"Koh Phangan? Da ist doch jeden Monat diese völlig beknackte Fullmoonparty?!" So lautet zumeist die Anklage, wenn ich mit bebender Stimme von meiner thailändischen Lieblingsinsel spreche. Mein Idyll. Mein Reich. Aber irgendwo hat der Ankläger schon recht. Die Fullmoonparty ist nur ein Bruchteil der Feierei, die Tag für Tag auf der schönen Insel zelebriert wird.

Halfmoon, Blackmoon, Shivamoon, Acid Moon – jeder Mond scheint es wert zu sein, die Location in ein funkelndes, schillerndes Irgendwas zu verwandeln.

Tausende von Leuten kommen jährlich auf die Insel, schmieren sich bunt an, kippen sich ein paar Buckets hinter die Binde, lassen den Trieben freien Lauf.

Sie feiern die Insel, sich selbst, das Leben, und wenn es nix zu feiern gibt, dann feiern die jungen Party-People trotzdem.

Ja, Koh Phangan ist als Party-Insel ein wenig verrufen.

Koh Phayam ist ein echter Geheimtipp für alle, die es einfach mögen.

Die verlorenen Seelen

Doch Koh Phangan kann mehr. Für mich startet gerade meine vierte Saison und ich kann mein Glück kaum fassen.

Jedes Mal, wenn ich mit meinen nackigen Füßen von der Fähre springe, weiß ich, dass ich nun Zuhause bin. In meinem zweiten Zuhause.

Ich war schon auf so vielen thailändischen Inseln, doch Phangan zieht mich immer wieder in seinen Bann.

Klar, hier gibt es unfassbar viele Touristen. Ich selbst bin auch einer. Doch fernab der Feierwütigen gibt es hier ein Klientel, das ich gerne als die verlorenen Seelen bezeichne.

Die, die Jahr für Jahr wieder kommen und sich fernab vom Partytrubel in ihren kleinen Bambushütten verkriechen.

Die, die den Sommer über in Deutschland waren, relativ perspektivlos nach einem anständigen Job gesucht haben und nun doch wieder hier sitzen. Mit nackigen Füßen.

Koh Phangan hat Hippie-Flair. Hier muss man keine Schuhe tragen. Die verliert man eh irgendwo. Hier kauft man sich keine bescheuerten Klamotten vom billigen Straßenmarkt.

Bildergalerie starten

Insel der verlorenen Seelen

Auf dieser Insel kann man die Seele so richtig baumeln lassen.

Hier kauft man sich sein geiles neues Dress im coolen Lederschuppen von nebenan. Alles handgemacht, versteht sich von selbst.

Hier gibt es Yogaschulen, so weit das Auge reicht. Detox, Retreat, vegane Ernährung. Ein Paradies für jedermann, der den gesunden Lifestyle zelebriert.

Man kommt auf die Insel, um es sich gut gehen zu lassen. Die einen im gesunden Stil, die anderen im ungesunden Stil.

Wer ausreichend feiert, lässt es sich schließlich auch irgendwie gut gehen.

Ich finde es herrlich, mich mit anderen Travellern zu unterhalten. Die, die Anklage erheben, dass das Visum abläuft. Ein Schatten im Paradies.

Nicht jeder kann kommen und so lang bleiben, wie er möchte. Doch jeder will es. Doch mit einigen Kniffen und Tricks klappt es schon.

Einmal rausfliegen und wieder rein um nach 30 neuen Tagen zu lechzen – Koh Phangan ist es wert.

Traumstrände, gutes Essen und viel Party

Koh Phangan hat von allem ein bisschen und irgendwie auch nix. Doch es reicht. Umwerfende Traumstrände, wenn auch nicht gar so krass wie auf Koh Tao.

Unfassbar gutes Essen, nur nicht ganz so lecker wie in Chiang Mai. Reisende Wasserfälle, nur nicht gar so tosend wie in Nordthailand. Aber der Mix macht's aus.

Auch ich feiere die Insel hart. Nicht auf der Fullmoon-Party, nicht auf der Halfmoon-Party. Zu viele Menschen, zu viel Feierei, zu viel Bunt.

Ich mag die anderen Partys. Die, die nicht jeder kennt. Die, für die man nachts mit dem Boot um die Insel fahren muss, um irgendwo im Paradies zu enden.

Im Garden Eden. Um dann zu feiern, bis die Sonne aufgeht, um in die Gesichter der anderen verlorenen Seelen zu blicken und zu wissen: Wir sind hier richtig. Wir sind daheim.

Die junge Bloggerin Cathrin Kuhl begeistert auf einer Palette von rosarot bis kackbraun mit wildesten Geschichten aus aller Welt.

Sie sind Blogger/Bloggerin und möchten Ihre Beiträge gern bei uns veröffentlichen? Melden Sie sich unter redaktion@1und1.de.