Die Betonpfeiler, die die 2.777 Meter lange Landepiste stützen, sind 3 Meter dick. Und die Piste selbst - endet im Atlantik. Jahrelang war der Flughafen Funchal Airport auf Madeira einer der gefürchtetsten Flughäfen überhaupt. Gefährliche Winde treffen sich am Ende der früher sehr kurzen Landebahn. Flugkapitäne mussten sich regelmäßigen Schulungen unterziehen, um diesen Flughafen anzufliegen.

Es gibt Zeiten für Hiking, und es gibt Zeiten für High Heels!

Heute, 15 Jahre nach dem Ausbau des Flughafens, soll dies der Vergangenheit angehören – die Piste ist länger, die Piste ist breiter und wohl für alle Flugzeugtypen zugelassen. Dennoch kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass unser Flugzeug mitten im Ozean landen will. Das kolossale Bauwerk wird mir erst beim Verlassen der Insel auffallen und mich dazu veranlassen, etwas mehr über die Geschichte des Flughafens herauszufinden.

So beginnt meine Begegnung mit Madeira, der portugiesischen Insel der Blumen und des ewigen Frühlings.

Die Levadas – die etwas anderen Wanderwege

Steil und bergig ist die Landschaft der Vulkaninsel. Anbauflächen werden gewonnen, indem man Terrassen in die Hänge baut. Diese werden über ein altes und bewährtes System mit Wasser versorgt – über die sogenannten Levadas, deren Geschichte auf das 15. Jahrhundert zurückgeht. Diese künstlichen Wasserläufe sind im höchsten Maße einfach und effizient zugleich. Sie leiten das Wasser von den wasserreichen Gebirgsregionen zu den terrassenförmigen Anbauflächen, indem sie das natürliche Gefälle nutzen.

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Ein Ausflug nach Madeira

Lavastrände, Wandern in luftigen Höhen und Wein vom Feinsten. Madeira steckt voller schöner Orte.

Gleichzeitig bilden die Bewässerungskanäle auch ein ausgezeichnetes Wandernetz - man kann entlang der Levadas wandern und jeden Tag mehr und mehr von der Insel entdecken. Inmitten von wunderschönen sonnigen Berglandschaften muss der Wanderer damit rechnen, oft mit Wasser in Kontakt zu kommen. Plätschernde Gebirgsbäche benetzen die grünen Hänge, Wasserfälle kreuzen die Wege. In manchen Fällen ist man gar gezwungen, ein ungeplantes Erfrischungsbad in Kauf zu nehmen (unbedingt eine wasserdichte Hülle für elektronische Geräte mitnehmen!).

Auch Wandern in luftiger Höhe ist garantiert. Nicht selten verliert sich der schmale Pfad neben den Levadas und man muss über die Kante des Levadabetts weitergehen - eine schöne Möglichkeit, sich in Schwindelfreiheit und Trittsicherheit zu üben.

"25 Fontes and Cascada da Risco" und "Levada da Ponta do Sol" gehören zu den beliebtesten Levadawanderungen auf der Insel.

Badespaß auf Madeira

Porto Moniz ist berühmt für seine natürlichen Schwimmbecken.

Wer klassischen Strandurlaub sucht, ist auf Madeira eher fehl am Platz. Es gibt nur wenige feinsandige Strände, die künstlich aufgeschüttet worden sind. "Strandexzentriker" werden dennoch auf ihre Kosten kommen – Madeira bietet einige schwarze Lavastrände und sogenannte "Piscinas Naturais" – natürliche Schwimmbecken.

Das berühmteste natürliche Meeresschwimmbad auf Madeira befindet sich im Norden der Insel, in der Ortschaft Porto Moniz. Zerfurchtes schwarzes Lavagestein formt die felsige Wasserlandschaft, die direkt vom Atlantik mit Wasser gespeist wird. Nicht weit entfernt toben die wilden Wellen des Ozeans, die Schwimmbecken sind aber durch eine künstliche Barriere geschützt.

Weitere empfehlenswerte Bademöglichkeiten sind z. B. die Strände bei Machico und Calheta oder die Badebuchten Prainha und Praia da Lagoa.

