Da stehen wir nun also neugierig am Stacheldrahtzaun und erhaschen wieder nur einen Blick auf das heilige Territorium. In der Mount Athos Region haben wir Frauen nämlich keinen Zutritt – und das schon seit Jahrhunderten.

Sie nutzt jede Gelegenheit, um zu reisen.

Athos, der dritte, östliche Finger der Halkidiki (Chalkidiki) Halbinsel in Griechenland ist so etwas wie "der Vatikan Griechenlands", erklärt uns Maria Pappa, die sich für uns Frauen ein Alternativprogramm überlegt hat. Shoppen, Schlemmen und der Besuch der klösterlichen Ausgrabungsstätte Zygou soll uns gnädig stimmen, während die Männer exklusives Besucherrecht in der Mönchsrepublik und einen Einblick in deren Lebensweisen erhalten.

Die imposanten Klöster und ihre teilweise spektakuläre Lage an den bewaldeten Hängen der Halbinsel unter dem steil aus dem Meer aufragenden Berg Athos durften wir bereits am Vortag bei einer Schiffstour bestaunen. Doch auch hier hieß es Abstand halten. Schiffe dürfen sich nur in etwa 300 Meter Abstand der autonomen, unter griechischer Souveränität stehenden, orthodoxen Mönchsrepublik nähern. Wer heiligen Boden betreten möchte, muss erstens ein Mann sein, zweitens eine Sondergenehmigung besitzen. Ausländischen Männern wird in sehr begrenzter Zahl ein bis zu viertägiger Besuch gestattet.

Kein Zutritt für Frauen

Weibliche Wesen, gleich ob Mensch, Huhn oder Kuh dulden die Mönche in ihrer Republik nicht. Von der Außenwelt lässt man sich auf dem heiligen Berg nichts vorschreiben. Die Mönche leben in einer anderen Zeit. Noch immer gilt der "Julianische Kalender", der unserem um 13 Tage hinterherhinkt. Auf dem Athos gehen auch die Uhren anders. Der Tag endet nicht um Mitternacht, er beginnt bei Sonnenuntergang und strukturiert sich in 8 Stunden Schlaf, 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Gebet.

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Mount Athos Halkidiki

Das Kloster in der Mount Athos Region beeindruckt mit einer spektakulären Lage: Bewaldete Hänge und türkises Wasser.

Zu Glanzzeiten belebten 40.000 Mönche in über 40 Klöster die Region. Heute setzt eine Gemeinschaft von ca. 2.400 Glaubensbrüdern in 20 Klöstern die 1000 Jahre alte Tradition des Studiums der Liturgie fort. Unschätzbare Kunstwerke und Manuskripte wurden über die Jahrhunderte hinweg angesammelt. Zu schade nur, dass diese Reliquien und Ikonen kaum einer und schon gar keine Frau jemals zu Gesicht bekommt.

Abgeschiedenheit und Verzicht auf weltliche Einflüsse

Die meisten Mönche und Eremiten gehen den Touristen gezielt aus dem Weg. Verständlich, sie sind ja wegen der Einsamkeit hier hergekommen. Viele der Klöster gleichen von außen Festungen und erinnern daran, dass sich die Mönche einst gegen Piraten, christliche Kreuzfahrer und die osmanischen Türken verteidigen mussten. Heute müssen sie nur dem Ansturm der Besucheranfragen (Pilgern ist in), sowie Auswirkung und Einflüssen unserer modernen Zeitströmung trotzen.

Während wir all das und noch viel mehr von Maria in unserer ausgelassenen Damenrunde mit einem köstlichen Mittagessen nach traditioneller Mönchs-Küche erfahren, kehren auch die Männer zufrieden und ausgeglichen von ihrem Pilgerausflug zurück. Ich meine sogar um den Kopf herum ein leichtes, kreisrundes Schimmern wahrzunehmen.

Eva Grossert schreibt auf Hidden Gem über ihre langjährigen Reiseerfahrungen – früher als Backpackerin, heute als Individualreisende mit Kind im Schlepptau. Ihr Nachwuchs hat mittlerweile mehr Stempel im Pass als Lebensjahre.