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20.01.2012, 13:58 Uhr

Trotz Costa-Unglück: Kreuzfahrt-Boom hält an

Berlin (dpa/tmn) - Kreuzfahrten werden Jahr für Jahr beliebter. Auch die Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" vor der italienischen Küste dürfte den Trend nicht umkehren. Das Interesse wächst weiter, sagt der Reiseexperte Prof. Martin Lohmann.

Die Reedereien von Hapag-Lloyd bis Princess Cruises stellen regelmäßig neue Schiffe in Dienst. Die Zahl der Deutschen, die eine Hochseekreuzfahrt macht, hat längst die Millionengrenze pro Jahr überschritten. Auch das Unglück der der "Costa Concordia" dürfte das nicht ändern. Davon geht Prof. Martin Lohmann, Leiter der jährlichen "Reiseanalyse" der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen, aus. Die Kreuzfahrt gelte längst nicht mehr als so verstaubt wie noch vor Jahren. Andererseits ist das Ende des Booms nach Überzeugung des Tourismusforschers abzusehen.

Boomen Kreuzfahrten weiter?

Martin Lohmann: "Kreuzfahrten sind und bleiben attraktiv, und das Interesse daran wird 2012 noch wachsen, wie unsere aktuellen Erhebungen zeigen. Die Wachstumsraten in der Kreuzfahrtbranche in Deutschland erscheinen aber auch so hoch, weil die Zahlen auf niedrigem Niveau gestartet sind."

Wird das Unglück der "Costa Concordia" die Lust auf Kreuzfahrten verringern?

Martin Lohmann: "Das gilt vielleicht für Costa-Schiffe. Aber nicht innerhalb der gesamten Branche. Diejenigen, die sich für Kreuzfahrten interessieren, sehen das als Unglücksfall wie es ihn anderswo auch gibt. Es stürzen ja auch Flugzeuge ab."

Anhaltende Buchungsrückgänge sind nicht zu erwarten?

Martin Lohmann: "Nein, das schränkt den Kreuzfahrtentrend nicht ein. Noch weitere neue Potenziale zu erschließen, wird für die Reedereien aber schwieriger: Wer bisher Kreuzfahrten für sich abgelehnt hat, wird sich sagen 'Na siehste, gefährlich ist es auch noch'. Und der bleibt dann im Urlaub lieber an Land."

Wieso wollen immer mehr Menschen Kreuzfahrten machen?

Martin Lohmann: "Man muss sehen, dass in vielen anderen Bereichen im Reisemarkt die Potenziale genauso wachsen, zum Beispiel bei Städtereisen oder Natururlaub. Und dann ist es ja nicht so, dass die Hälfte aller Deutschen eine Kreuzfahrt machen möchte. Das ist immer noch ein Nischensegment. Aktuell planen etwa fünf Prozent der Deutschen eine Kreuzfahrt für 2012."

Wie schaffen es die Reedereien, ständig mehr Gäste zu bekommen?

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Angesichts des Concordia-Unglücks: Würden Sie auf Kreuzfahrt gehen?

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Martin Lohmann: "Das Wachstum kommt unter anderem daher, dass es in der Branche viele Neuerungen gibt. Man hat heute zum Beispiel auch Themenkreuzfahrten, die die Schiffstour mit Golfen oder Reiten kombinieren. Dadurch werden ganz neue Zielgruppen angesprochen, genau wie durch die Clubschiffe von Aida. Viele Kreuzfahrten sind nicht mehr so steif wie früher."

Boomt die Kreuzfahrt nicht schlicht, weil es immer mehr Ältere gibt?

Martin Lohmann: "Das stimmt natürlich. Die Branche profitiert von der demografischen Entwicklung. Aber ich würde das etwas vorsichtiger formulieren. Das Interesse an Kreuzfahrten ist schneller und stärker gewachsen als der Anteil der Älteren an der Bevölkerung. Die Kreuzfahrtpassagiere sind im Durchschnitt ein wenig jünger geworden. Aber das Wachstum gibt es vor allem im klassischen Segment der älteren Passagiere."

Sind Kreuzfahrten eigentlich noch ein teures Vergnügen?

