"Cornflakes über Bord" - Laura ein Jahr auf See
"Guppy schlingerte enorm. Was nicht niet- und nagelfest war, flog durch die Gegend." Laura wird klitschnass, tagelang schmeckt alles salzig. Halb so schlimm, "wäre nicht mein Päckchen Cornflakes über Bord gegangen". Am 4. August 2010 war Laura im südniederländischen Brouwershaven in See gestochen, um einige Tage später von Gibraltar aus als jüngster Mensch allein die Erde zu umsegeln. Da war sie noch 14.
Inzwischen ist Laura weit gekommen, hat den Atlantik und das längste Stück des Pazifiks hinter sich gebracht. Alles in allem problemloser, als so mancher befürchtet hat. Vom Osten Australiens aus liegt nun zwar immer noch eine gewaltige Strecke vor ihr. Doch Hollands "Zeilmeisje" (Segelmädchen) kann sich Zeit lassen, kann immer wieder Pausen in spannenden Häfen einlegen.
Um einen neuen Solo-Rekord aufzustellen, müsste die blonde Niederländerin ihren Törn spätestens vier Tage vor ihrem 17. Geburtstag am 20. September 2012 erfolgreich beendet haben. Dann hätte sie Jessica Watson übertrumpft. Die Australierin hatte ihre Solo-Weltumseglung drei Tage vor ihrem 17. Geburtstag am 15. Mai 2010 in Sydney abgeschlossen.
Doch von einem neuen Alters- oder besser Jugendrekord hört man in letzter Zeit vom "Zeilmeisje" nichts mehr. Es gehe Laura eigentlich weniger um einen Rekord, sagt mittlerweile ihr Vater. Dick Dekker hatte Lauras Segelprojekt, das nicht wenige in Holland als "Wahnsinnsunternehmen" kritisierten, gegen alle Widerstände verteidigt. Jetzt heißt es, die Tour an sich sei das Ziel. Dass sie überhaupt allein die Welt umsegeln kann, nicht weniger, aber auch nicht mehr, wolle sich Laura beweisen.
Mag sein, dass Vater Dekker inzwischen E-Mails und Briefe an die Nieren gehen, in denen er als Rabenvater beschimpft wird, der das Leben seiner Tochter aufs Spiel setzen würde. Vor allem aber: Einen Rekordtitel "Jüngste Solo-Weltumseglerin" will kein internationaler Verband offiziell anerkennen - weder für Laura, noch für andere "Kindersegler". Die Sportfunktionäre wollen waghalsige Weltmeer-Jagden von immer jüngeren Rekordanwärtern nicht fördern. Sie reagierten damit auch auf den lebensgefährlichen Schiffbruch, den die seinerzeit 16-jährige Amerikanerin Abby Sunderland bei ihrem Versuch einer Alleinumseglung erlebte. Ihr Boot verlor im Juni 2010 bei einem Sturm den Mast und trieb im Indischen Ozean. Abby löste mit Alarmbojen, wie sie auch Laura an Bord hat, eine internationale Suchaktion aus.
Auch an diese dramatische Rettung denkt wohl so mancher, der regelmäßig Lauras Weblog und ihre Position im Internet verfolgt. Darunter sind auch Mitarbeiter des niederländischen Jugendschutzes, die seinerzeit alle Hebel in Bewegung gesetzt hatten, Lauras Start zu unterbinden. Ehe sie voriges Jahr die Hoheitsgewässer der Niederlande verlassen durfte, musste Laura einen langen Streit vor verschiedenen Gerichten über sich ergehen lassen.
Zeitweise wurde das Erziehungsrecht ihres Vaters und der von ihm geschiedenen deutschen Mutter Babs Müller eingeschränkt, und Laura unter Aufsicht des Jugendamtes gestellt. Sie reagierte bockig, ja verzweifelt. Über Nacht floh sie in die Karibik, um sich dort ein Boot zu besorgen, wurde erwischt und nach Holland zurückgebracht. Später war in Medienberichten gar von einem Selbstmordversuch die Rede.
Schließlich änderte Lauras Mutter, die gegen den Rekordversuch war, ihre Meinung: "Das ist kein Kinderschutz, das ist Kindesmisshandlung", sagte sie. Zuvor hatten die niederländischen Großeltern in einer emotionsgeladenen Stellungnahme erklärt, gefühlskalte Paragrafenreiter würden mit ihrem "Nein" Lauras "junge Seele zerstören".
