Zur mobilen Ansicht wechseln

18.06.2012, 10:42 Uhr

Lauschtour unter Bäumen

Es geht in den Wald hinein. Buchen, Fichten, Eichen. Sonnenstrahlen blinzeln durch das Blätterdach. Ein Sandsteinfelsen taucht auf. Es riecht nach feuchtem Laub. Ein typischer Waldweg, wie er Kinder schon nach wenigen Gehminuten fragen lässt, wie lange denn die Wanderung noch dauern werde. Dabei muss man im Wald über Bollendorf nahe dem Schloss Weilerbach einfach nur den iPod einschalten, samt Lautsprecher.

Und schon wird aus der Wanderung ein ganz besonderes Erlebnis. Erst Affengeschrei, dann sagt eine Stimme: "Schauen Sie nach rechts oben. Da sehen Sie einen großen Felsen. Menschen, die Fantasie haben, entdecken in diesem Felsen ein Affengesicht."

Wanderweg "Grüne Hölle"

Quiz: Kennen Sie diese Geschichten über Berlin, Bremen und Co.? >

So bekommen die Zuhörer viel Spannendes und Wissenswertes serviert. Etwa dass der Sandstein aus der Bollendorfer Gegend ein wertvolles Baumaterial war und dass der steinerne Sockel, auf dem die berühmte Brunnenfigur Manneken Pis in Brüssel steht, aus dem kleinen Örtchen in der Südeifel stammt. Wir befinden uns auf dem Wanderweg "Grüne Hölle", direkt an der Grenze zu Luxemburg, im Deutsch-​Luxemburgischen Naturpark. Hier wurde im vergangenen Jahr eine der ersten iPod-​Wanderungen Deutschlands eingerichtet. Sie wird auch Audiotour, Lauschtour oder Hörwanderung genannt. Wer dabei an Audioguides mit oberlehrerhaftem Tonfall denkt, wie sie manchmal in Museen zum Einsatz kommen, liegt falsch. Die Sache wurde möglichst lebhaft und authentisch gestaltet so, als sei man mit einem Wanderführer unterwegs. Gleichzeitig sollen die Hörfetzen nicht zu lang geraten, um das Naturerlebnis nicht zu beinträchtigen. Unsere Audiotour ist keine Dauerbeschallung, sondern ein kleiner, aber vielleicht entscheidender Mehrwert.

Vor allem Familien mit Kindern

Auch die Konservativen unter den Touristikern erkannten das Potenzial der Idee, mit den iPods auch jüngere Gäste in den Luftkurort zu locken. Obwohl sich einige Entscheider erst einmal erklären lassen mussten, was überhaupt ein iPod ist. Heute sind Hotels und Pensionen mit den Mediaplayern ausgestattet -​ zum Verleihen an Hausgäste. Vor allem bei Familien mit Kindern und bei Jugendlichen kommt die Hörwanderung sehr gut an. An den zehn Hörstationen warten interessante Informationen, die zu kurzweiligen Hörcollagen zusammengesetzt wurden. Etwa über den Namensgeber des Wanderwegs, die "Grüne Hölle" im Wald von Bollendorf. Eine weibliche Stimme erzählt: "Die Hölle ist so grün, weil hier ganz bestimmte Pflanzen wachsen, Moos, Algen, Flechten. Die Felswände sind sehr feucht, an manchen Stellen sogar ganz nass. Das liegt daran, dass der Sandstein Wasser aufsaugt wie ein Schwamm." Das Ganze ist unterlegt mit "Höllengeräuschen" und knarzenden Baumstämmen. Überall wachsen mannshohe Walddisteln mit dunkelgrünen Blättern. An anderen Stellen leuchtet es grellgrün -​ ein Farbton, wie er in der Natur sonst kaum vorkommt: Es stammt von dem sogenannten Leuchtmoos, einer sehr seltenen Sorte. Außerdem wachsen in der Südeifel immerhin mehr als 40 Orchideenarten -​ mehr als irgendwo sonst nördlich der Alpen.

© Axel Springer AG

Alle News vom: 18. Juni 2012 Zur Übersicht: Reise

Bisher wurde hierzu noch keine Meinung abgegeben. Aber Sie haben doch bestimmt eine!

So freizügig wie hier im Naturisten-Camp Cap d’Agde in Frankreich dürfen sich Touristen in anderen

Andere Länder, andere Sitten: So vermeiden Sie Fettnäpfchen. >

Hunterian Museum wird 200

Das Hunterian Museum in London lockt mit gruseligen Medizin-Exponaten. >

Schild Bitte nicht stören

Hoteliers verraten die extravaganten Anfragen ihrer Gäste. >


Internet Made in GermanyWEB.DE 2013 - Marke des JahrhundertsIhr WEB.de-Postfach ist grünWeb.de unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: Lauschtour unter Bäumen. Hör-Wanderung mit iPod führt durch die "Grüne Hölle" in der Südeifel.