Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen: von traumhaften Badestränden, beeindruckenden Sehenswürdigkeiten, interessanten Menschen – und von den Fettnäpfchen, in die er als unbedarfter Urlauber hineingetappt ist.

Nicht überall begrüßt man sich mit einem festen Händedruck.

Wer die Gepflogenheiten eines Landes nicht kennt, hat schlechte Karten, wenn es darum geht, auf Reisen einen guten Eindruck bei den Einheimischen zu hinterlassen. Und so kann es schon mal passieren, dass man als unkundiger Tourist das eine oder andere verärgerte Kopfschütteln erntet, ohne zu wissen, was man denn eigentlich falsch gemacht hat.

Was hierzulande als gutes Benehmen gilt, kann in anderen Ländern als Beleidigung aufgefasst werden. Und nicht alles, was für uns selbstverständlich ist, wird auch im Ausland gutgeheißen. Will man im Urlaubsland nicht unangenehm auffallen, sollte man sich deshalb vor Reiseantritt über die Sitten und Gebräuche eines Landes informieren. Wie Sie die größten Benimm-Fallen im Ausland erfolgreich umschiffen können, erfahren Sie auf den nächsten Seiten.

Die Gepflogenheiten bei Tisch variieren von Kultur zu Kultur beträchtlich.

Begrüßung

Schon bei der Begrüßung lauern die ersten Fettnäpfchen. Soll man seinem Gegenüber zunicken, ihm die Hand schütteln, ihm auf die Schulter klopfen, oder ihn gar umarmen und küssen?

Der feste deutsche Händedruck kommt nicht überall gut an. So bevorzugen es unsere holländischen Nachbarn, wenn man ihnen zur Begrüßung einfach nur zunickt. Bei Briten und Amerikanern ist ein "How are you?" unverzichtbarer Teil des Begrüßungsrituals. Allerdings ist diese Frage eher rhetorisch gemeint - eine wahrheitsgemäße Auskunft über das Wohlbefinden des Gegenübers erwartet niemand.

Überschwänglicher sind dagegen die Südeuropäer: Franzosen, Spanier und Italiener begrüßen sich untereinander meist mit (angedeuteten) Wangenküsschen. Aber Vorsicht: Nicht einfach wild drauflos küssen, denn auch hier gilt es, Regeln zu beachten. In Italien und Spanien sind zwei Küsse - zuerst auf die rechte, dann auf die linke Wange - üblich. Beim "Faire des bisou" der Franzosen können es bis zu vier angedeutete Luftküsse über die Schulter des Gegenübers sein.

So mancher Urlauber fragt sich, wieviel Trinkgeld er im Ausland geben soll.

Verbeugung

Wesentlich förmlicher und steifer geht es bei den Japanern und Koreanern zu. Traditionell begrüßt man sich dort mit einer leichten Verbeugung, bei der der Rücken gerade zu bleiben hat. Wie tief man sich verbeugen muss, hängt dabei von der gesellschaftlichen Stellung einer Person ab: Wer in der Hierarchie tiefer steht, hat sich auch tiefer und länger zu verbeugen. Als Nicht-Japaner genügt eine mittlere Verbeugung.

In Indien riskiert man versteinerte Blicke, wenn man versucht, jemandem zur Begrüßung die linke Hand zu reichen. Diese dient nämlich der Reinigung auf der Toilette und gilt daher als unrein. Mit wesentlich freundlicheren Mienen ist zu rechnen, wenn man die Handflächen mit den Fingern nach oben zeigend vor der Brust aneinander legt und dabei leicht den Kopf neigt. Fügt man noch ein freundliches "Namaste" ("Guten Tag") hinzu, ist der traditionelle indische Gruß perfekt

Küssen in der Öffentlichkeit gilt in einigen Ländern als unschicklich.

Restaurantbesuch und Einladung

Ist die erste Hürde der Begrüßung genommen, wartet schon die nächste Herausforderung auf den unwissenden Urlauber: ein Abendessen im Restaurant oder bei einheimischen Gastgebern. Wer sich denkt "Kein Problem! Was kann da schon schiefgehen?" liegt vollkommen falsch. Auch hier lässt sich in so manches Fettnäpfchen treten, denn die Gepflogenheiten bei Tisch variieren von Kultur zu Kultur teilweise beträchtlich.

Bei einem Restaurantbesuch in Frankreich, Italien oder in den USA ist schon bei der Platzwahl Vorsicht geboten. Anders als in den meisten deutschen Restaurants stürmt man dort nicht einfach an den erstbesten freien Tisch. Vielmehr wartet man am Empfang, bis man vom Ober einen Tisch zugewiesen bekommt. Andernfalls kann es passieren, dass man vergeblich auf die Bedienung wartet.

Wird man zum Essen eingeladen, gebietet es die Höflichkeit in den meisten Ländern, ein Gastgeschenk mitzubringen. Hierbei sollte man jedoch darauf achten, was man schenkt: Chrysanthemen sind in Italien als Geschenk gänzlich ungeeignet, da sie als Trauerblumen gelten. In Japan soll die Zahl vier Unglück bringen - verschenken Sie also niemals ein Quartett. Ein Inder hingegen würde jegliche Art von Gastgeschenk als Beleidigung empfinden. Am besten geeignet als Geschenk sind Genussspezialitäten oder kitschige Andenken aus der eigenen Heimat.