Wer Recht behält, ist mit Blick auf den Segel-Jahrestag wieder mal eine viel diskutierte Frage. Wie immer die Antwort lauten mag, auf das "Mädchen mit Meersalz im Blut", wie eine Zeitung Laura angesichts ihres Muts und ihrer Segelkünste bewundernd nannte, wird man in Holland vielleicht vergeblich warten. "Dieses verklemmte Land hat versucht, mich fertig zu machen", sagte Laura kürzlich dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Deshalb werde ich auch nie wieder dorthin zurückkehren."
Freilich hat sie noch viel Zeit, sich das gründlich durch den Kopf gehen zu lassen. Wenn sie nicht gerade über ihre weitere Route nachdenkt. Vorgesehen und nicht ohne Zeitverlust abänderbar ist eine Strecke durch den Golf von Aden ins Rote Meer. Sie führt vorbei an Somalia, der Heimat des Hungers und der Piraten. "Die werden doch wohl kaum das Boot eines einzelnen Mädchens kapern", machte sich Dick Dekker im "Spiegel"-Gespräch Mut. "Vielleicht", fügte er dann hinzu, "ist Laura durch ihre Bekanntheit aber auch ein attraktives Ziel".
17 Meinungen zu "Laura segelt seit einem Jahr"
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Jaguarundi
Montag, 22.08.2011, 10:04 Uhr Sardonis: "Selbst das ist wichtiger als diese Göre!!" Göre? Also, ich bewundere den Mut und die Disziplin, den/die das Mädel aufbringt... Und Du, Sardonis? Langweiliger Korinthenkacker, der niemals in seinem Leben seinen Horizont überwinden wird? -
pallacH
Montag, 08.08.2011, 13:31 Uhr wenn man so manche kommentare hier liest, merkt man, was für ein verkalktes und vergreistes land D geworden ist. -
pallacH
Montag, 08.08.2011, 13:31 Uhr wenn man so manche kommentare hier liest, merkt man, was für ein verkalktes und vergreistes land D geworden ist. -
Geierwalle
Donnerstag, 04.08.2011, 11:40 Uhr wie macht sie es eigentlich mit der Schule ? Oder hat sie einen Lehrer dabei .. -
Geierwalle
Donnerstag, 04.08.2011, 11:37 Uhr Ich frag mich nur wer das Lösegeld zahlt sollte sie den Seeräubern in die Hände fallen . Da sie danach sicher ein Buch schreibt oder Papi das verfilmen lässt hätte sie ja dann genug Kohle .... bin mal gespannt . Hab gestern gelesen dass sie durch dieses Piratenverseuchte Gebiet fahren muss . -
Oberfoerster
Donnerstag, 04.08.2011, 10:12 Uhr Ich erinnere mich noch an die vielen Daumen runter als ich der jungen Dame meinen Respekt zollte und ihr viel Glück wünschte, wärend hier die Mehrzahl der Schreiber wohl meinte sie sei viel zu jung und die Eltern einfach unverantwortlich. Heute freue ich mich um so mehr das sie gut dabei ist und schon ein ganz schönes Stück ihrer langen Reise geschafft hat. Man muss jungen Menschen viel mehr Chancen geben ihre Träume zu verfolgen, in Deutschland machen wir mit der derzeitigen schul- und bildungspolitik viele Jugendliche zu geistigen Krüppeln. Es fehlt an Praxis, weil die Jugendlichen mit 14 angeblich zu jung sind um praktisch zu arbeiten. Es fehlt an Dynamik, weil viele Lehrer den Unterricht nicht mit praktischen Beispielen untermauern, sondern nur Theorie vermitteln. Es fehlt schon in der Grundschule an Didaktik, mit der das Lernen für Schüler, wenn es erst einmal sitzt, um ein vielfaches einfacher würde und damit auch effektiver. Fazit: Junge Menschen brauchen Ziele und Visionen sonst irren sie umher und finden keinen Weg. -
lask5
Donnerstag, 04.08.2011, 10:05 Uhr ihr Mut ist zu bewundern,nur die Gefahr der sie sich (und andere) aussetzt, ist wieder ein anderes Buch
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