Nach einer abenteuerlichen Fahrt in einem vollkommen überfüllten Minivan haben wir also das Boot erreicht. Also Boot ist etwas viel gesagt, den kleinen Kutter. Auf diesen kleinen harten Holzbänkchen sollten wir also die nächsten 6 bis 10 Stunden verbringen, nicht gerade rosige Aussichten.

Anfangs hat die Fahrt wirklich keinen Spaß gemacht, ständig mussten wir aufgrund des niedrigen Wasserstandes anhalten, um entgegenkommende Boote passieren zu lassen. Wir kamen kaum voran.

Doch sobald wir breitere Gebiete des Flusses (der den Namen Steng Sonkea Sangker River trägt) erreicht hatten, ging es flotter voran. Und langweilig wird so eine Fahrt bestimmt nicht, an den Flussufern und auch auf dem Fluss selbst gibt es so viel zu sehen!

Schwimmende Dörfer: das einfache Leben auf dem Fluss

Sehr beeindruckt haben mich die schwimmenden Dörfer. Hier leben ganze Familien jeweils in einer kleinen auf dem Wasser treibenden Hütte.

Ähnlich eines Vorgartens haben sie ihr Wassergemüse vor dem Haus abgesteckt und auch die eigenen Fischgitter liegen fest verankert. Hier wird der noch lebende Fang untergebracht, damit der Fisch stets frisch und nach Bedarf auf den Tisch kommt.

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Abenteuerliche Fahrt über den Steng Sonkea Sangker River

Nach einer abenteuerlichen Fahrt in einem vollkommen überfüllten Minivan haben wir also das Boot erreicht. Also Boot ist etwas viel gesagt, den kleinen Kutter. Auf diesen kleinen harten Holzbänkchen sollten wir also die nächsten 6 bis 10 Stunden verbringen, nicht gerade rosige Aussichten.

In den schwimmenden Dörfern gibt es fast alles, was ein normales Dorf auch hat: eine Schule und Gemeinschaftshäuser, kleiner Kioske und Restaurants, feste Adressen und Arbeitsstätten. Nur eben keine befestigten Straßen, stattdessen treibende Häuser und kleine Boote zur Fortbewegung. Wirklich faszinierend!
Zahllose Kinder spielen auf den Terrassen ihrer dahintreibenden Häuser oder dösen im Schatten in der Hängematte, irgendwie direkt über dem Fluss aufgehangen. Für Spiel und Spaß sorgt das ausgelassene Toben im Fluss.

Die Verhältnisse am Fluss sind erschreckend einfach, die Wohnräume beengt und aus schmutzigem dünnen Wellblech zusammengebaut. Privatsphäre scheint es hier nicht zu geben, die meisten Häuser bestehen nur aus einem Raum, hier hält sich die ganze Familie auf.

Direkt am Leben der Flussbewohner vorbei

Woher ich das weiß? Weil Eingangstüren gibt es auch kaum, beim Vorbeifahren schauen wir direkt in das Leben der Flussbewohner.

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Unterwegs passieren wir immer wieder Fischer bei der Arbeit und zahllose Kindern beim Baden im Fluss. Überall werden wir begeistert begrüßt, vor allem die Kleinen haben einen riesen Spaß beim Zuwinken und Jubeln. Im Vorbeifahren können wir leider nicht mehr als ein freundliches Winken zurück geben.

Nach vier Stunden legen wir eine kleine Mittagspause ein, an einem recht überteuerten schwimmenden Restaurant können wir uns mit Snacks und kalten Getränken versorgen. Laut GPS Karte haben wir bereits zwei Drittel des Weges geschafft, wir sind zuversichtlich und starten in das vermeintlich letzte Wegstück.

Ab hier wird es problematisch. Der Wasserstand ist so niedrig, dass wir ständig im Sand stecken bleiben. Der Fluss ist so kurvig, dass wir nur in Zeitlupe navigieren können. Wir kommen kaum voran, zwei Stunden später haben wir gerade mal 5 der verbleibenden 30 Kilometer geschafft.

Frustration macht sich breit.

Mittlerweile kann keiner mehr richtig sitzen auf den schmalen Holzbänkchen. Die Sonne knallt zunehmend auf das Boot, da dieses an den Seiten offen ist, auch auf uns. Unsere Schwimmwesten retten uns, wenn auch nicht im ihnen zugedachten Sinne, so aber als Sitzpolster.

Nachdem wir wieder mal 10 Minuten bewegungslos im Fluss treiben werden wir aufgefordert das Boot zu verlassen. Wir werden laufen müssen.

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Also ein wagemutiger Sprung in den Fluss und auf ans andere Ufer. Von hier laufen wir knapp eine halbe Stunde in sengender Sonne während unser Fahrer versucht das nun leichtere Boot aus dem Schlamm zu navigieren.

Das frustrierende ist, dass wir in der Zeit in der wir zu Fuß unterwegs waren mehr Strecke gut gemacht haben als davor.

Aber der kleine Marsch ist interessant, er führt uns in eine kleine Siedlung, die Einwohner sind freundlich und weisen uns lachend die Richtung nach Battambang. Ok, ein bisschen schadenfroh sind sie wohl auch.

Menschen leben in ihrem eigenen Müll

Nun ist das Schlimmste überstanden, der Fluss wird weiter und tiefer und wir kommen wieder vorwärts. Mittlerweile ist auch die sengende Hitze des Tages vorüber, es ist ja schon 16:00 Uhr. Also begebe ich mich auf das Dach des Bootes und genieße die ruhige Fahrt.

Zunehmend werden die schwimmenden Dörfer durch befestigte Siedlungen am Flussufer abgelöst. Es ist erschreckend, wie sehr die Menschen in ihrem eigenen Müll leben. Die Siedlungen sind dreckig und wirken windschief zusammengeschustert.

Die Menschen führen hier ein hartes und mühsames Leben, rund um die Uhr beschäftigt mit Nahrungssuche und Zubereitung. Die Männer fischen, die Frauen kochen und die Kinder spielen im Fluss. Aber alle scheinen zufrieden, vor allem die Kinder sind ausgelassen und scheinen glücklich.

Ich genieße die letzten zwei Stunden Fahrt in vollen Zügen. Gegen sechs Uhr abends kommen wir in Battambang an, mit vier Stunden Verspätung.

Die Fahrt war beschwerlich, aber so interessant und stellenweise so wunderschön, dass sie zu meinen schönsten Reisemomenten dieses bisherigen Urlaubs gehört. Man kommt schneller nach Battambang, auch billiger, aber während einer Bootstour kann man das Landleben der Bevölkerung sehen, fernab von Siem Reaps glitzernden Touristenrestaurants und lauten Pubs.

Gundel Woite ist am liebsten auf Achse. Die erfahrende "Wander-Wade" berichtet auf ihrem Reiseblog über Städtereisen, Wanderurlaube und Genießer-Trips.