Frankfurt/Main (dpa) - Die Lufthansa-Piloten streiken erneut. Diesmal 15 Stunden lang in Frankfurt. Doch die Airline hat vorgesorgt: Mehr als die Hälfte der Flüge im Streikzeitraum soll starten. Welche Rechte Passagiere haben, erklärt der Reiserechtler Paul Degott.

Piloten der Lufthansa sind am Dienstag (30. September) am Frankfurter Flughafen in einen 15-stündigen Streik getreten. Bis 23.00 Uhr sollen Langstreckenflüge der Airline bestreikt werden. Die Lufthansa wollte jedoch mit einem Sonderflugplan dafür sorgen, dass mehr als die Hälfte der geplanten Interkontinentalflüge im Streikzeitraum stattfinden können. "Wir sind zuversichtlich, dass wir unseren Sonderflugplan durchführen können", sagte ein Airline-Sprecher am Morgen. Es bleibe bei den 25 schon am Montag abgesagten Flügen, viele davon nach Nordamerika.

Hintergrund des Arbeitskampfes ist der Tarifkonflikt um die Versorgung von rund 5400 Lufthansa-Piloten beim Übergang in den Ruhestand. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte ihre fünfte Streikwelle von vornherein auf Interkontinentalflüge beschränkt. 32 Flüge aus dem Streikzeitraum sollten nach Angaben der Lufthansa starten. Ein Großteil davon werde von freiwilligen Piloten gesteuert. Zum Teil handelt es sich um sogenannte Manager-Piloten, leitende Lufthansa-Mitarbeiter, die ihre Fluglizenz aufrechterhalten haben.

Für Dienstag wurden unter anderem Flüge nach Singapur, Bangkok und Chicago abgesagt. Der Kurz- und Mittelstreckenverkehr soll nach Angaben der Lufthansa nicht betroffen sein. Auch Langstreckenflüge von München und Düsseldorf sollen starten. Die Flüge der übrigen Konzerngesellschaften wie Swiss, Austrian, Germanwings, Brussels Airlines und Air Dolomiti fänden ebenfalls planmäßig statt.

Fallen Flüge wegen eines Streiks aus, muss die Fluggesellschaft Passagiere schnellstmöglich auf anderem Weg an ihr Ziel bringen. Lufthansa-Kunden müssen aber unter Umständen einige Stunden Verspätung in Kauf nehmen, sagt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Wäre ihr Flug sehr spät am Abend gestartet, müssen sie eventuell auch in einem Hotel übernachten, bis ein Ersatzflug sie am nächsten Tag ans Ziel bringen kann. Die Fluggesellschaft muss in diesem Fall die Kosten für die Übernachtung übernehmen.

Und sie muss notfalls auch versuchen, betroffene Fluggäste auf andere Fluggesellschaften umzubuchen. Das werde der Lufthansa aber wahrscheinlich zu teuer sein, schätzt Degott. Passagiere sollten in diesem Fall Beweise dafür sammeln, dass die Fluggesellschaft sie nicht auf den Flug einer anderen Airline umbuchen wollte. Haben sie es - etwa aus beruflichen Gründen - eilig, könnten sie den Flug mit der anderen Fluggesellschaft selber buchen und sich anschließend mit Lufthansa um die Erstattung des Ticketpreises streiten, erklärt Degott. Dabei haben sie seiner Einschätzung nach durchaus Aussicht auf Erfolg, weil die Fluggesellschaft in so einem Fall ihrer Ersatzbeförderungspflicht nicht nachgekommen sei.

Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast zudem das Recht, sein Flugticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit ist die Airline jedoch aus allen Pflichten entlassen. Das heißt, sie muss sich nicht mehr um Verpflegung oder Unterkunft während der Wartezeit kümmern. Meist wird deshalb von dieser Möglichkeit abgeraten.

Pauschalurlauber können zunächst ihren Reiseveranstalter in die Pflicht nehmen, sie möglichst schnell ans Ziel zu bringen. Können sie ihren Urlaub zum Beispiel erst zwei Tage später antreten, dürfen sie den Reisepreis um diese zwei Tage mindern.

Kein Anspruch auf Entschädigung

Bei Flugausfällen oder größeren Verspätungen wegen eines Streiks steht betroffenen Passagieren keine Ausgleichszahlung zu. Denn ein Streik wie der von den Lufthansa-Piloten gilt nach derzeitiger Rechtsprechung als höhere Gewalt. In diesem Fall ist die Airline laut dem Bundesgerichtshof von der Zahlungspflicht entbunden. Normalerweise steht Passagieren bei einem Flugausfall oder einer Verspätung von mehr als drei Stunden eine Entschädigung zu. Die EU-Fluggastrechteverordnung sieht dabei je nach Flugstrecke eine Summe von 250, 400 oder 600 Euro vor.© dpa