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27.08.2012, 15:40 Uhr

Im Hotel vergessen – was vom Gast so übrig bleibt

in Kooperation mit DIE WELT

Beinprothesen, Toupets, erotische Accessoires: Es gibt nichts, was Hotelgäste nicht in ihren Zimmern vergessen. Die "Welt" hat Hotels und Hotelgruppen nach besonderen Hinterlassenschaften befragt.

Von Anna Warnholtz

Manche Gäste nehmen aus Hotelzimmern etwas mit, manche lassen etwas da. Tausende Gegenstände werden tagtäglich in den Herbergen weltweit vergessen und nicht mehr abgeholt. Die "Welt" hat mehrere Hotels und Hotelgruppen nach besonders kuriosen Fundstücken befragt.

Allein die 17 deutschen "Park Inn by Radisson"-Häuser kommen im Durchschnitt auf 645 Fundsachen pro Jahr und Hotel. Welche Gegenstände am häufigsten vergessen werden, wollte das Unternehmen wissen und sandte den Hoteliers einen Fragebogen zu.

Die Auswertung ergab: Auf Platz eins liegt Bekleidung aller Art (50 Prozent), gefolgt von Ladegeräten für Handys und Laptops (18 Prozent). Auf Platz drei kommen Kosmetik- und Pflegeartikel mit 14 Prozent.

Doch die Park-Inn-Gäste hinterlassen auch kuriose Gegenstände: Toupets, Gebisse, eine Unterhose mit eingenähten Geldscheinen im Wert von 1000 Euro sowie diverse erotische Accessoires – die Liste der in Zimmern gefundenen Gegenstände ist lang.

Grenzenlose Vergesslichkeit

Nicht schlecht staunte zum Beispiel ein Zimmermädchen, als es ein Paar Basketballschuhe in Größe 53 fand. In einem anderen Fall hinterließ ein Gast dem Reinigungspersonal einen Reiskochtopf, randvoll mit Reis gefüllt. Auch eine einsame Schaufensterpuppe blieb in einem der Gästezimmer zurück – ihr Besitzer meldete sich nie.

Nach Angaben der Hotelgruppe teilen im Durchschnitt nur etwa 25 Prozent der Eigentümer dem Haus mit, dass sie etwas vermissen und den Gegenstand zurück wünschen. Diese Zahl gilt auch für andere Hotels und Hotelgruppen.

So machte die Hausdame des Hotel "Louis C. Jacob" in Hamburg eine ungewöhnliche Entdeckung. Kurz nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" wollte sich ein Ehepaar für die Reise auf der "Queen Mary 2" rüsten, das in Hamburg ablegt. Sie übernachteten zuvor im "Jacob" und als die Gäste schon auf dem Schiff waren, wurden zwei Schwimmwesten auf ihrem Zimmer gefunden.

Kuhglockendiebstahl beim Almabtrieb

Auch das Personal im Hotel "Paradies" im schweizerischen Ftan wunderte sich über eine "Hinterlassenschaft". Im Herbst wird dort traditionell das Vieh ins Tal getrieben. Kurz nach dem Almabtrieb fand das Zimmermädchen eine hübsch verzierte Kuhglocke auf einem der Zimmer. Der Gast muss sie klammheimlich einer Kuh abgenommen haben.

Ähnlich Skurriles weiß auch die Zimmerdirektorin des "Grand Hyatt Berlin" zu berichten. Sie fand in einer Junior-Suite ein Elchkostüm und einen Goldzahn. Weitere Funde in den Zimmern des Hauses: Handschellen, Schwimmflügel und ein Einmachglas mit Spargel.

Keine Weiterreise ohne Reisepass und Flugticket

Gravierender hingegen sind der vergessene Reisepass und Flugtickets. Das "InterContinental Frankfurt" schickte die Dokumente ihren Gästen im Taxi an den Flughafen hinterher, im " Dolder Grand" in Zürich wurde nach den liegen gebliebenen Unterlagen indes nie gefragt.

