Sie steht wieder vor der Tür. Die Semana Santa, also die heilige Osterwoche. Und wieder werden viele Prozessionen durch die Straßen von Palma und den anderen Städten und Dörfern ziehen.

Es ist ein faszinierendes Schauspiel zu sehen, wie die einzelnen "Cofraries", also die Bruderschaften, in verschiedenfarbigen Gewändern gekleidet durch die Straßen ziehen.

Dabei sind die Büßergewänder mit den spitz nach oben laufenden Kapuzen so gearbeitet, dass nur ein kleiner Schlitz für die Augen bleibt. Die Bruderschaften existieren teilweise schon mehrere Hundert Jahre, und büßen in der Karwoche offen für die Sünden.

Die Büßergewänder mit den spitz nach oben laufenden Kapuzen können einen befremdlichen Eindruck erzeugen.

Viele Stunden lang sind die Straßen durch Fackeln erleuchtet und die Teilnehmer gehen teils barfuß und in Ketten durch die Orte. Dabei werden schwere, goldene Christus- und Marienschreine von bis zu zwanzig Personen getragen.

Die größten Prozessionen sind die am Gründonnerstag und Karfreitag durch die Altstadt von Palma. Die für mich schönste Prozession ist am Karfreitag am Abend in Pollenca. Dort gehen die Teilnehmer mit ihren Kreuzen und Figuren einen alten Kreuzweg hoch zur Kirche auf dem Kalvarienberg. Unterwegs stehen dreizehn Steinkreuze, die die Stellen symbolisieren, an denen Jesus auf seinem Weg zur Kreuzigung verweilt hat. Ein sehr faszinierendes Schauspiel.

340 Stufen bis zur Vergebung der Sünden

Einige Menschen sind an diesem Tag schon am Nachmittag auf dem Weg zur Kirche. Es führt von Pollenca aus auch eine Treppe zur Kirche, die im Ursprung aus 365 Stufen bestand.

Die Semana Santa wird in ganz Spanien gefeiert.

365 Stufen? Ja, genau. Für jeden Tag im Jahr eine Stufe. Durch einen Umbau Anfang 2000 sind es nur noch 340 Stufen. Aber genau an diesem Karfreitag spielen diese Stufen eine große Rolle im Leben der katholischen Bevölkerung. Die Menschen betreten die erste Stufe, knien sich nieder, und bekreuzigen sich. Diese Prozedur wiederholt sich so lange, bis man oben angekommen ist.

Auf diese Art und Weise bitten die Menschen um Vergebung für die Sünden, die sie im abgelaufenen Jahr begangen haben. Es ist interessant, wenn man das zum ersten Mal sieht - und verwirrend zugleich. Diese Prozession mit dem Schauspiel ist für mich die Schönste.

Ähnlich ist es in Arta, wo die Menschen ebenfalls Treppen hinauf prozessieren und den Kreuz tragenden Jesus auf seinem Kreuzweg begleiten. Wer zur Semana Santa auf Mallorca ist, sollte sich ein solches Schauspiel ansehen. Auch, wenn man nicht so viel mit der Kirche zu tun hat.

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