Wer wie ich erst als Erwachsene Skifahren lernt, kämpft nicht nur mit den zwei langen Brettern unter den Füßen. Die Angst vorm freien Fall ist mein ständiger Begleiter auf dem Weg ins Tal. Gut, dass das Skigebiet in Trysil extra leichte Abfahrten für Kinder hat und Schneemann Valle zum Anfeuern kommt.

Norwegen ist dunkel, teuer und kalt. Sagen meine Hamburger Freunde und empfehlen mir vor der Reise dringend, doch lieber in ein Skigebiet südlich der Elbe zu reisen. Fest steht: Ich habe mir in den Kopf gesetzt, endlich Skifahren zu lernen. Und als waschechtes Nordlicht kommt dabei für mich natürlich nur Skandinavien in Frage. Schließlich sind Vorurteile dazu da, über den Haufen geworfen zu werden, oder?

Mit der Fähre nach Oslo

Die Anreise aus Norddeutschland ist zudem denkbar einfach. Von Kiel nehmen wir ganz bequem eine den Color Line Fähren, die von hier aus täglich den Hafen in Oslo anlaufen.Von dort geht es mit dem Auto ins zweieinhalb Stunden entfernte Trysil nahe der schwedischen Grenze.

Am ersten Tag habe ich noch Schonfrist und Gelegenheit, das Gebiet ohne Bretter an den Füßen kennenzulernen. In Mitten eines riesigen Nadelwaldes erhebt sich direkt vor unserem Hotel der Trysilfjell, ein 1132 Meter über dem Meeresspiegel emporragender schneebedeckter Gipfel.

Mit 32 Skiliften und 66 Abfahrten auf 71 Kilometern ist Trysil Norwegens größtes Skigebiet. Und scheint auf Neulinge wie mich bestens vorbereitet zu sein. Denn neben den üblichen schwarzen, roten und blauen Pisten gibt es hier auch noch grüne, extra leichte Abfahrten also.

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Skifahren lernen in Norwegen: Auf grüner Piste ins weiße Tal

Wer wie ich erst als Erwachsene Skifahren lernt, kämpft nicht nur mit den zwei langen Brettern unter den Füßen. Die Angst vorm freien Fall ist mein ständiger Begleiter auf dem Weg ins Tal. Gut, dass das Skigebiet in Trysil extra leichte Abfahrten für Kinder hat und Schneemann Valle zum Anfeuern kommt.

Der erste Skitag

Nervös bin ich trotzdem, als ich am nächsten Tag meinen Skilehrer Mikael treffe. Er kommt aus Schweden, ist eigentlich Manager eines großen Unternehmens und nur am Wochenende auf dem Berg, um Ski-Frischlinge wie mich in die Kunst des Alpinsports einzuweisen.

Während ich es gar nicht abwarten kann, endlich auf den Idioten … äh Anfängerhügel zu kommen, hat Mikael noch einiges mit mir vor. Zu Beginn der Unterrichtsstunde soll ich mich erst einmal auf meine Skier stellen und die Füße und Beine abwechselnd links und rechts belasten. Das ist ja einfach.

Weiter geht’s mit dem Schneepflug, damit ich später nicht nur fahren, sondern auch bremsen kann. Also: Das Körpergewicht auf die innen liegenden Kanten stützen, die Knie ebenfalls nach innen beugen und die Skispitzen zusammenführen. Läuft. "Sehr gut", lobt Mikael, "ihr Deutschen habt das einfach im Blut, man spürt, dass ihr die Berge vor der Haustür habt." Also wenn das so leicht bleibt … tut es aber nicht.

Aller Anfang ist schwer

Schwupps geht es auf die erste Anhöhe, Mikael ist schon am Lift angekommen. Vor dem haben mich alle gewarnt. Wir starten mit einem Tellerlift. Nun gilt es, die Skier möglichst parallel in der Spur zu halten. So schwierig ist das doch gar nicht? Ich bin beruhigt.

Das Hügelchen schleiche ich im Schneepflug runter. Ein paar Kinder schauen belustigt rüber. Ja ja, ich habt ja Recht denke ich, Skifahren sollte man lernen, wenn man fünf ist. Schneemann Valle allerdings, das Maskottchen des Ortes, hebt begeistert die Arme und jubelt mir zu.

Die Prognosen für Deutschlands Ski-Regionen sind erschütternd.

Unten angekommen ist auch Mikael guten Mutes. "Ich denke wir können jetzt eine richtige Abfahrt nehmen", sagt er. "Deine Stöcke brauchst du dafür erst einmal nicht mehr." Mit dem Ankerlift geht es den Berg hinauf.

