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25.01.2012, 10:46 Uhr

Frankfurt bekommt eine neue Altstadt

Frankfurt/Main (dpa) - Die Neubauten sehen aus wie eine Mischung aus Hundehütte und Kreissparkasse, sagen diejenigen, die einen vollständigen Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt wollten. Die Altbauten sehen aus wie vom Weihnachtmarkt nicht abgeholt sagen solche, die historisierende Rekonstruktionen ablehnen.

In der Debatte um die Neugestaltung der Altstadt zwischen Dom und Römer hat sich keine Seite durchgesetzt, aber auch keine verloren: Manche Häuser werden als "schöpferische Nachbauten" rekonstruiert, andere als Neubauten realisiert. Am Montag wurde der Grundstein gelegt.

Es ist ein Kompromiss, um den gerungen wurde, seit 1944 die Altstadt bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Das in den 70er Jahren errichtete Technische Rathaus, ein hässlicher Betonklotz, gefiel schon lange keinem mehr und der Archäologische Garten, ein Loch mit Steinen, ist nicht gerade die lebendige Mitte der Altstadt. Aber was soll statt dessen entstehen? 2005 gewann das Architektenbüros KSP Engel & Zimmermann den Wettbewerb für die Neubebauung des Geländes - aber die Frankfurter liefen Sturm. Sie wollten ihre Altstadt zurück. In einer "Planungswerkstatt" setzen sich Bürger und Fachleute zusammen und machten neue Vorschläge. 2007 änderte die Stadtverordnetenversammlung die Pläne.

Keine großen Gebäude

Der Hauptunterschied: Statt eines großen Blocks für ein Hotel wird das Areal sehr kleinteilig bebaut. Die Gebäude orientieren sich an den historischen Grundrissen, dazwischen liegen Gassen und kleine Plätze. 35 Einzelparzellen sollen so bis 2016 entstehen, die Stadt investiert rund 130 Millionen Euro. Acht historische Gebäude sollten auf jeden Fall rekonstruiert werden, einige Häuser wurden von vornherein als Neubauten geplant, bei einer dritten Gruppe hatte der Investor die Wahl zwischen Alt und Neu. Insgesamt wird es nun wohl 15 auf alt gemachte "schöpferische Nachbauten" geben.

Eine "Gestaltungssatzung" unterwirft auch die Neubauten einem strengen Reglement: Die Erdgeschosse müssen aus Sandstein sein, die Obergeschosse entweder verputzt oder mit Schiefer oder Holz verkleidet. Steile Satteldächer sind ebenso vorgeschrieben wie Traufhöhe und Fenstergröße. Manchem ist das noch immer nicht genug. "Einige Neubauten sehen aus wie eine Hundehütte oder die Sparkasse von Dreieichenhain", lästert Jürgen E. Aha, Initiator des AltstadtForums, der Speerspitze der Wiederaufbau-Befürworter.

Anderen geht die Rückbesinnung entschieden zu weit. Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt findet die Frankfurter Pläne ein "absurdes, eigenartiges Projekt". Schon die bisherige Zeile am Römerberg sei ein Abziehbild: "Die Häuser dort sehen für mich aus wie vom Weihnachtsmarkt nicht abgeholt."

Seit im April 2010 der Bagger ins Technische Rathaus biss, wurde nur "nach unten" gearbeitet, jetzt wächst die neue Frankfurter Altstadt in die Höhe. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) mauerte am Montag eine Kapsel mit Zeitdokumenten in die Bodenplatte. Diese muss die Gebäude tragen, da das Gelände kein natürliches Fundament mehr hat: Unter der neuen Altstadt befinden sich die U-Bahn, eine Tiefgarage und Nebenflüsse des Mains. Roth scheidet im Sommer aus dem Amt, denkt aber weit darüber hinaus: "An meinem 100. Geburtstag wird die neue Altstadt bereits Patina angelegt haben."

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6 Meinungen zu "Neue Altstadt für Frankfurt"

  • pallacH
    Mittwoch, 25.01.2012, 13:55 Uhr
    ob ein glaswürfel häßlich ist oder nicht, dürfte auch geschmackssache sein. tatsache ist, daß es nicht sehr kreativ ist, tatsächliche oder eingebildete altbauten zu rekonstruieren, weil es "gemütlicher" wirkt. also dann aber gleich authentisch, also ohne isolierung, heizung, kanalisation etc. auf dauer wirken diese ganzen rekonstruierten "historischen" fußgängerzonen in D auch etwas langweilig.
  • Schmierfink
    Mittwoch, 25.01.2012, 13:49 Uhr
    "man kann doch keine "neue" altstadt bauen. das erinnert mich eher an disneyland. solche gebäude, wie sie jetzt gefordert werden, waren im 17. und 18. jahrhundert authentisch, im 13. jahrhundert hätte kein mensch so gebaut oder bauen können. bemühen wir uns lieber um einen echten neuen baustil, anstatt immer nur zu zitieren und zu rekonstruieren" So so aber abgrund hässliche Beton Klötze und Glaswürfel errinnern eher an ein billiges Computerspiel, und sind keine Reise wert! Wer so einfach gestrickt ist, findet eine Ansammelung von Kontainern wohl als Traumstadt schlicht hin? Hoffe diese Sorte gehört einer aussterbenden Art an. Denn so was haben wir seit den fünfziger Jahren bis heute gehabt, und es sieht einfach scheußlich aus!
  • Hambach2012
    Mittwoch, 25.01.2012, 13:38 Uhr
    Da kann ich nur sagen: Weck und Woscht gut fen Doscht! Mahlzeit
  • pallacH
    Mittwoch, 25.01.2012, 13:09 Uhr
    man kann doch keine "neue" altstadt bauen. das erinnert mich eher an disneyland. solche gebäude, wie sie jetzt gefordert werden, waren im 17. und 18. jahrhundert authentisch, im 13. jahrhundert hätte kein mensch so gebaut oder bauen können. bemühen wir uns lieber um einen echten neuen baustil, anstatt immer nur zu zitieren und zu rekonstruieren.
  • Schmierfink
    Mittwoch, 25.01.2012, 13:04 Uhr
    Eine großartige Sache! Endlich hat das hässliche Einerlei, das austauschbar ist mit fast jeder beliebigen Stadt, ein Ende! Man kann nur hoffe das macht Schule! Mit solche Projekte gewinnen Städte viele neue Besucher, da die Städte eben nicht mehr das graue Einerlei zeigen sondern ein individuelles Gesicht wieder bekommen, das zum Verweilen einlädt und nicht bloß zum hastigen erledigen von Einkäufen und schneller Flucht wieder hinaus!
  • kingxki
    Mittwoch, 25.01.2012, 12:57 Uhr
    Wenn man sich die Gesichtslosigkeit und Hässlichkeit vieler deutscher Städte anschaut, dann finde ich die aktuelle Entwicklung sehr gut, alte schöne Häuser in den Altstädten wieder aufzubauen. Mir gefallen schon die wiederaufgebauten Fachwerkhäuser auf der Ostseite des Römers in Frankfurt sehr, und wenn man sieht, wie viele Touristen und Einheimische zu fast jeder Tages- und Nachtzeit den Römer bevölkern, erkennt man doch, wie gut die damalige Entscheidung war. Jetzt freue ich mich auf einen ähnlichen Erfolg der neu aufgebauten Altstadt. Ich hätte es aber lieber gesehen, alles würde im alten Stil aufgebaut. Gegen moderne Architektur habe ich nichts, aber die passt doch an anderer Stelle viel besser.
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