Ausflug zu Cabo Girão

Im Süden von Madeira, in der Nähe von Câmara de Lobos, befindet sich Cabo Girão, das "Kap der Umkehr". Der Namen kommt wohl nicht von ungefähr - steile Klippen stürzen 580 m nahezu senkrecht in den Ozean und eröffnen einen grandiosen Ausblick über Land und Wasser.

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Direkt an der Felsküste, unterhalb der Klippe, entdeckt man wieder die für Madeira typischen Terrassenfelder. Diese waren früher nur vom Wasser aus mit einem Boot zu erreichen. Heutzutage gibt es eine Seilbahn, die den Bauern den Zugang über den Hang ermöglichen soll.

*Câmara de Lobos ist klein und übersichtlich und gilt dennoch als das Fischerzentrum auf Madeira. Empfehlenswert ist ein Besuch im Fischrestaurant Vila do Peixe. Auf einer großen Theke wird eine üppige Auswahl an frisch gefangenen Fischen ausgestellt. Der Gast kann sich dann seine Fischspezialität selber aussuchen und zubereiten lassen.

Ausflug zu Ponta de São Lourenço

Ponta de São Lourenço - aus jedem Blickwinkel ein Hingucker.

Im Osten von Madeira befindet sich Ponta de São Lourenço – die östlichste Halbinsel Madeiras. Das Gebiet wurde aufgrund seiner einmaligen Flora und Fauna, die nur hier vorzufinden ist, zum Naturschutzgebiet erklärt.

Hier kann man einen für Madeira eher untypischen Wandertag erleben. Es gibt keine Levadas und die Landschaft wirkt etwas karger. Dafür begleiten farbenfrohe Vulkanformationen den Wanderer und eröffnen immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den Atlantik. Im passenden Licht wähnt man sich fast in den Highlands Schottlands.

Die ca. 8 km lange Wanderung beginnt gleich am Parkplatz, der von kleinen Palmen geschmückt wird. Vor allem im Sommer ist Sonnenschutz ein Muss, da es auf dem Weg keinerlei Schatten gibt.

Mercado dos Lavradores

Die Markthalle in Funchal ist ein sehr farbenfroher und geschäftiger Ort. Die bunte Obstvielfalt und die schön angerichteten Stände verführen den Besucher zum Einkaufen und Verkosten. An vielen Ständen kann man das frische Obst probieren und wird meistens mit saftigen Maracuja-Schnitten um seine Sinne gebracht.

In der angrenzenden Fischhalle geht es nicht mehr so idyllisch zu. Auf langen Theken haben die Fischer und Händler ihre Ware ausgebreitet - direkt fangfrisch aus dem Meer.

Raue Üppigkeit und Fischgeruch prägen das Erscheinungsbild. Der schwarze Degenfisch, der meistverkaufte Fisch hier, ist in Natur an Hässlichkeit kaum zu übertreffen. In langen Reihen aufgebahrt starrt er einen mit trüben Augen an. Überdimensionale Säbel-Messer auf blutverschmierten Schneidebrettern könnten einem Horrorfilm entsprungen sein.

*Außerhalb der Fischhalle verliert der aalähnliche Degenfisch seinen Schrecken. Mit Banane zubereitet gehört er zu den bekanntesten Spezialitäten auf der Insel.

Santana

Die kleine Stadt Santana im Nordosten von Madeira ist berühmt für die kleinen traditionellen Bauernhäuser. Typisch für diese Häuschen sind die dreieckigen Dächer, die fast bis zum Boden reichen und aus Stroh gebaut sind.

Früher haben die Bauern tatsächlich in solchen Häuschen gewohnt. Heutzutage gehören sie, farbenfroh angestrichen und mit Blumen dekoriert, zu den Attraktionen auf Madeira.

Wanderung zum Pico do Arieiro/Pico Ruivo

Auch wenn Pico do Arieiro mit 1818 m "nur" der dritthöchste Berg auf Madeira ist, gehört diese Wanderung zu den beliebtesten auf der Insel.

Der Wanderweg zum Gipfel ist gut angelegt und abgesichert, daher auch für gemäßigte Wanderer geeignet. Es geht dennoch auf und ab und über einige Stufen. Aus diesen Gründen ist eine Mischung aus guter Kondition, etwas Trittsicherheit und Sonnencreme durchaus empfehlenswert.