Auf dem Weg ergreift mich das, was erwachsenen Neulingen das Skifahren so wahnsinnig schwer macht: Die Angst vor dem Tal. Anders als Kinder wissen wir leider schon sehr genau, wie schnell Knochen brechen können und wie lange man mit einer Verstauchung zu kämpfen hat. Und dann erst der ganze Papierkram mit der Krankenkasse … Einfach nicht dran denken, murmele ich still vor mich hin, wobei einfach in diesem Fall gar nicht so einfach ist.

Die Talabfahrt

Oben angekommen habe ich Glück, denn vor lauter Nebel, der plötzlich aufgezogen ist, kann ich vom Tal überhaupt gar nichts mehr sehen. Geschweige denn die schmale Piste überblicken, an deren Seite es vermutlich steil hinab in den Nadelwald geht.

Also, ab geht’s. Ich versuche Mikaels Anweisungen zu folgen und mich beim Parallelfahren in Richtung Tal zu drehen. Klappt. Für wenige Momente fühle ich mich wie eine richtige Skifahrerin. Meine Angst ist plötzlich wie weggepustet. Ich fahre und fahre und fahre, große Kurven, kleine Kurven und ganz selten mal im Schneepflug. Das Tempo erscheint mir unglaublich hoch. "Nun müsstest du nur noch etwas schneller werden", kommentiert Mikael. Na gut, so weit können Gefühl und Realität manchmal voneinander entfernt sein.

Nach einer Weile fangen meine Oberschenkel an zu brennen und ich bin froh, als Mikael den Weg Richtung Hütte einschlägt und damit das Ende der Skistunde einläutet. Das Tolle hier in Trysil: Alle drei Berggebiete sind durch Lifte und Pisten so miteinander verbunden, dass sich Anfänger und Profis gut zum Mittagessen auf einer der Hütten verabreden können.

Nach Todesfällen umso dringlicher: Auch für Skifahrer gibt es Regeln.

Die legendäre schwarze Piste

Also treffe ich hier auch meine Reisebegleitung wieder. Gunnar ist einer von denen, die mit Brettern unter den Füßen groß geworden sind. Ob allerdings das Skigebiet in Trysil, das vor allem mit Familienfreundlichkeit wirbt, für ihn überhaupt ausreichend spektakulär sein würde – davon war er im Vorfeld nicht besonders überzeugt.

In der Hütte angekommen aber berichtet er glücklich von seinen durchaus anspruchsvollen Abfahrten und seiner Abfahrt von der legendären schwarzen Piste mit der Nummer 75, auf der sich ausschließlich die Profis in die Tiefe stürzen. Zahlreiche Youtube-Videos bezeugen die spektakuläre Abfahrt auf der Strecke mit einem Gefälle von 44 Grad. Eines steht fest: Wer dort fährt, kennt keine Angst vor dem Tal.

Preiswert durch schwachen Wechselkurs

Unter dem jetzt wieder blauen Himmel und bei strahlendem Sonnenschein stoßen wir mit einem Kakao für umgerechnet einen Euro auf meine erste Skistunde an. Norwegen soll dunkel und teuer sein? Von wegen! Dank des schwachen Wechselkurses der norwegischen Krone kostet ein Urlaub bei den Nordmännern zur Zeit tatsächlich rund ein Viertel weniger als noch vor zwei Jahren.

Dennoch – eines der Vorurteile hat sich bestätigt: Kalt ist es hier wirklich. Zum Glück, denn so kann Trysil auch in diesem Winter, in denen viele Pisten in Österreich, Frankreich und der Schweiz nicht nur auf dem Skiplan grün sind, mit hundertprozentiger Schneesicherheit überzeugen.

In diesem Jahr geht die Skisaison übrigens noch bis Ende April. Mein Tipp: An den Osterfeiertagen, die 2016 sehr früh sind, ist das Skigebiet proppevoll – danach wird’s deutlich ruhiger. Nutzt doch die Zeit nach den Feiertagen für einen aktiven Kurzurlaub im Norden!

Im Winter gelten auf den Straßen andere Gesetze. Das merkt jeder schnell, der im Skiurlaub mit seinem Auto unterwegs ist. Denn bei Schnee und Eis ändert sich das Fahrverhalten dramatisch und die Kälte setzt der Technik zu. Schnell steckt man in der schönen Winterlandschaft fest. Zum Glück gibt es dagegen Mittel und Wege.