Tischmanieren

In China und Japan gilt bei einer Essenseinladung die Devise: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Sollte das aufgetischte oder im Restaurant bestellte Essen nicht schmecken, hat man Pech gehabt: Eine Ablehnung der Speise wäre eine Beleidigung für den Gastgeber; deswegen ist zumindest das Probieren Pflicht. Der Gastgeber bedient stets den Gast. Wenn man satt ist, lässt man einen kleinen Rest auf dem Teller liegen. Ansonsten bekommt man unaufgefordert Nachschlag, da ein leerer Teller als Zeichen gedeutet wird, dass man noch Hunger hat.

Wenn einem das Essen so richtig schmeckt, darf man das in China, Japan und Indien auch zeigen: Lautstarkes Schmatzen, Schlürfen und Rülpsen gehört dort zum guten Ton, da es als Zeichen des Genusses und somit als Kompliment für den Koch aufgefasst wird. Ein Franzose wäre angesichts dieser Tischsitten entsetzt - Frankreich gilt nicht umsonst als das Land mit den strengsten Tischmanieren. Doch auch in China, Japan und Indien gilt es, gewisse Regeln einzuhalten. Ein absolutes Tabu ist in diesen Ländern das Naseschnäuzen am Essenstisch. In Indien ist es zudem strengstens verboten, mit der linken Hand zu essen oder Essen weiterzureichen.

Trinkgeld

Hat man das Abendessen im Restaurant ohne größere Peinlichkeiten hinter sich gebracht, gilt es, die nächste Benimm-Hürde zu überwinden: Wieviel Trinkgeld muss - beziehungsweise darf - man geben, wenn man den Kellner nicht brüskieren will? In China und Japan sind Trinkgelder absolut unüblich - fernab der Touristenzentren können sie sogar als Beleidigung aufgefasst werden. Hervorragender Service wird dort nämlich vorausgesetzt und bedarf keiner Extrabelohnung.

In Europa und Nordamerika dagegen ist es Pflicht, sich dem Servicepersonal gegenüber mit einem Trinkgeld erkenntlich zu zeigen - es zu unterschlagen wäre der Fauxpas schlechthin. Die Höhe des Obolus variiert von Land zu Land ein wenig - mit rund 10 bis 15 Prozent des Rechnungsbetrages liegt man aber fast überall richtig. In Kanada und den USA sollte der "tip" etwas großzügiger ausfallen, da er Bestandteil des Lohns ist - üblich sind 15 bis 20 Prozent.

Ist der Service bereits im Preis inbegriffen und taucht auf der Rechnung auf - etwa als italienisches "Coperto" (Gedeck) oder als englische "service charge" -, kann man sich das Trinkgeld sparen. Die Rechnung wird in Frankreich, Italien und den USA in der Regel für den ganzen Tisch aufgestellt und in einer Gesamtsumme gezahlt. Das Trinkgeld - oder wie der Franzose sagt: "le pourboire" - hinterlässt man einfach auf dem Tisch.

Preise

Sollten Sie nach einem Restaurantbesuch oder Einkaufsbummel in den USA oder Japan verwundert feststellen, dass der Rechnungsbetrag höher als erwartet ausgefallen ist: Preise werden dort immer als Nettobetrag angegeben. Die Mehrwertsteuer wird erst an der Kasse draufgeschlagen. In Japan muss man mit Mehrkosten von etwa 5 Prozent rechnen. In den USA variiert die sogenannte "sales tax" von Bundesstaat zu Bundesstaat zwischen 5 und 10 Prozent.

Beim Kauf höherwertiger Waren ist es in Indien, Thailand, China und der Türkei gang und gäbe, um den Preis zu feilschen. Insbesondere ausländische Touristen sollten den Preis zu drücken versuchen, da Händler von ihnen meist mehr verlangen als von Einheimischen. Wer nicht feilscht, gilt als langweilig - wenn nicht gar unhöflich. Und wer weiß: Mit etwas Geschick und Beharrlichkeit gelingt es vielleicht, den tatsächlichen Preis auf bis zu ein Drittel des ursprünglichen Betrages zu drücken.

In der Öffentlichkeit

Die Frage, wie man sich im Ausland auf offener Straße zu benehmen hat, stellen sich vermutlich die wenigsten Urlauber. Dabei hat man dort auch als Tourist keine Narrenfreiheit. Verhalten, das bei uns gutgeheißen wird, kann bei den Einheimischen Stirnrunzeln und empörte Blicke hervorrufen oder sogar unter Strafe stehen.

So ist in den USA der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit nicht nur ungern gesehen, sondern schlichtweg verboten. Allerdings lässt sich dieses Gesetz leicht umgehen: Verhüllen Sie die Flasche einfach mit einer blickdichten Tüte. Keine Schlupflöcher gibt es für Raucher in Restaurants und öffentlichen Gebäuden: Dort muss in jedem Fall auf den Glimmstängel verzichtet werden - und das nicht nur in den USA, sondern auch in Großbritannien, Irland, Spanien und Italien.

