Nur eines von zehn Skigebieten in Alpen und Mittelgebirgen wird künftig schneesicher sein - das erwartet die Bundesregierung nach Informationen von "Spiegel Online". Demnach ist selbst Kunstschnee keine Rettung.

Der Klimawandel dürfte den Skitourismus in Deutschland extrem einschränken. Die Bundesregierung rechnet damit, dass bald nur noch jedes zehnte Skigebiet in Deutschland schneesicher sein wird.

Ein Drittel der Skigebiete in den Alpen und den Mittelgebirgen könnten gegebenenfalls mit Kunstschnee in Betrieb gehalten werden - so steht es in der Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen, die "Spiegel Online" vorliegt.

Bei einer globalen Erwärmung der bodennahen Luft um zwei Grad gegenüber dem 19. Jahrhundert würde sich die Schneegrenze hierzulande um 300 Meter in die Höhe verlagern, heißt es in dem Papier. Bereits jetzt sei die Hälfte aller deutschen Skigebiete auf künstliche Beschneiung angewiesen.

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Messungen haben bereits gezeigt, dass sich die Alpenregion besonders rasch erwärmt. Dort ist die Temperatur seit dem 19. Jahrhundert etwa doppelt so schnell gestiegen wie im weltweiten Durchschnitt: Um zwei Grad hat sich das Alpenland seither erwärmt, der weltweite Durchschnitt der Erwärmung liegt bei einem Grad.

Ein globaler Temperaturanstieg um ein weiteres Grad dürfte dem aktuellen Bericht des Uno-Klimarats zufolge eine entsprechend stärkere Erwärmung in den Alpen zeitigen; der bisherige Trend würde sich fortsetzen. Allein in den vergangenen 25 Jahren habe sich die Gletscherfläche in Deutschland halbiert, konstatiert die Bundesregierung.

Unsichere Prognosen

Während die Eispanzer schmelzen, schneit es aber weiter: Deutschlandweit seien die Tage mit wenigstens 30 Zentimeter Schneedecke seit den Siebzigerjahren in den Skigebieten trotz Erwärmung nicht weniger geworden, heißt es in der Stellungnahme der Bundesregierung.

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Mancherorts jedoch fiel weniger Schnee als zuvor: Weniger schneesicher geworden sei das Berchtesgadener Land, das aber noch immer mehr als hundert Tage im Jahr schneesicher sei. Auch das Erzgebirge mit im Jahresdurchschnitt 97 Tagen Schneesicherheit und die Zugspitz-Region mit 124 Tagen verzeichneten einen leichten Abwärtstrend.

Die Regierung beruft sich in ihrer Stellungnahme auf Berichte des Uno-Klimarats, der OECD und des Deutschen Alpenvereins. Die Klimaprognosen unterliegen allerdings erheblichen Unsicherheiten: Einerseits sind die Kenntnisse über das Klimasystem lückenhaft, andererseits ist unklar, wie viel Treibhausgas der Mensch zusätzlich in die Luft pustet. Die Erwärmung könnte mithin milde oder stark ausfallen - sie berge gleichwohl erhebliche Risiken, konstatiert der Uno-Klimarat.

Klimawandel verschlafen?

Angesichts der Prognosen kritisiert Grünen-Politiker Markus Tressel die Verantwortlichen: "Seit Jahren verschlafen die Bundesregierung sowie die Bayerische Landesregierung den Klimawandel, wenn es um den Wintertourismus geht", sagt Tressel. "Die wenigen Anpassungsmaßnahmen kommen viel zu spät, obwohl die Auswirkungen schon seit vielen Jahren bekannt sind."

Anstatt sich auf das zu erwartende Klima einzustellen und neue Tourismuspotenziale zu beleben, würde die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Skitourismus gefördert, meint Tressel.

Jede weitere Investition in Ski-Infrastruktur in Deutschland sei ein Fehler. "Es droht ein massiver Rückgang der Beschäftigung", glaubt der Bundestagsabgeordnete der Grünen.

In Anbetracht des zu erwartenden Klimawandels sei es nötig, verstärkt alternative Formen des Wintertourismus zu suchen. Die Entwicklung ist allerdings bereits in Gang, zahlreiche Berggemeinden werben mittlerweile mit grünen Wanderlandschaften.© SPIEGEL ONLINE

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