Als Hund ist man in Deutschland arm dran. Immer nur an der Leine laufen, kaum Kontakt mit Artgenossen (oh je, der könnte ja beißen), und dann auch noch das für den Hund oft schwer verständliche Verhalten des Besitzers. Der meint es zwar gut, hat aber keine Ahnung von der Hundesprache und frustriert damit seinen Hund regelmäßig.

Unsere Dackeldame Grindel weiß auch ein Lied davon zu singen. Sie liebt es, frei herumzutoben und mit anderen Hunden zu spielen, kommt aber hier in Deutschland viel zu wenig auf ihre Kosten. Fast überall herrscht Leinenzwang, und viele Hundebesitzer lassen noch nicht mal gegenseitiges Beschnüffeln zu.

Da scheint es ein Wink des Schicksals, als wir im Internet auf die niederländische Insel Texel stoßen. Die Insel Texel soll ein Urlaubsparadies für Hunde sein, und natürlich auch für deren Frauen und Herrchen.

Die Schnauze zeigt Richtung Meer

Die Nordseeinsel Texel liegt eine Tagesetappe entfernt. Also packen wir an einem schönen Septembertag Kind, Kegel und Dackel in unser Wohnmobil und machen uns auf den Weg. Die Inselfähre ist kein Hindernis. Sie fährt stündlich, kostet 25 Euro hin und zurück, und unser Dackel darf mit auf das Passagierdeck.

Litløy lockt Besucher gerade mit seiner Einsamkeit.

Kurze Zeit später stehen wir am Strand. Grindels Schnauze zeigt Richtung Meer, ihr Hals wird immer länger. Wir machen die Leine los, und wie von der Sehne geschnellt schießt unser Dackel über den Sand, sprintet hierhin, sprintet dorthin, dreht Kreise und buddelt Löcher. Andere Hunde fordert sie lautstark zum Spielen auf, einige nehmen die Herausforderung an, und die Fellbündel jagen sich gegenseitig über den Sand.

Nach einem ausgedehnten Strandspaziergang geht es abends ins Strandrestaurant. Hunde sind hier willkommen, überall warten Näpfe mit Wasser auf die durstigen Vierbeiner.
Wir übernachten in unserem Wohnmobil auf dem ganzjährig geöffneten komfortablen Ferienpark und Campingplatz De Krim. In fast jedem Wohnmobil wohnt mindestens ein Hund. An jeder Ecke hängen Gassitüten-Spender und Mülleiner, sogar eine Hundewaschanlage ist vorhanden. Nur angeleint sollten die Vierbeiner auf dem Gelände sein. Generell können sich Hunde auf Texel fast überall frei bewegen.

Natürlich gibt es auch Stellen, in denen ist das Anleinen vorgeschrieben

• in gekennzeichneten Bereichen von Naturschutzgebieten
• in den Städten
• auf Campingplätzen
• auf Flächen mit Nutzviehbestand
• an den bewachten Badestränden in der Hochsaison
• in den Strandrestaurants
• auf dem Flughafengelände

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Eine komfortable Reise

Als Hund ist man in Deutschland arm dran. Immer nur an der Leine laufen, kaum Kontakt mit Artgenossen (oh je, der könnte ja beißen), und dann auch noch das oft für den Hund schwer verständliche Verhalten des Besitzers.

An einigen Plätzen auf Texel sind Hunde nicht erlaubt

• in Hotelrestaurants, wobei in den Hotelbistros und Brasserien Hunde wiederum willkommen sind
• im Leuchtturm von Texel, die steilen Treppen im Inneren sind sowieso nichts für Hunde
• im Ecomare Meereszentrum
• in einigen Geschäften und Supermärkten

Und noch ein Highlight gibt's für den Hund: der bekannteste Hundetrainer der Niederlande, Jos Oosting führt zweimal in der Woche eine Rudelwanderung am Strand an. Dort treffen sich bis zu 60 Hunde, die können sich ohne Leinenzwang frei ausleben und miteinander herumtollen. Unsere Grindel ist bei Weitem der kleinste Hund, aber dafür der lauteste. Permanent fordert sie größere Hunde zum Spielen auf, wird dabei regelmäßig über den Haufen gerannt, was ihr aber anscheinend gar nichts ausmacht. Da wird halt das nächste Opfer angekläfft.


Jos Oostings Methode mit Hunden umzugehen gründet sich zum großen Teil auf das Verständnis der Hundekommunikation. Er erklärt anhand von Körperhaltung, Spannung und Gestik von Besitzer und Hund, wie man das Verhalten der Hunde besser versteht und sich hundesprachlich korrekt verhält.
Von ihm nehmen wir einige wertvolle Hinweise mit, allerdings spricht er nur Holländisch und Englisch.

Echtes Rudelverhalten erleben

Diese kurze Reise ist für uns und unsere Dackeldame ein voller Erfolg. Endlich kann sie sich mal voll austoben und die überschüssige Energie loswerden. Endlich kann sie frei auf Artgenossen zugehen und echtes Rudelverhalten erleben.
Es ist ein tolles Gefühl, unserem glücklichen Dackel beim Herumtoben zuzusehen. Wir genießen die langen Spaziergänge am Strand, in den Dünen und in den Wäldern. Dabei inhalieren wir die frische Meeresluft in vollen Zügen. Wir gehen in den Städtchen bummeln, besuchen das Ecomare mit seiner Robbenaufzuchtstation, klettern auf den Texeler Leuchtturm und schauen uns im Strandräubermuseum um.
Wie im Flug vergeht die Woche und wehmütig treten wir wieder den Heimweg an. Grindels Aktivurlaub ist jetzt leider zu Ende, aber der nächste Hundeurlaub kommt bestimmt, das haben wir uns fest vorgenommen.

Die beiden Fotografen waren schon lange vor ihrer Familiengründung ein reisebegeistertes Team. Sind die Reicherts zwischen ihren Touren daheim, geben die beiden auf ihrem Blog "5 Reicherts" Tipps zur Kameratechnik und Anregungen für die Reisefotografie.

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