An vergessene Gebisse, die im "Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski" in München bereits diverse Male liegen geblieben waren, hat sich das Personal inzwischen gewöhnt. Überraschend war für die Mitarbeiter jedoch, im Gästezimmer eine Beinprothese vorzufinden. Diese wurde allerdings relativ zeitnah wieder abgeholt.

Abreise ohne Gepäck

Eine Abreise so ganz ohne Gepäck hat es auch schon gegeben, zum Beispiel im "Meisters Hotel Irma" in Meran. Dort vergaß ein Ehepaar Koffer und Fahrräder, da der Ehemann dachte, seine Frau hätte den Wagen beladen und sie dachte, er hätte es gemacht. Zuhause angekommen, stellten sie fest, dass sie mit leerem Kofferraum gereist waren. Das Gepäck wurde nachgeschickt.

Wie lange die Fundsachen aufbewahrt werden, handhaben die Hotels unterschiedlich. Die Park-Inn-Häuser beispielsweise heben sie sechs Monat lang auf, danach werden sie meist versteigert, gespendet oder entsorgt, im "Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski" werden die vergessenen Gegenstande grundsätzlich zwei Jahre lang aufgehoben.

© DIE WELT

Alle News vom: 27. August 2012 Zur Übersicht: Reise

6 Meinungen zu "Was vom Gast so übrig bleibt"

  • DerPate00
    Freitag, 16.11.2012, 14:50 Uhr
    Ich habe mal meine Freundin im Hotel vergessen ;)
  • Cantus1990
    Dienstag, 28.08.2012, 10:37 Uhr
    Ich würde vermuten, dass die 14% Pflege- und Kosmetik-Artikel nicht "vergessen" werden. Ich zumindest lasse die immer absichtlich da, um Gewicht zu sparen, das beim Rückflug für Shopping-Gut gebraucht wird!:D
  • maasmensch
    Dienstag, 28.08.2012, 08:49 Uhr
    Was vom Gast so übrig bleibt -> verklebte bettlaken
  • TEW
    Dienstag, 28.08.2012, 08:20 Uhr
    Eine kleine wahre Geschichte was einem so passieren kann. Ankunft auf einem der Flughäfen in Rio de Janeiro. Ziemlich müde vom Flug wollte wir uns frisch machen. Einige Zeit später bemerkten wir das wir eine unserer Taschen ( Inhalt, Pässe, Flugtickets etc. ) verloren hatten. Super, dachten wir, fängt ja gut an! Man glaubt es nicht, aber wir haben die Tasche mit allem Inhalt beim Fundbüro am Flughafen wieder bekommen und der nette brasilianische Finder wollte noch nicht einmal eine Belohnung. In Montevideo, ein "Cambio-Büro"! Travlerchecks tauschen, der Typ am Schalter lässt mich die Schecks unterschreiben um mir denn zu sagen: "Diese Schecks von der Firma tauschen wir nicht"! Ok, ich stecke die Schecks in meine Bauchtasche und gehe zum nächsten "Cambiobüro" Schecks weg, verloren? Zurück auf dem Weg und suchen. Vor dem ersten Cambiobüro steht ein Sicherheitsmann und winkt mit dem Schecks. Unglaublich aber wahr, 400,00 $ US$ fanden ihr Besitzer wieder. Heimreise, wieder am Flughafen Rio, die selbe Tasche ist wieder nicht da, nur diesmal waren nicht die Pässe und die Tickets drinnen. Anruf, ja die Tasche steht im Hotel. Ein Taxe beauftragt diese Tasche abzuholen und mit dem nächsten Flieger nach zu senden. Die Tasche war vor uns in De. Auch Volltrottel haben Glück, dank ehrlicher Menschen!
  • hagea
    Dienstag, 28.08.2012, 08:12 Uhr
    Dafür hat man halt den Bademantel, Gemälde, das Zimmer-TV und auch ansonsten alles was nicht angeschraubt und transportabel ist,mitgenommen! Man sollte der Fundstatistik die Diebstahlsstatistik mal gegenüberstellen! ;=))
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