Düsseldorf (dpa/tmn) - Trotz Ebola nach Afrika fliegen? Die Gefahr, sich im Flugzeug mit der Krankheit zu infizieren, sei sehr gering, sagt Prof. Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin. Behörden und Airlines kontrollieren streng.

Nach den USA hat auch Großbritannien Ebola-Einreisekontrollen eingeführt. Die Maßnahme gelte an den Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick sowie am Terminal für Reisende mit dem Eurostar aus Frankreich, teilte die britische Regierung in London mit. Die Kontrollen beträfen Reisende, die aus vom Ebola-Ausbruch betroffenen Ländern wie Liberia und Sierra Leone kommen.

Flugreisende müssen jedoch keine Angst haben, sich an Bord eines Flugzeugs mit Ebola zu infizieren. "Selbst wenn sie sich in einen Sitz hineinsetzen, auf dem ein Ebola-Kranker saß, ist eine Ansteckung höchst unwahrscheinlich", sagt Prof. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM). Das Virus könne außerhalb des menschlichen Körpers nicht lange überleben. Hinzukommt, dass es im Frühstadium der Erkrankung kaum übertragbar sei, sondern erst, wenn akute Symptome auftreten. Und in diesem Fall sei es wiederum sehr unwahrscheinlich, dass ein Erkrankter überhaupt an Bord einer Maschine gelassen wird.

Tatsächlich kontrollieren die Behörden in Westafrika den Flugverkehr angesichts der Ebola-Epidemie mittlerweile streng. Passagiere, die etwa über Monrovia oder Freetown ausreisen wollen, werden an den Flughäfen auf ihre Körpertemperatur geprüft. Wenn Infizierte überhaupt an Bord eines Flugzeug kommen, dann in der Regel, bevor sie Krankheitssymptome zeigen.

"Es kann sein, dass eine Maschine, die wir für Monrovia eingesetzt haben, danach zum Beispiel nach Kinshasa oder in die USA fliegt", erklärt Wencke Lemmes, Sprecherin von Brussels Airlines. Dazwischen werde sie gründlich gereinigt. Etwa 90 Prozent der Langstreckenflüge der belgischen Fluggesellschaft gehen nach Afrika.

Eine theoretische Gefährdung besteht für einen anderen Passagier höchstens, wenn ein Infizierter direkt während des Fluges richtig krank wird, sagt Wissenschaftler Jelinek. "Aber selbst dann müsste er sich regelrecht in meinen Schoß erbrechen", erklärt der Tropenmediziner. Ebola wird nicht durch Tröpfcheninfektion übertragen, sondern durch den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten.

Air France hat nach eigenen Angaben strikte Maßnahmen vorgesehen, wenn ein verdächtiger Fluggast an Bord entdeckt wird. Ähnlich bei Brussels Airlines: Zeige ein Passagier während des Flugs Symptome, werde er isoliert und das Flugzeug unter Quarantäne gesetzt, sagt Lemmes. Ist eine Person schon beim Einchecken sichtlich krank, aber ohne erhöhte Temperatur, dürfe sie erst nach einer medizinischen Untersuchung mitfliegen.

Ebola-Witz kann teuer werden

Reisende sollten auf Ebola-Witze an Bord eines Flugzeugs besser verzichten. Sie können sonst für die Kosten herangezogen werden, die etwa für die Quarantäne und Überprüfung der Passagiere und der Maschine entstehen. Darauf weist Prof. Ronald Schmid von der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht hin. "Das ist vergleichbar mit einem Scherzanruf bei der Feuerwehr."

Ein Passagier auf einem Flug von den USA in die Dominikanische Republik hat Medienberichten zufolge mit einem Ebola-Scherz Angst unter den Reisenden verbreitet. Nach der Landung sei ein Sondereinsatz-Team der örtlichen Gesundheitsbehörde in Schutzanzügen an Bord gegangen und habe den Mann abgeführt, berichtete der US-Sender CNN. Die Fluggesellschaft US Airways erklärte, sie habe angesichts eines möglichen Gesundheitsproblems an Bord die Richtlinien der US-Gesundheitsbehörde CDC im Kampf gegen Ebola angewendet.© dpa