Bericht über ein skurriles Weihnachtserlebnis unter Palmen.

Unter Palmen kann es weihnachtlicher zugehen, als einem lieb ist.

Der Plan war gut. Wenn der Weihnachtstrubel losbricht, Menschenmassen in die Innenstädte strömen und verzweifelt um Geschenke ringen, dann würde ich weit weg sein. Ich stieg in ein Flugzeug und flog zehn Stunden lang. Dann brachte mich ein Boot zu einer kleinen, einsamen Insel der Malediven im Indischen Ozean. Der Hype um Weihnachten findet ohne mich statt, dachte ich und ließ mich beruhigt in den feinen, weißen Sand fallen. Hier, im sonnigen Palmenparadies am südöstlichen Ende des Süd-Male-Atolls, war ich in Sicherheit. Irrtum! Weihnachten war noch nie so nah. Denn das Management des Olhuveli Beach & Spa Resorts hatte beschlossen, seinen ausländischen Gästen eine Freude zu bereiten. Sie sollten sich an Weihnachten wie zu Hause fühlen. Ach du meine Güte.

Weihnachten unter Palmen: einer von zahlreichen Christbäumen auf der Insel.

Eine zweite Weihnachtsinsel entsteht

Mit großem Aufwand wurde das Resort in eine zweite Weihnachtsinsel verwandelt. Zu den Palmen gesellten sich Weihnachtsbäume in allen Größen und Formen, nachts perfekt beleuchtet. Weihnachtsdekoration wohin man sah. Sogar vor dem Eingang meines Wasserbungalows leuchtete mir ein kleines Bäumchen entgegen. Doch das war erst der Anfang. Das große Festzelt am Strand kündigte Großes an. Und tatsächlich: Am Heiligen Abend ließ es sich Santa Claus nicht nehmen, auch mal auf den Malediven vorbeizuschauen. Allerdings kam er nicht mit seinem Rentierschlitten, sondern mit einem Boot voller bunter Luftballons. Ein Mann von Welt ist schließlich flexibel.

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Christbäume unter Palmen

Auf den Malediven können Touristen Weihnachten ganz wie zu Hause verbringen.

Santa Claus auf den Malediven

Santa Claus hopste an Land und schritt in voller Weihnachtsmann-Montur über den Sand zum Festzelt – umringt von Kindern, die ihr Glück kaum fassen konnten. Kein Zweifel: Das war er, der Weihnachtsmann. Er trug einen roten Mantel mit schwarzem Gürtel, Stiefel und eine Weihnachtsmütze. Seine weiße Lockenpracht und sein dichter weißer Bart umrahmten sein freundliches Gesicht und ließen nur noch Augen und Nase erkennen. Buschige weiße Augenbrauen und eine Nickelbrille machten das Bild perfekt. An Kostümen hatte man nicht gespart: Jeder Angestellter des Resorts trug eines. Die Damen aus dem Spa waren in purpurroten Kleidchen und Zipfelmützen erschienen. Die Kellner hatten ein rotes Poloshirt mit Zipfelmütze und schwarzer Hose kombiniert. Während die Angestellten neben einem geschmückten Tannenbaum Aufstellung nahmen und "Jingle Bells" sangen, setzte sich Santa Claus auf einen Thron. Das ist ja wie im Kaufhaus, durchzuckte es mich. Santa Claus empfing nun kleine und große Kinder, posierte für Fotos und verteilte Geschenke und freundliche Worte.

Auch auf dem Indischen Ozean kann es weihnachtlich zugehen.

Weihnachten ist überall.

Ich rettete mich ins Restaurant zum Galadinner. Doch auch hier war alles weihnachtlich gestylt – von der Bedienung bis hin zum Essen. Die Weihnachtskellner strahlten die Gäste freudig an. Sie waren stolz darauf, den Urlaubern etwas Besonderes zu bieten. Dazu muss man wissen, dass die Einheimischen überwiegend Sunniten sind. Weihnachten kennen sie nur aus Filmen. Für sie mag das christliche Fest etwas Exotisches sein, Europäer dagegen erleben Weihnachten alle Jahre wieder. Aber das ist egal. "Kundenorientierung" heißt das Zauberwort. Der Gast soll sich auch 7.300 Kilometer entfernt wie zu Hause fühlen. Dumm nur, wenn er sich eigentlich auf das Gegenteil freut.

Als ich nach dieser Überdosis Weihnachten zurück zum Wasserbungalow ging und die Türe öffnete, fiel mein Blick auf die nächste Bescherung: Auf dem Bett waren mit Blättern und Blumen die Umrisse eines Weihnachtsbaums gelegt. Darunter stand in der Blätterschrift: "Merry Xmas". Na super, recht vielen Dank.

So sieht ein Weihnachtsgruß auf den Malediven aus.

Philipp Barth sucht auf seinen Reisen das Besondere und Außergewöhnliche. Auf seinem Reiseblog "WowPlaces" berichtet er über Orte und Events mit Wow-Effekt. Dabei gibt er hilfreiche Tipps, die den Urlaub noch schöner machen.

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