Sollten Sie in Indien, China oder Japan einmal das Bedürfnis verspüren, sich die Nase zu putzen - lassen Sie es! Schnäuzen ist in diesen Ländern nicht nur bei Tisch, sondern auch auf offener Straße ein absolutes Tabu. Ebenfalls schief angeschaut wird man, wenn man seinem Schatz vor aller Leute Augen einen Kuss gibt. Öffentliche Zärtlichkeitsbekundungen zwischen Mann und Frau gelten nämlich als unschicklich.

Kleiderordnung

In islamischen Ländern wie der Türkei oder Ägypten sollten sich vor allem Frauen nicht zu freizügig kleiden. Dasselbe gilt für Indien. Zeigt man dort in der Öffentlichkeit zuviel Haut, gilt dies als Zeichen mangelnder Keuschheit und daher als unehrenhaft. Halten Sie als Frau also stets Ihre Schultern und Knie verdeckt. Die gleiche Regel gilt beim Besuch einer Kirche in Italien. Moscheen darf man generell nur ohne Schuhe betreten. In Synagogen ist für Männer eine Kopfbedeckung obligatorisch. Ansonsten könnten Sie die religiösen Empfindungen der Einheimischen verletzen.

Auch an Badestränden gelten in vielen Urlaubsländern strenge Regeln. Wenn Sie mit nahtloser Bräune aus dem Urlaub zurückkehren wollen, sollten Sie von vornherein Indien, Malaysia, Brasilien, die Türkei und die USA als Reiseziele ausschließen. Oben-ohne oder gar Nacktbaden ist dort nicht drin, es sei denn der Spaß ist Ihnen ein Bußgeld wert. Fahren Sie stattdessen lieber nach Kroatien - dort reagiert niemand empört auf nackte Haut.

Gestik und Mimik

Gravierende Missverständnisse können mitunter entstehen, wenn man die Gesichtsausdrücke und Gesten der Einheimischen nicht richtig zu interpretieren weiß. So sollten Sie in Indien nicht irritiert reagieren, wenn Ihr Gesprächspartner permanent den Kopf schüttelt. Das leichte hin und her Wippen des Kopfes ist kein Zeichen der Ablehnung, sondern soll Aufmerksamkeit im Sinne von "ja, ich höre dir zu" signalisieren. Möchte ein Inder ein "Nein" andeuten, geschieht dies mit einer wesentlich kürzeren und abrupteren Kopfbewegung.

In Thailand und Indien kann es nicht schaden, stets und überall möglichst viel Zähne zu zeigen - Lächeln ist dort ein Gebot der Höflichkeit. Andernfalls gilt man nicht nur als unfreundlich, sondern eventuell sogar als böswillig. In Japan dagegen dient das Lachen häufig als Reaktion auf offene Kritik oder peinliche Situationen. Und seien Sie nicht beleidigt, wenn ein Japaner während des Gesprächs ihrem Blick auszuweichen scheint: Direkter Augenkontakt wird in Japan vermieden.

Vorsicht ist auch geboten, wenn man selbst gerne gestikuliert. So manche für uns harmlose Geste kann in anderen Ländern als Beleidigung aufgefasst werden. Kommen Sie beispielsweise in Brasilien, Spanien, Frankreich und der Türkei niemals auf die Idee, mit Daumen und Zeigefinger in Kopfhöhe einen Ring zu formen, um ein "Ok" zu signalisieren - die Einheimischen würden Ihnen obszöne Absichten unterstellen. In Thailand und Japan gilt es zudem als unhöflich, mit dem (linken) Finger auf jemanden zu zeigen. Benutzen Sie hierfür, wenn nötig, stets die ganze Hand.

Gesprächsthemen

Will man sich bei einer Unterhaltung mit Einheimischen nicht unbeliebt machen, ist es in einigen Ländern ratsam, bestimmte Gesprächsthemen zu vermeiden. So sollten Sie Chinesen niemals auf die kommunistische Regierung, das Verhältnis zu Taiwan oder die Tibet-Frage ansprechen. In Spanien wird nicht gerne über die Zeit der Franco-Diktatur zwischen 1939 und 1975 geredet. Auch negative Äußerungen über den Stierkampf sind tabu - Toreros gelten in Spanien nämlich als Volkshelden. In Süditalien wiederum erntet man beleidigte Blicke, wenn man das Thema Mafia anspricht.

Generell sollte man im Ausland mit Kritik immer und überall sparsam umgehen. Vor allem Inder und Thailänder reagieren sehr empfindlich, wenn man ihr Land, ihre Religion oder ihre kulturellen Eigenarten in Frage stellt. In den USA riskiert man pikierte Blicke, wenn man sich nach dem Alter oder der Religion erkundigt. In Großbritannien treten Sie ins Fettnäpfchen, wenn Sie Waliser und Schotten als Engländer bezeichnen. Ebenso reagieren Niederländer beleidigt, wenn sie mit Holländern gleichgesetzt werden.