Kreuzfahrten – Die Lust aufs Meer ist ungebrochen
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Von Franz Neumeier
Die Deutschen wollen nicht nur ans Meer, sondern aufs Meer - das schwimmende Hotel wird zu einer zunehmend wichtigen Urlaubsform. Kein Reisemarkt wächst derzeit so rasant wie die Hochsee-Kreuzfahrt - und in Deutschland wächst der Kreuzfahrtmarkt am schnellsten.
So haben die Urlauber 14 Prozent mehr Übernachtungen auf einem Hochsee-Schiff gebucht - insgesamt 11,3 Millionen Nächte in 2010. Für 2011 soll die Zahl noch einmal deutlich steigen. Spannend sind die Prognosen: Schon 2015 sollen es mehr als zwei Millionen deutsche Kreuzfahrtgäste werden.
Das ist ein Ergebnis des "2011/2012 Report" des European Cruise Council (ECC), eines Zusammenschlusses der in Europa aktiven Kreuzfahrtgesellschaften mit 30 Mitgliedern, einschließlich der deutschen Reedereien Aida Cruises, Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, Phoenix Reisen und TUI Cruises.
Insgesamt haben im Jahr 2010 weit über 200 Kreuzfahrtschiffe rund 3,47 Millionen Passagiere durch europäische Gewässer geschaukelt. Durchschnittlich blieben die Passagiere auf ihren Fahrten im Mittelmeer, rund um die Kanaren sowie in der Nord- und Ostsee 9,3 Tage an Bord. Das summiert sich auf 27,69 Millionen Übernachtungen allein in Europa. 2011 sollen es 22 Prozent mehr werden. Die Branche ist also optimistischer denn je.
Die britische Passenger Shipping Association rechnet in ihrem jüngsten Jahresbericht vor, dass Europa die USA als Kreuzfahrt-Markt Nummer eins vielleicht schon 2020 ablösen wird. Innerhalb Europas wiederum kommen die meisten Passagiere dann aus Deutschland - heute haben die Briten noch die Nase vorn.
Tritt das ein, brauchen sich deutsche Reedereien keine Sorgen zu machen, wie sie ihre Schiffsneubauten füllen: Aida baut bis 2016 vier neue Schiffe für insgesamt mehr als 10.000 Passagiere, TUI Cruises tauft 2014 ein neues 2.500-Passagiere-Schiff und hat ein weiteres in Planung. Auch Hapag-Lloyd Kreuzfahrten erweitert seine Flotte 2013 mit einem Neubau, der "Europa 2".
Für alle, die Kreuzfahrten bislang für zu teuer hielten, beinhaltet der ECC-Report eine gute Nachricht: Die Preise sinken kontinuierlich und deutlich. Kostete eine durchschnittliche Kreuzfahrt-Nacht 2009 noch 194 Euro, waren es 2010 nur mehr 182 Euro - über sechs Prozent weniger. Auch wenn es dazu noch keine offiziellen Zahlen gibt, hat sich dieser Trend 2011 wohl fortgesetzt. Selten gab es so viele Schnäppchen für Mittelmeer-Kreuzfahrten wie in diesem Jahr, mitunter sogar in der Hauptsaison. Sieben Tage im Mittelmeer in einer Balkonkabine waren da schon mal für unter 500 Euro zu haben.
Und auch eines der großen Vorurteile wird immer deutlicher als solches entlarvt: Kreuzfahrtschiffe sind längst nicht mehr überwiegend von Rentnern bevölkert. Bei erfahrenen Kreuzfahrern gilt die Weisheit: Je länger eine Kreuzfahrt, desto älter das Publikum. Doch der Trend geht zu kürzeren Kreuzfahrten wie Sieben-Nächte-Routen. Auch Kurzkreuzfahrten von nur drei oder vier Tagen sind im Kommen.
Am beliebtesten sind Kreuzfahrtziele in Italien. 2010 hat das Land den ersten Platz in der Rangliste der Kreuzfahrt-Destinationen weltweit übernommen und mit 5,4 Millionen Besuchen einen Anteil von 21 Prozent. Das Nachsehen hat Griechenland. Die bisherige Nummer eins rutschte gleich um zwei Plätze ab und belegt nach Spanien nur noch Rang drei. Platz vier und fünf gehen an Frankreich (4,5 Millionen) und Norwegen (1,8 Millionen).
Mehr als ein Drittel aller Passagiere begann seine Kreuzfahrt 2010 von einem italienischen Hafen aus. Auch hier liegt Italien vor Spanien. Deutschland ist etwas abgeschlagen, liegt aber mit sieben Prozent immerhin auf Platz vier. Bei den einzelnen Häfen ist Barcelona der Sieger, das weltweit auf Platz vier liegt, hinter den US-Häfen Miami, Fort Lauderdale und Port Canaveral.
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Die spanische Hafenstadt hat 2010 insgesamt 2,5 Millionen Passagierbewegungen verzeichnen, rund 900-mal werden Kreuzfahrtschiffe hier angelegt haben. Auf Platz zwei in Europa rangiert das italienische Civitavecchia, der Kreuzfahrthafen von Rom. 2010, noch vor den Unruhen in Nordafrika, konnte sich Tunis (850.000 Besucher) in die Top 3 der am häufigsten besuchten Kreuzfahrt-Häfen hocharbeiten. Platz eins belegt Neapel (1,1 Millionen Besucher) vor Dubrovnik (970.000 Besucher). 2011 wird Tunis deutlich verlieren und Barcelona in die Top 3 aufrücken.
Vergleichsweise bescheiden machen sich da die Zahlen der deutschen Hochseehäfen aus, die allerdings gerade gewaltig aufholen. Die großen drei, Warnemünde, Kiel und Hamburg, verzeichneten den Hochrechnungen zufolge für 2011 über 400 Kreuzfahrtschiff-Anläufe. Auch wenn in Hamburg Publikumslieblinge wie Luxusliner "Queen Mary 2" zu seinen Stammgästen zählen, liegt Hamburg bei den Anläufen und Passagierzahlen hinter Kiel auf Platz drei.
Die Nummer eins ist Rostock-Warnemünde: 2010 verzeichnete der Hafen 350.000 Passagierbewegungen, 2011 will man auf eine halbe Million kommen. Die übrigen deutschen Kreuzfahrthäfen, Bremerhaven, Lübeck-Travemünde und Cuxhaven kamen 2010 zusammen auf 66 Anläufe.
Besonders Hamburg rechnet 2012 mit deutlichen Steigerungen. Internationale Reedereien wie Costa und MSC haben die Hansestadt als neuen Basishafen für einige ihrer Schiffe gewählt. Eines der Highlights: Die "MSC Lirica" läuft 2012 von Hamburg aus mehrfach Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland an, die bislang per Kreuzfahrtschiff nur sehr selten erreichbar war.
Für die angelaufenen Häfen bedeuten gute Plätze in der Rangliste deutlich mehr als nur das gute Gefühl, in einer Top-Ten-Liste geführt zu werden. Die Statistiken des ECC belegen, welche enorme Bedeutung die Schiffsurlauber für die lokale Wirtschaft haben kann.
2010 verzeichneten die europäischen Häfen 25,2 Millionen Landgänge von Kreuzfahrt-Passagieren. Berücksichtigt man, dass bei einem Hafenstopp durchschnittlich 61 Euro ausgegeben werden, bedeutet das beim Anlegen eines einzigen 4000-Passagiere-Schiffs für die örtliche Wirtschaft allein durch die Ausgaben der Passagiere an Land Einnahmen von etwa einer Viertelmillion Euro.
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