Die Malediven gehen unter. Bericht von einer Weihnachtsgala, die an ein rauschendes Fest auf einem sinkenden Schiff erinnert.

Schmeckt so gut, wie es aussieht. Ein Gedicht!

Tagelang haben unzählige Köche und Bäcker auf diesen Augenblick hingearbeitet: Das Buffet ist eröffnet! Mit großen Augen bestaune ich die kulinarische Wunderkammer, der man mit dem Begriff "Buffet" nur oberflächlich gerecht wird.

Als ich die Tische ablaufe, fühle ich mich ein bisschen wie Alice im Wunderland. Gewaltige Lebkuchenhäuser reihen sich an Torten, Kuchen, Plätzchen, Cremes und süße Fruchtspezialitäten.

Alles ist mit viel Liebe zum Detail weihnachtlich dekoriert. Es gibt Skulpturen, die aus etwas moduliert wurden, das Marzipan sein könnte. Oder ist es Butter? Ein Stückchen abbrechen möchte ich nicht.

Kunst, die man essen kann. Skulpturen erzählen Geschichten und sind so präzise angefertigt, dass man sich nicht traut, ein Stück abzubrechen.

Das wäre so, als ob man ein Kunstwerk zerstören würde. Noch nie war es so verlockend, das Dessert zur Hauptspeise zu erklären. Hier lockt die "Raspberry creme brule", dort ein "Double chocolate brownie".

Oder soll es lieber die "Fresh fruit tart" sein? Schon die Namen zergehen einem auf der Zunge. Für einen kurzen Moment bin ich versucht, einfach in einen Zuckerguss-Weihnachtsbaum hineinzubeißen.

Ein wahres Schlaraffenland

Das Schlaraffenland wurde lange in Frankreich vermutet. Jetzt wissen wir: Es liegt auf einer kleinen, einsamen Insel der Malediven. Zumindest an Weihnachten.

Zwar fließen um die Insel Olhuveli nicht Milch und Honig, sondern immer noch der Indische Ozean, aber der Vergleich erscheint gar nicht so abwegig. Leckerei reiht sich an Leckerei.

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Der volle Genuss auf den Malediven

Der volle Genuss auf den Malediven

"Maldivian tuna canapes", "Maine lobster and avocado summer roll with mango coulis" oder "Salmon sour cream vol au vent" steht zum Beispiel auf den Schildchen neben den Köstlichkeiten.

An den Kochstationen wird gebrutzelt, gegrillt und gelacht.

Der Countdown läuft

Die Gäste stammen aus der ganzen Welt. Für jeden Geschmack muss etwas dabei sein. Keine einfache Aufgabe. Denn was Asiaten schmeckt, schmeckt Amerikanern noch lange nicht. Europäer gibt es nur wenige.

Wenn man in die Gesichter der Gäste blickt, dann stellt man fest, dass alle voll und ganz zufrieden sind. Die Probleme der Inselgruppe werden ausgeblendet.

Die Stimmung steigt, der Meeresspiegel leider auch. Heimlich, still und leise. Bis Ende des Jahrhunderts könnte das Meer um 26 bis 82 Zentimeter nach oben klettern, so Prognosen.

Steigt der Meeresspiegel um einen Meter, verschwinden 80 Prozent der Malediven unter Wasser. Die Lage ist dramatisch. Um darauf aufmerksam zu machen, tagte 2009 das maledivische Kabinett eine halbe Stunde unter Wasser.

Auf dem Grund des Meeres unterzeichneten die Kabinettsmitglieder eine Resolution, in der sie die Staatengemeinschaft aufforderten, den CO2-Ausstoß schnell zu reduzieren.

Bis 2020 wollen die Malediven das erste Land der Welt sein, das kein CO2 mehr produziert. An Weihnachten gehen zwar viele Wünsche in Erfüllung – aber den Wunsch, dieses Paradies zu retten, muss sich die Menschheit schon selbst erfüllen.

Philipp Barth sucht auf seinen Reisen das Besondere und Außergewöhnliche. Auf seinem Reiseblog "WowPlaces" berichtet er über Orte und Events mit Wow-Effekt. Dabei gibt er hilfreiche Tipps, die den Urlaub noch schöner machen.

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