Als ich klein war, wollte ich gerne Stewardess werden. Ich fand diese Moves am Anfang des Fluges immer wahnsinnig cool, die, mit denen man erklärt bekommt, was man im Notfall machen muss. Danach wollte ich Lehrerin werden und dann TV-Sternchen.

Letzten Endes wurde ich nichts von alledem, sondern PR-Frau, bis ich eines Tages alles hingeschmissen habe, durch die Welt geflogen bin und mich bis dato zu nichts anderem mehr durchringen konnte. Dann war ich arbeitslos und nun bin ich eine Selbständige. Soviel zur Rahmengeschichte.

Manchmal, da wache ich früh morgens in meiner thailändisches Bambushütte auf und frage mich, ob das wirklich real ist. Strandtesterin also. Ein Job, der von heute auf morgen in meine Hände gefallen ist, wie aus dem Nichts, gab es urplötzlich die Möglichkeit, mein Geld an den Stränden dieser Welt zu verdienen.

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Ein Leben als Strandtesterin

Die Welt bereisen und herrliche Buchten erkunden - ein Traumjob?

Wow. Ich hatte eigentlich schon schwarz gesehen, sah mich bis ans Ende meiner Tage als Kellnerin Tabletts durch die Gegend tragen. Wie Penny von Big Bang Theory. Aber vielleicht wird es jetzt anders.

Ich arbeite für Beach Inspector, ein neues Start-Up aus Berlin, das es sich zum Ziel gesetzt hat, alle Strände weltweit zu erheben. Und ich bin ein Teil davon, aktuell als selbständige Korrespondentin in Thailand, Koh Phangan. Zuvor war ich auf Phayam, danach geht’s nach Koh Tao. Und dann? Keine Ahnung. Ich hätte Lust auf Kolumbien.

Wenn das mal kein cooler Job ist. Jeden Morgen stehe ich auf und überlege mir, an welchen Strand ich heute fahre. Wenn ich fit bin, geht’s in irgendeine Touristenmetropole wo viel los ist.

Wenn ich unfit bin, fahr ich lieber in eine kleine Bucht und erhebe an diesen Tag einen ruhigen Strand.

Doch was heißt erheben?

Fotos. Videos. Und wieder Fotos. Mit meiner Arbeit versuche ich, einen richtig soliden Eindruck vom jeweiligen Strand zu vermitteln. Welche Menschen halten sich am Strand auf? Junge oder alte? Backpacker oder Reisende mit gehobenem Anspruch? Kann man Wassersport betreiben? Wie ist die Infrastruktur?

All diese Infos versuche ich im Laufe meines Strandtages rauszubekommen. Dann geht’s ans Interview. Von Locals oder aber Menschen, die schon seit geraumer Zeit in Thailand leben und arbeiten, hole ich mir weitere Infos ein.

Koh Phayam ist ein echter Geheimtipp für alle, die es einfach mögen.

Zu welcher Jahreszeit kommen die meistens Personen an den Strand? Und wo kommen diese Menschen her? Am Ende des Strandtages stelle ich mich selbst vor die Kamera und fasse alle Infos, die ich irgendwo ausgegraben habe, in einem Take zusammen.

Dann geht’s an den uncooleren Teil des Jobs: Zurück in meiner Bungalowanlage, lade ich meine extremen Datenmengen unter meist unmenschlichen Internet-Bedingungen ins Netz und schreibe zwei kleine Texte zu dem entsprechenden Strand, außerdem müssen ein paar Randinfos ins Backend der Website eingepflegt werden.

Gibt es Toiletten und Duschen am Strand? Und kommt man auch mit dem Rollstuhl einfach hin? Danach sag ich in Berlin bescheid, dass ein weiterer Strand online ist, kauf mir ein Bier und schütt es mir ins Gesicht. Das ist der Moment am Abend, an dem ich extrem zufrieden bin.

Final sieht das Ganze dann etwas so aus.

Ob es immer einfach ist? Gewiss nicht. Es macht unfassbar viel Spaß, den ganzen Tag am Strand rumzurennen, bei einer Durchschnittstemperatur von soliden 30 Grad weiß man dann aber am Abend auch, was man geleistet hat. Manchmal, da stelle ich mich vor die Kamera, sage meinen Text auf und das Ding sitzt.

An schlechten Tagen mache ich das sieben mal hintereinander, weil ich entweder Bullshit rede, das Mikrofon nicht funktioniert, der Ersatzakku zu Hause liegt, die Speicherkarte mittendrin voll ist oder soviel Schweiß von durch mein Gesicht läuft, dass es mir beinahe unangenehm wäre, diesen Take online zu stellen.

Nein, das soll schon auch gut aussehen und nicht so, als wäre ich gerade den Mount Everest erklommen.

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Auch die Sache mit den Interviews ist manchmal ein schwieriger Akt.

"Hi, my name is Cathrin and I am working for a german company named beach inspector, you can compare it with tripadvisor. Our plan is, to present all the beaches worldwide on our website and I am doing Thailand – I am making pictures, videos and writing reviews about your beautiful beaches on Koh Phangan and for every beach, I need someone, who could give me an interview with some interessting facts about this beach. Would you be so kind and help me with that? Would you be my interview-partner?"

Eigentlich ganz gut erklärt, doch nicht selten kommt es vor, dass ich in ein total entgleistes Gesicht meines Gegenübers schaue, der nervös von einem auf dem anderen Bein umher springt, seinen Mund öffnet und sagt:

"No have, khap". Zu Deutsch: Haben wir nicht, danke.

Schade. Ein Versuch war es wert. Aber ja, diese Interviews laufen manchmal hervorragend, manchmal auch gar nicht. That's life.

Zusammenfassend kann man dennoch sagen, dass dieser Job dann wohl eher in die Kategorie Traumjob fällt. Ich freue mich jeden Morgen, wenn es los geht und ich freue mich genauso am Abend, wenn ich fertig bin. Freue mich über meine Ergebnisse. Irgendwie finde ich die ganze Sache ziemlich cool.

Wer Bock hat, sein Geld an den Stränden dieser Welt zu verdienen, sollte sich an Beach Inspector wenden – da werden noch immer Leute gesucht. Egal, ob alleine als selbständiger Korrespondent oder vielleicht als Praktikant im Team – alles ist möglich.

Lediglich ein gutes Auge für Film und Fotografie sollte vorhanden sein, außerdem sollte man keine Scheu haben, auf fremde Menschen zuzugehen, vor der Kamera zustehen und ein bisschen zu Entertainen. Wer dann noch schreiben kann, dessen Chancen stehen nicht schlecht!

Wir sehen uns am Strand!

Die junge Bloggerin Cathrin Kuhl begeistert auf einer Palette von rosarot bis kackbraun mit wildesten Geschichten aus aller Welt.

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