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18.11.2012, 11:36 Uhr

Sicherheitsrisiko im Flugzeug

(lug) - Jeder dritte Pilot in Europa wurde schon einmal im Cockpit vom Schlaf übermannt. Übermüdungsbedingte Fehler gehören offenbar zum Pilotenalltag, bedingt durch lange Flugdienstzeiten. Trotzdem will die europäische Flugsicherheitsbehörde den Kapitänen künftig noch längere Arbeitszeiten aufbrummen.

Bei Langstreckenflügen ist es völlig normal, dass auch der Pilot einmal ein Nickerchen hält. Nicht ohne Grund sind Flugkapitäne immer zu zweit und können sich absprechen. Zudem wird in der Luft vieles vom Autopiloten geregelt.

Wie "Bild am Sonntag" nun berichtet, ist jeder dritte europäische Pilot jedoch auch schon eingenickt, ohne den Copiloten zu informieren. Das geht aus einer Studie der europäischen Pilotenvereinigung Cockpit (ECA) hervor. Befragt wurden über 6.000 Piloten in ganz Europa.

In Deutschland gaben in der Studie außerdem ganze neun von zehn Piloten an, bereits ein Flugzeug gesteuert zu haben, obwohl sie sich hierfür zu müde fühlten. Vier von fünf deutschen Flugkapitänen seien aufgrund von Müdigkeit schon einmal Fehler unterlaufen.

Ein Sprecher der Vereinigung Cockpit e.V. bestätigte der dpa die Angaben. "Aus meiner eigenen Erfahrung halte ich die Ergebnisse auch für realistisch", sagte der Pilot.

Schuld an diesem beunruhigenden Zustand sollen laut Cockpit die langen Flugdienstzeiten sein. Bereits vor wenigen Wochen wurden diese von der Pilotenvereinigung als gefährlich eingestuft. Cockpit-Präsident Ilja Schulz erklärt, dass über zehn Stunden lange Flugdienste in der Nacht laut Wissenschaftlern zu Ermüdungserscheinungen führen - eine Erkenntnis, die sich auch jedem Nicht-Wissenschaftler, der jemals einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, zusammenreimen kann. Dennoch gibt es bereits jetzt tägliche Flugdienstzeiten von 14 Stunden.

 

Zuständig für die Festlegung der Flugdienstzeiten in Europa ist die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA). Das "S" im Kürzel steht dabei für "Sicherheit".

Trotz der alarmierenden Hinweise will die EASA die Flugdienstzeiten nun sogar verlängern. Vorschriften gegen eine Erhöhung der Zahl an Flugstunden gebe es nicht, argumentiert die Behörde. Und natürlich beruft man sich auch hier auf wissenschaftliche Studien, die das Vorhaben angeblich stützen.

Schon im Mai 2012 demonstrierten europäische Piloten vor dem EASA-Gebäude in Köln. Sie hielten ein Banner mit der Aufschrift "Sleepwalking into Desaster", zu Deutsch: "Wir Schlafwandeln in die Katastrophe".

Schlaflose Flugstunden wird angesichts dieser Meldungen künftig aber in erster Linie einer haben: der Passagier.

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116 Meinungen zu "Sicherheitsrisiko im Flugzeug"

  • strathmann
    Montag, 10.12.2012, 15:47 Uhr
    Wer kurz vor der Landung noch den Verwandten am Boden zuwinken muss, ist auch keine reine Freude für die Passagiere.
  • Pilot040
    Dienstag, 20.11.2012, 17:46 Uhr
    Doch, auch die "Lenkzeiten" für Piloten sind (sogar recht streng) reglementiert. ;) Allerdings kann man auch die Anforderungen an Piloten und deren Arbeit weder mit einem LKW-Fahrer noch mit einem Lok-Führer vergleichen. Dazwischen gibts ja nun doch noch reichlich Unterschiede...
  • Wenyou
    Dienstag, 20.11.2012, 16:36 Uhr
    Wie kommt es, dass zwar die Lenkzeiten für LKW-Fahrer aufs Strengste reguliert und reglementiert sind, die Einsatzzeiten für Flugzeugpiloten aber offenbar überhaupt nicht?!? -- Die EU vergisst doch sonst nichts, was man irgendwie mit Regeln und Gesetzen totreglementieren kann! Ich frage mich, wie viel die Fuggesellschafts-Lobbyisten dafür an "Geschenken" verteilen mussten...
  • MartinAviation
    Dienstag, 20.11.2012, 14:07 Uhr
    Die EASA hat im Moment einen Gesetzesentwurf für die Europäische Kommision unterbreitet welcher die aktuellen Flugdienstzeiten noch weiter strapaziert. Es ist jetzt theoretisch möglich, dass ein Pilot welcher seit 22 Stunden wach ist eine Landung auch in schweren Bedingungen wie Gewitter oder Schneesturm völlig legal durchführen kann. Dagegen gehen natürlich jegliche Gewerkschaften und Vereinigungen vor. Die Interessen der Konzerne und Lobbyisten welche mit diesen Entwürfen untermalt werden DÜRFEN nicht über der Sicherheit der Passagiere stehen. Dazu bitte ich Sie sich hier in die rechts angefügte Unterschriftenliste einzutragen (hier gibt es auch weitere Informationen zu diesem Thema): http://www.flugdienstzeiten.de/ Ich danke Ihnen!
  • kruti
    Montag, 19.11.2012, 17:53 Uhr
    ... da gibt´s wohl demnächst Flugzeuge zum Selbstfliegen??
  • Kasperltheater
    Montag, 19.11.2012, 17:51 Uhr
    Warum soll es beim fliegen anders sein, als im täglichen Leben. Zum Glück fliegen sie ja die meiste Zeit mit der Automatik und da ist ja auch noch der CO Pilot. Beim Autofahren, gibt es die Automatik nicht und auch keinen Co Piloten
  • Schwabe61
    Montag, 19.11.2012, 17:33 Uhr
    Dennoch ist Fliegen sicherer als mit der Deutschen Bahn AG zu fahren, bei der man nicht weiß, wo und ob man ankommt.
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