Blandy's Wine Lodge in Funchal.

Die wahre Herausforderung besteht jedoch darin, auf das wohl verdiente Ausschlafen im Urlaub zu verzichten. Denn zu dieser Wanderung sollte man in den frühen Morgenstunden aufbrechen. Wer das schafft, darf mit hoher Wahrscheinlichkeit den strahlenden Sonnenaufgang am Pico do Arieiro begrüßen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man bei gutem Wetter noch den freien Ausblick auf die dahinterliegenden Berge und über das Tal genießen kann. Bereits kurz vor Mittag lässt der Nebel oftmals schon das malerische Panorama verschwinden.

Diese Hauptwanderung kann durch Wanderungen über Pico Ruivo bis nach Santana oder Curral das Freiras erweitert werden. In diesem Fall sollte man jedoch deutlich mehr Kondition, Zeit und Verpflegung mitbringen. Wichtig dabei: Dies sind keine Rundwanderungen und der Rückweg muss ggf. berücksichtigt werden!

Lavahöhlen bei São Vincente

Die Grutas de São Vincente sind das Ergebnis einer Vulkaneruption, die vor ca. 400 000 Jahren stattgefunden hat. Bei der geführten Besichtigung wird dem Besucher die Entstehung der Höhle erklärt und die Aufmerksamkeit auf besondere Vulkanformationen gelenkt: So gibt es hier Lavakuchen und Wandersteine zu bewundern, die vom Lavastrom getragen wurden, bis sie aufgrund ihrer Größe in den unterirdischen Tunneln steckenblieben.

Ein Besuch des anliegenden vulkanologischen Zentrums lohnt sich ebenfalls: Hier erfährt der Besucher einiges über Vulkanismus und die Geburt der Insel Madeira.

Madeira Wein vom Feinsten

So oft sie kann, entflieht Dana Katz ihrem Büro und erkundet die Welt. Das Motto der smarten Computerexpertin: Es gibt Zeiten für Hiking und es gibt Zeiten für High Heels. Mehr auf ihrem Blog "The Hiking High Heel".

Das gleichnamige Wahrzeichen der Insel – der Madeira Wein - wurde zufällig von Seeleuten im 15. Jahrhundert "entdeckt". Diese nahmen auf ihren Schiffsreisen Portwein gegen Skorbut mit. Während der langen Zeit auf hoher See lagerte der Portwein bei höheren Temperaturen und veränderte dadurch seinen Geschmack – er wurde milder und angenehmer. Das war angeblich die Geburtsstunde des Madeiraweins.

1811 gründete John Blandy "The Old Blandy Wine Lodge" auf Madeira, die bis heute in Funchal existiert. Tausende Liter Wein werden hier nach dem sog. Canteiro-Verfahren aufbereitet: Der Wein lagert in Fässern und wird durch Sonneneinstrahlung auf natürliche Art und Weise erwärmt. Durch die Wärme karamellisiert der Zucker im Wein. Das verleiht ihm unter anderem seinen spezifischen Geschmack und macht ihn so langlebig. Da der Madeira Wein ein oxidierter Wein ist, kann man eine Flasche auch monatelang nach dem Öffnen noch genießen.

Eine Weinprobe im Vintage Room aus dem 19. Jahrhundert ist ein Erlebnis für sich – in authentischer Atmosphäre kann man vier verschiedene Reifegrade des Madeira Weins verkosten. Mit satten 17-22 % Alkoholgehalt kann eine Weinprobe selbst nicht bekennende Weintrinker erheitern.

The Old Blandy Wine Lodge: Avenida Arriaga 28 Funchal, Führungen Mo-Fr um 10.30 Uhr, 14.30 Uhr und 15.30 Uhr, Sa 11.00 Uhr

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und sich der Pracht der Hauptblütezeit erfreuen möchte, kann seinen Madeira-Urlaub für Ende April/Anfang Mai einplanen. Aber auch in allen anderen Fällen wird der Besucher nicht enttäuscht sein, denn die beste Reisezeit für die immergrüne Insel ist nämlich ganzjährig!