ist wie im richtigen Leben, so Putin: "Eine glückliche Liebe ist nur eine, die erwidert wird. Wenn man nicht mit uns zusammenarbeiten will, na bitte, dann eben nicht."

Zugleich sei Russland "jederzeit bereit, wieder an G-8-Treffen teilzunehmen." Die Treffen, so der Präsident, "waren alles in allem durchaus nützlich, denn es ist immer gut, alternative Meinungen auszutauschen und Russland zuzuhören."

Er habe aber in der Vergangenheit den Eindruck gehabt, "dass Russland nie ein vollwertiges Mitglied der G-8-Gruppe war. Die Außenminister zum Beispiel trafen sich weiterhin im alten Format der sieben wichtigsten Staaten, G 7, ohne Russland."

Putin: Abschuss von russischem Jet war "Kriegsverbrechen"

Autor Michail Sygar vertritt spannende These zu Russlands Präsidenten.

In den russisch-türkischen Streit sieht Putin die Nato nicht verwickelt. "Die Türkei ist zwar Mitglied der Nato, aber sie wurde nicht angegriffen. Darum muss die Nato die Türkei nicht schützen, und unsere Probleme mit der Türkei haben auch nichts mit der Nato-Mitgliedschaft dieses Landes zu tun."

Putin weiter: "Die türkische Führung hätte sich besser für den Abschuss, der ein klares Kriegsverbrechen war, entschuldigen sollen, anstatt das Nato-Hauptquartier anzurufen."

Am Ende gibt sich der russische Präsident aber auch selbstkritisch - und erklärt, dass die Demokratie in Russland weiterentwickelt werden müsse. "Russland hat genug Erfahrung mit einem Ein-Parteien-System gemacht, dorthin gehen wir nicht zurück. Wir werden unsere Demokratie weiterentwickeln und vervollkommnen", sagte er.

Putin: Wollen keine Supermacht sein

77 Parteien seien inzwischen bei Parlamentswahlen zugelassen, die meisten Gouverneure werden direkt gewählt. Auf Nachfrage erklärte Putin, dass es "kein einheitliches, weltweites Modell für Demokratie" gebe. "Was unter Demokratie verstanden wird, unterscheidet sich von Land zu Land. Dieses Verständnis ist in Indien anders als in den USA und anders als in Russland oder Europa."

Was die Demokratie in Russland angehe, bemerkt er: "Von Freiheit sprechen die Mächtigen gern, um der Bevölkerung das Gehirn zu waschen."

Putin hat der Rolle Russlands als Supermacht eine Absage erteilt. "Nein, wir beanspruchen die Rolle einer Supermacht nicht. Das ist viel zu teuer und unnötig." Russland sei aber weiterhin eine der führenden Wirtschaftsnationen der Welt.

Russland kämpft in Syrien gegen den IS - und auch ums Prestige.

Gelassen habe er auch auf die Äußerung von US-Präsident Obama reagiert, Russland sei nur noch eine Regionalmacht. Putin in der "Bild": "Das habe ich nicht ernst genommen. Jeder Staats- und Regierungschef auf der Welt kann natürlich seine Meinung haben und äußern. Barack Obama sagt ja ebenso, Amerika sei die 'auserwählte Nation'. Auch das nehme ich nicht ernst." (cai)