Ein kleines Land zwischen zwei Ozeanen mit einer Biodiversität, die zu den höchsten der Welt gehört, einem Straßenverkehr, der auch die Abgehärtetesten das Fürchten lehrt, vier aktiven Vulkanen, einer stabilen Demokratie ohne Heer – das ist Costa Rica.

Ökotourismus wird hier groß geschrieben, erkennbar an unzähligen Nationalparks, Schutzgebieten, geführten Touren durch den Regen- und Nebelwald. Es kommt mir vor, als sei ich in einem riesigen Zoo ohne trennendes Gehege. Tukane sitzen auf den Bäumen, Faultiere hängen darin, Kolibris schwirren durch die Luft, Affen schwingen sich von Baum zu Baum, Leguane kreuzen meine Wege, Krokodile liegen an Flüssen herum, glücklicherweise in sicherer Entfernung. Dann gibt es noch unzähliges weiteres Getier, dessen Namen ich nicht einmal kenne.

Und es ist so unglaublich grün. Kein Wunder, momentan fällt täglich Regen, meistens als Schauer, aber auch mal den ganzen Tag lang. An so einem Tag bin ich ganz dicht an einem der aktivsten Vulkane der Welt, dem Arenal. Leider sehe ich nicht einmal seine Umrisse, so dicht und tief hängen die Wolken. Wo kommt bloß dieses ganze Wasser her? Da macht es auch keinen Spaß, sich in den Thermalquellen zu aalen, von denen es einige am Fuße des Vulkans gibt. Schade, schade, darauf hatte ich mich schon gefreut.

Erstmal drängt sich ein anderer Vulkan, der Turrialba, in den Vordergrund. Nachts lässt er zweimal mein Bett erzittern. Am nächsten Morgen spannt der Kellner beim Frühstück im Patio die Sonnenschirme auf. Ich will schon protestieren, denn was ist schöner, als in der Morgensonne zu frühstücken? Jedoch erklärt er sogleich, dass Vulkanasche auf dem Toast nicht zu den Spezialitäten des Hauses gehört. Der Vulkan sei 50 Kilometer entfernt und der Wind treibt nun die Ausdünstungen in die Hauptstadt. Jetzt fällt es mir auch auf: Auf dem Tisch liegen winzige schwarze Partikel, die mit der Zeit eine dünne Schicht bilden. Faszinierend, wenn man aus einer hochtechnisierten Welt kommt, aber weit weniger spektakulär für die hiesigen Einwohner.

Überhaupt, das Frühstück: Typischerweise gibt es Gallo Pinto, auch gern mit gebratenen Kochbananen. Gallo Pinto, das sind schwarze Bohnen mit Reis, sehr lecker gewürzt. Zu Hause würde ich das nicht vor 12 Uhr über die Lippen bringen, aber tatsächlich, das schmeckt gar nicht mal schlecht. Und die Kochbananen haben Suchtpotential.

Die Hauptstadt San José

Wie fast alle Orte in Costa Rica ist die Hauptstadt im Schachbrettmuster angeordnet. Wenn man das System erst einmal verstanden hat, findet man sich leicht zurecht. Es gibt keine Schiller- oder Bahnhofsstraße, sondern nur Calles und Avenidas, die schlicht durchnummeriert sind. Calles verlaufen in Nord-Süd-Richtung, Avenidas von Ost nach West und in Gegenrichtung, beide oft als Einbahnstraße. Soweit zur groben Orientierung. Um einzelne Adressen anzugeben, schreibt man z.B. "gegenüber dem großen grünen Versicherungsgebäude", oder "neben Pizza Hut". Bleibt nur zu hoffen, dass nicht eines Tages Pizza Hut aus- und McDonald's einzieht …

Die Sehenswürdigkeiten San Josés sind schnell aufgezählt: das Nationaltheater, das Goldmuseum und das Jademuseum, die praktischerweise alle nur einen Steinwurf voneinander entfernt liegen.

Nicht gerade einzigartig, aber nervenaufreibend ist der Straßenverkehr: Auf einer Strecke von wenigen Kilometern kann man sich bisweilen einen netten Nachmittag im Auto machen. Auf der sicheren Seite ist man, wenn man einen Wasservorrat und eine Tüte Chips mitführt. Okay, das ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben … ein bisschen.

Als ich die Reise plante, habe ich mir wochenlang den Kopf darüber zerbrochen, ob ich einen Allradwagen oder ein viel günstigeres normales Auto mieten sollte. Bei einer kleinen Umfrage stand es 2:1 für Allrad, das normale Auto empfahl allerdings die Mietwagenfirma. Letztlich habe ich mich für das teurere Allrad-Modell entschieden und es keine Sekunde bereut, denn jetzt am Ende der Regenzeit sind die Landstraßen voller Schlaglöcher.

Pazifikseite - Nationalpark Manuel Antonio

Hier direkt am Pazifik ist das Klima so ganz anders als im Valle Central, wo San José liegt. Feuchtwarme Luft gibt mir dieses tropische Gefühl, das ich so mag. Die Souvenirhändler und weitere "Dienstleister" am Eingang bestätigen mir, dass ich gleich einen der meistbesuchten Nationalparks betreten werde. Macht nix. Faultiere, die seltenen Totenkopfäffchen und andere Affenarten wohnen in den Bäumen des Nationalparks. Die Strände dort sind eine weitere Attraktion. Nicht nur, weil sie meinem Bild von einem Traumstrand nahekommen, sondern auch, weil sie echten Unterhaltungswert bieten: Waschbären flitzen so ganz und gar unerschrocken zwischen den Sonnenanbetern hin und her, um zu sehen, ob sich in deren Habseligkeiten etwas Essbares findet. Herrlich anzusehen, so lange man nicht selbst "ausgeraubt" wird.

Karibikseite - Puerto Viejo

Monika Mersmann wurde schon in frühester Jugend mit Reisefieber infiziert. Noch heute findet sie es spannend, hautnah zu erfahren, wie sich das Leben in anderen Kulturen abspielt. In ihrem Blog präsentiert sie ihre ganz persönlichen Erlebnisse.

Limón liegt am Atlantik und ist Costa Ricas wichtigste Hafenstadt. Imposante Containerstapel mit der Aufschrift "Dole" und "Chiquita" türmen sich links und rechts der Straße auf. Hier werden also die Bananen, neben Kaffee der Hauptexportartikel Costa Ricas, verschifft. Da die Stadt als Zentrum des Drogenhandels mit entsprechender Kriminalitätsrate leider einen schlechten Ruf hat, verbringe ich meine Zeit lieber weiter südlich, nicht allzu weit entfernt von Panama.

In Puerto Viejo angekommen, frage ich mich immer wieder: Bin ich noch im selben Land? Hier lebt ein völlig anderer Menschenschlag. Alle Klischees über die Karibik, die mir im Kopf herumgeistern, nehmen hier Gestalt an: knallbunte Häuser, Reggae, alles easy going, love and peace. Hier scheinen eine Menge Aussteiger ihre Erfüllung gefunden zu haben, der Rest sind jamaikanische Einwanderer. In dieser Gegend wird Kakao angebaut und auch weiter verarbeitet. Paul betreibt hier ein kleines Café und ist Schokoladenhersteller. Er weiß einfach alles über Schokolade. Mehr dazu in meinem anderen Bericht.