Martin Lohmann: "Nein, nicht mehr unbedingt. Die Preise sind in den vergangenen zehn Jahren ständig gesunken. Eine Woche auf einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer gibt es problemlos für 700 Euro. Wenn man sieht, was zum Beispiel Skiurlaub kostet, dann sind Kreuzfahrten richtig günstig geworden. Da sagen sich viele 'Das gönnen wir uns auch mal'. Kreuzfahrten kann man inzwischen ja auch bei Lidl oder Aldi buchen."

Bekommen Kreuzfahrten ein Billig-Image?

Martin Lohmann: "Nein, so weit ist es noch nicht. Aber es hat einen Imagewandel gegeben. Kreuzfahrten sind nichts Elitäres mehr, sie sind demokratisiert worden. Das Produkt hat sich entstaubt und ist dadurch für ganz neue Kundenkreise interessant geworden."

Gehen die Preise immer weiter runter?

Martin Lohmann: "Es ist ja auch für die Reedereien billiger geworden, zum Beispiel durch immer größere Schiffe. Wenn die Reedereien die Zahl der Passagiere noch weiter steigern wollen, bleibt ihnen wenig anderes übrig, als Angebote für neue Zielgruppen zu machen und die Preise weiter zu senken. Aber mit den Preisen sinken auch die Erträge pro Passagier. Das funktioniert betriebswirtschaftlich nicht unbegrenzt."

Also geht der Boom bald zu Ende?

Martin Lohmann: "Ja, das ist nicht unwahrscheinlich. Das Wachstum wird sich verlangsamen, auch weil man Kapazitäten bei Schiffen und Häfen kaum noch nachlegen kann und die Preise nicht ins Bodenlose fallen sollen. Auch die Fahrgebiete lassen sich nicht unendlich ausweiten. Die Erde ist nun einmal begrenzt, und zum Beispiel am Horn von Afrika möchte man lieber nicht mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs sein."

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12 Meinungen zu "Kreuzfahrt-Boom - trotz Unglück"

