Glamping in der Wüste
Respekt vor dem Heiligen Berg
350.000 Besucher kommen jährlich, um den Uluru zu sehen. Viele von ihnen können es nicht lassen hinaufzuklettern. Dabei gibt es auf dem Heiligen Berg des Stammes der Anangu Stätten, die nicht betreten werden sollen. Plätze, an denen Höhlenmalereien den Stein verzieren, die zum höchsten Respekt vor diesem Ort gemahnen, der geehrt und betrachtet werden will, aber bitte nicht bestiegen. Eigentlich sind die Klettertouren sogar verboten, sie werden aber geduldet, denn immerhin 38 Prozent aller Touristen kommen ihretwillen.
Luxus-Campingplatz abseits befestigter Straßen
Besser bleibt man in respektvoller Distanz zum roten Felsen, in seinem Luxuszelt. Doch der Weg zum glamourösen Campingplatz "Longitude 131 Grad" ist erst einmal gar nicht so leicht zu finden. Kein Hinweisschild gibt am Flughafen Ayers Rock Hilfe. Kein Pfeil weist den Autofahrer in die richtige Richtung. Irgendwann biegt man tief im Outback von der asphaltierten Hauptstraße auf einen sandigen Feldweg, passiert das Schild "Betreten verboten" und sieht alsbald die 15 Zelte, die sich an den mit Flexigras-Büscheln bewachsenen Sandhügeln entlangschmiegen.
Panoramafenster mit Uluru-Blick
Wobei das Wort Zelt in diesem Falle maßlos untertrieben ist. Vielmehr ist es ein auf Stelzen stehender Glaskubus mit Zeltdach, in den eine lange Eisentreppe führt. Das große Panoramafenster gibt den Blick frei auf den berühmten Sandstein-Monolithen, der sich bequem vom Bett aus betrachten lässt, nachdem man per Knopfdruck die Jalousien des Fensters geöffnet hat. Diese Aussicht ersetzt problemlos den Fernseher, von dem es nur einen einzigen in der Bibliothek im Haupthaus des "Longitude 131 Grad" gibt.
Zelte als Mini-Museen
Jedes Zelt ist dabei nach einem australischen Forscher und Pionier benannt. Eines heißt John Flynn, nach dem Begründer der Flying Doctors, weswegen sich im Zimmer neben einem Porträt von John Flynn auch Schaukästen befinden mit seiner Pfeife, seiner Taschenuhr, seinem Stethoskop. So hat jedes der Domizile, bei dessen Einrichtung die Farben Braun, Beige und Schwarz vorherrschen, sein eigenes kleines Museum. Durch den alten Schreibtisch und die große Holzkiste am Fußende des Bettes fühlt man sich um 100 Jahre zurückversetzt. Ursprünglich wurde das"Longitude 131 Grad?" bereit 2002 eröffnet, brannte 2003 bei einem Buschfeuer nieder und wurde 2004 wieder eröffnet
Orte fern jeglicher Zivilisation
Ein weiterer australischer Glampingplatz, "Bamurru Plains", liegt drei Autostunden von Darwin und 20 Flugminuten vom berühmten Kakadu National Park entfernt. Nach dem Flug mit einer Cessna, der Landung auf einer sandigen Bahn und einem ruckeligen Transport mit Ranger Andrew durch Busch und Wald ist man endlich da, an einem Ort fern jeglicher Zivilisation. Hier im äußersten Norden, dem Top End des Landes, herrscht Anfang Juli tropische Hitze, 40 Grad Celsius. Das Klima ist aber nicht der einzige Unterschied zum "Longitude 131 Grad". Lebte der Zeltplatz am Uluru vor allem vom roten Nichts und dem exklusiven Blick auf die berühmteste Sehenswürdigkeit des Fünften Kontinents, so ist man im "Bamurru Plains" mitten in der Natur.
Rundumsicht in die Natur
Der Platz liegt auf der 300 Quadratkilometer großen Swim Creek Station, seit 20 Jahren im Besitz der Familie Fisher, die hier 5000 Büffel und 1500 Kälber züchtet. Seit 2007 beherbergt die Station neun Zelte auf ihrem Grund, die diesen Namen diesmal auch wirklich verdienen. Der Blick geht aus dem großzügigen Bett nicht durch ein Glasfenster, sondern durch dünne Gaze, die das Zelt an drei von vier Seiten begrenzt und somit einen 270-Grad-Panoramablick garantiert.
Solarzellen im Öko-Camp
Und auf was? Auf das Sumpfgebiet des Mary River: Pandanuss-Palmen ragen in den Himmel, Kängurus grasen, Büffel spazieren hinter meterhohen Termitenhügeln entlang; ein weißer Kakadu durchfliegt posaunend die idyllische Szenerie. Das unmittelbare Naturerlebnis im "Bamurru Plains" ist in der Tat extraordinär, und entsprechend wird der Ökogedanke in diesem abgeschiedenen Resort sehr ernst genommen. Es gibt zwar heißes Wasser, aber keine Stromfresser wie Minibar oder Fön. Nur drei Räume haben eine Klimaanlage. 75 Prozent des Stroms wird aus den 128 Solarzellen des Camps gewonnen. Dementsprechend stört kein ratternder Dieselgenerator die nächtliche Ruhe, nur das "Flappflapp" des Ventilators, das Krächzen eines Kakadus und das Rauschen der Blätter in den Bäumen ist zu hören.
Wie irgendwo in Afrika
60 Prozent der Swim Creek Station, nur zehn Kilometer von der Nordküste Australiens entfernt, ist Sumpfland. Was vor 15 Jahren noch ein Fischerdorf war, ist nun ein Öko-Resort, 2008 von den Lesern des Reisemagazins "Condé Nast Traveler" zum besten Hotel Australiens gekürt. "Du bist so nah an der Natur, dass du meinst, ein Teil von ihr zu sein", sagt Besitzer Michael. Er genießt es, wie die Touristen - darunter Schauspieler und Politiker, Honeymooner und Familien - sich an diesem Erlebnis erfreuen. Die eine Hälfte der Besucher kommt dabei aus Australien, die andere aus dem Rest der Welt. Und so sitzen wir, eine bunt gemischte Truppe, am Abend beim Sundowner an dem kleinen Pool, den sich dieser Luxuszeltplatz auch noch gönnt. "Ist ja gar nicht so ein Luxusschuppen. Sondern so, als ob man einfach irgendwo mitten in Afrika sitzt", sagt ein Spanier. Und niemand widerspricht.
© Axel Springer AG
3 Meinungen zu "Glamping im Nirgendwo"
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nadannmalsoeben
Dienstag, 30.10.2012, 11:35 Uhr einmal auf dem Berg drei ktingel mit nem Spitz draufscheissen und dann vom Zelt aus die neue Erhebung anschauen bei einem Straußensteak damit der Glamour perfekt ist -
bamblewituna
Dienstag, 30.10.2012, 09:47 Uhr Trop glamoureux! Danach zum Bergsteigen nach Bangladesh, gefolgt von einem Survival-Training in Monte-Carlo! Eventuell auch noch eine Fahrradtour durch die Antarktis?
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