(sist) - Schlafende Piloten, Treibstoffnot über den Wolken, Risse in den Tragflächen. Wenn man diese Horrorgeschichten hört, fällt es schwer zu glauben, dass das Flugzeug eines der sichersten Verkehrsmittel ist. Manchmal pures Glück? Szenarien aus der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass an Bord Sicherheitsrisiken schlummern, von denen man als Passagier lieber nichts wissen will.

Schlafende Piloten

Jeder dritte europäische Pilot ist schon einmal am Steuer eingeschlafen. Das geht aus einer Umfrage der Europäischen Pilotenvereinigung ECA hervor, die in der "Bild am Sonntag" veröffentlicht wurde. Vier von fünf deutschen Flugzeugkapitänen geben sogar zu, aus Müdigkeit Fehler gemacht zu haben. Dass Übermüdung ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt, zeigt auch ein Vorfall, der sich am 5. Mai am Münchner Flughafen ereignete: Eine Maschine von Air Berlin musste notlanden, weil die Piloten sich zu erschöpft fühlten, um weiterzufliegen. Trotzdem will die Europäische Luftsicherheitsbehörde (EASA) die Flugdienstzeiten kommendes Jahr sogar noch verlängern. 

Manchmal wird der Treibstoff knapp

Ryanair stand in den letzten Monaten wegen diverser Vorkommnisse in der Kritik. Unter anderem mussten allein am 26. Juli 2012 drei Maschinen notlanden, weil der Treibstoff auszugehen drohte. Grund: Die geplante Landung hatte sich um etwa eine Stunde verzögert. Der Airline wurde vorgeworfen, ihre Maschinen zu wenig zu betanken, um durch ein geringeres Gewicht Treibstoff zu sparen und die Flotte billiger betreiben zu können. Ein Sicherheitsrisiko? Laut Rechtfertigungen von Ryanair nicht: Die Fluggesellschaft bewege sich mit dieser Handhabe im rechtlichen Rahmen. 

Falscher Pilot an Bord

Nach einer Statistik von "planecrashinfo.com" sind etwa 50 Prozent der tödlichen Flugzeugunglücke auf Pilotenfehler zurückzuführen. Schlimm genug, doch wie mag die Bilanz ausfallen, wenn der Mann hinterm Steuer noch nicht einmal einen Pilotenschein besitzt? Ein als Pilot verkleideter Hochstapler schaffte es zwar nicht an den Steuerknüppel, aber immerhin ins Cockpit. Mit einer Passagiermaschine der Lufthansa-Tochter Air Dolomiti flog er im Führerstand von München nach Turin. Ein Lufthansa-Sprecher räumte nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa ein, es gebe Hinweise, dass der arbeitslose Italiener schon häufiger im Führerstand mitgeflogen sei. Es wird davon ausgegangen, dass er - in Uniform und mit gefälschtem Ausweis - als Passagier an Bord ging und dort die Crew täuschte, indem er sich als dritter Pilot ausgab. Reines Glück also, dass er nicht auch das Steuer übernahm. Im September 2012 wurde der 32-Jährige verhaftet.

Betrunken im Cockpit

Angezwitschert ein Flugzeug mit hunderten Passagieren fliegen? Viele Piloten trauen sich das offenbar durchaus zu. So auch eine Kapitänin der australischen Airline Qantas, die mit einer Alkoholfahne im Cockpit erschien. Statt abzuheben wurde sie jedoch von der Airline zum Alkoholtest geschickt. Der fiel positiv aus, die Pilotin wurde vom Dienst suspendiert. Leider ist nicht auszuschließen, dass Piloten öfter alkoholisiert zum Dienst erscheinen. Kontrollen durch Fliegerärzte seien unzureichend, weil Alkoholprobleme erst einmal unauffällig seien, sagt Uwe Beiderwellen vom Deutschen Fliegerarztverband gegenüber "Welt Online".

Beinahe-Crashs in der Luft

Nicht nur Piloten können die Sicherheit der Passagiere gefährden, auch Fehler von Fluglotsen stellen ein immenses Risiko dar. Deutlich wurde dies zuletzt im Dezember am Frankfurter Flughafen. Wegen eines Missverständnisses der Fluglotsen kamen sich zwei Passagierflieger gefährlich nah: Statt der vorgeschriebenen 12,8 Kilometer habe der Abstand nur 1,8 Kilometer betragen, gab die Deutsche Flugsicherung bekannt. Erst im April kam der Vorfall an die Öffentlichkeit. Eine Seltenheit scheint er jedoch nicht zu sein: Nach einer Untersuchung der TU Braunschweig wird in Deutschland jeden Tag fünf Mal Kollisionsalarm ausgelöst. Studienleiter und Sicherheitsforscher Peter Form erläutert gegenüber der "Süddeutschen Zeitung", dass dem Piloten in solchen Fällen etwa 15 Sekunden bleiben, um einen Zusammenstoß zu vermeiden.

Risse in den Flügeln

Der europäische Flugzeugbauer Airbus sorgte im Januar 2012 für Aufregung: Techniker entdeckten bei einigen A380-Maschinen kleine Risse in den Flügeln. Welche der sieben Fluglinien, die den A380 derzeit in Betrieb haben, betroffen waren, wollte Airbus nicht verraten. Der Flugzeughersteller beschwichtigt: Die Haarrisse würden die Flugsicherheit nicht beeinträchtigen. Die europäische Flugsicherheitsbehörde ordnete jedoch an, alle 68 im Flugverkehr befindlichen Maschinen zu untersuchen, sobald diese eine bestimmte Anzahl an Flügen absolviert hätten. Airbus will die Fehler reparieren und zudem künftig ein neues Material bei der Produktion verwenden.