  • Jarek70
    Samstag, 21.01.2012, 10:21 Uhr
    @)BBoldiesBB Mein vergleich geht in andere richtung, soll ja was positives bewirken:-) So lange sich die Schefs aus ersparnissgründen weigern ein30Mil.euro Partikelfilter einzubauen sind es "320-330 ein halbes Prozent"überflüssige Luxus zu viel,weil ohne die kann man auch leben. Mfg Jarek
  • BBoldiesBB
    Samstag, 21.01.2012, 08:45 Uhr
    @)Jarek Ich melde mich nochmal. Es ist ja gut, wenn Du etwas gegen Leute hast, " die nur nach ausreden und vergleichen streben um sich vor der umweltverantwortung zu drücken,um sich begwemer und schöna das leben zu gestalten". Und ich habe etwas gegen Leute, die aufgrund dieses Unglücks auf der üblichen Welle schwimmen, indem sie pauschal die Kreuzfahrer als furchtbare Umweltsünder hinstellen wollen. Du weißt doch garnicht, was ich für eine Einstellung zur Umwelt habe. Ja ich fahre auch ein Auto. In den letzten 10 Jahren habe ich 3 neue gekauft und jedesmal eins , das weniger Benzin verbraucht und auch weniger CO2-Ausstoß hat! Dort wo ich es beeinflussen kann, mach ich es auch. Bei der Kreuzfahrt habe ich nur begrenzten Einfluss, würde es aber begrüssen, wenn die Kreuzfahrtschiffe auch ausserhalb der Häfen mit Diesel fahren müßten. Vielleicht führt diese Havarie zu entsprechenden Vorschriften. Es ist halt immer so - auch bei Flugzeugunglücken -, daß erst etwas Schlimmes passieren muß, daß auch Verbesserungen vorgeschrieben werden. Bei Beckmanns Diskussionrunde hat ein Umweltexperte angegeben, daß wenn die Kreuzfahrtschiffe nur noch mit Diesel fahren dürften, würde sich ein 7-tägige Kreuzfahrt um ca. 50 €uro pro Person verteuern. Dies würde ich locker und gerne bezahlen. Und zum Schluß. Auch Du bist nicht davor gefeit, Äpfel mit Birnen zu vergleichen: Dein Vergleich:"es gibt 90.000 Schiffe durch die Ozeane. Auf dem Weg durch die Weltmeere verursachen sie allerdings doppelt so viel CO2 wie alle Flugzeuge der Erde zusammen." hat einen gewaltigen Haken. Kreuzfahrtschiffe, um die es hier geht, gibt es weltweit ca. 320-330. Das sind nicht einmal ein halbes Prozent. Also Dein Vergleich hinkt gewaltig!!
  • Jarek70
    Freitag, 20.01.2012, 17:58 Uhr
    @)BBOLDIESBB Ich hoffe du hast KINDER,Ich habe algemein was gegen Leute die nur nach ausreden und vergleichen streben um sich vor der umweltverantwortung zu drücken,um sich begwemer und schöna das leben zu gestalten ,es heisst dann immer "Ja und guckmal hier,der macht es ja auch.Ich denke man muss es nicht noch das ganze unterschtüzen sondern ein wenig umweltbewusster zu leben,und ja ich habe ein Auto es ist ein vor 10Jahren in Deutschand gebautes Fabrikat das ich mit einem Partikelfilter ausgerüstet habe.Klar das es Schiffvekehr immer geben wird aber was ich vermeiden kann das tue ich auch.Am besten mal googeln"Schiffe co2"und ein wenig durchlesen.Bestimmt sind solche reisen super schön keine frage,aber ich fahre doch mal lieber an die Ostsee,oder flige Flugzeug."es gibt 90.000 Schiffe durch die Ozeane. Auf dem Weg durch die Weltmeere verursachen sie allerdings doppelt so viel CO2 wie alle Flugzeuge der Erde zusammen."
  • Alinghi
    Freitag, 20.01.2012, 17:54 Uhr
    Sehe das ähnlich wie Murnau, wobei das "Primitiv" sicherlich auch vom Preis abhängt, aber ich habe keine Lust, den ganzen Tag nur auf diesem Schiff zu sein und zu dösen oder zu essen. Ab und an kann man dann mal an Land, aber das wars. Ich mag das wasser und ich bin Seglerin, aber da hat man was zu tun und hängt nicht nur wahlweise am Pool, an der Bar oder im Restaurant. Zum Glück, dass die Geschmäcker unterschiedlich sind und keiner zu etwas gezwungen wird.
  • BBoldiesBB
    Freitag, 20.01.2012, 17:15 Uhr
    @)Jarek70 Ich nehme an, du hast ein AUTO. Wenn dieses Auto über tausende Seemeilen von einem Autofrachter, der nur Schweröl hat, transportiert wird, nimmst du das Auto dann nicht? Wir waren vor 5 Jahren auf Kreuzfahrt durch den Panamakanal, da sind mehrere solcher riesigen Autotransporter entgegengekommen! @)Murnau Dein Bild von Kreuzfahrern strotzt nur so von Vorurteilen, die man nur haben kann, wenn man noch nie so eine Kreuzfahrt gemacht hat!
  • Jarek70
    Freitag, 20.01.2012, 17:05 Uhr
    reine dreckschleudern und Klimakiller die Schiffe,blasen so viel co2 in die Luft wie ca 5000000 Pkw pro Stunde,auf sowas noch Urlaub machen?irgrndwie fährt das liebe gewissen doch mit,oder ...
  • buddenbaum
    Freitag, 20.01.2012, 17:05 Uhr
    Bei dem Boom von Kreuzfahrschiffen in den letzten Jahren, war dies nur einen Frage der Zeit, bis hier ein ernster Zwischenfall passiert. Alles muss schnell, schneller und noch schneller gehen, bei den Mannschaften leigen die Nerven blank und irgend wann, wenn der richtige Charakterkopf am Hebel sitzt, passiert eben so ein Maleur. Es wird Zeit sich einmal ernsthafte Gedanken darüber zu machen, ob es so richtig ist. Ich für meinen Teil, obwohl meine Tochter gerne auf einer AIDA mifahren würde, gehen nicht auf so ein Schiff. Zumal das Schweröl, mit Schwefel angereichert, die Schiffe zu wahren Dreckschleudern macht. Bei der Umweltsituation unverantwortlich.
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