Sind schon ein unzivilisiertes Volk, diese Briten. Putzen sich in Gegenwart von Chinesen die Nase, anstatt sie geräuschvoll hochzuziehen, wie in China üblich. Schenken einem Gast diskret Wein nach, selbst wenn er aus Argentinien kommt. Lächeln zurück, wenn ein Japaner sie anlächelt.
Sie gehen sogar so weit, einem Brasilianer persönliche Fragen zu stellen, wie zum Beispiel, wie es denn zu Hause so geht, was Frau, Kinder und Job machen. Sie fragen Araber, ob es zum Frühstück Bacon sein darf. Und sie sagen andauernd "I'm sorry."
Empfindlich sind sie auch, diese Engländer. Fühlen sich beleidigt, wenn man ihnen sagt, dass sie schlecht angezogen sind und Übergewicht haben. Sie mögen es weder, wenn sie von Fremden verbessert werden, noch wenn Fremde sich aggressiv benehmen und herumbrüllen.
Am Freitag werden die Olympischen Sommerspiele eröffnet, bis dahin hatten die Briten Gelegenheit, sich Sitten, Gebräuche, Vorlieben und Phobien aller Nationen anzueignen, die zu Besuch nach London kommen.
Um die Landsleute dabei zu unterstützen, hat VisitBritain, das britische Fremdenverkehrsamt, einen Benimmführer herausgebracht. Er ist 66 Seiten lang und gibt, nach Ländern unterteilt, Einblick in Gewohnheiten und Vorlieben der Gäste. Ein Auszug.
Japan
- Ein lächelnder Japaner ist nicht unbedingt glücklich. Japaner lächeln auch, wenn sie wütend, genervt, traurig oder enttäuscht sind.
- Japaner finden es unhöflich, wenn ihr Gesprächspartner die Hände in der Hosentasche lässt.
- Vermeiden Sie Blickkontakt, dies betrachten Japaner als unhöflich.
- Versuchen Sie so zu sitzen, dass ein Japaner nicht Ihre Schuhsohlen sehen kann.
- Vermeiden Sie Unpünktlichkeit und schnäuzen Sie nicht Ihre Nase.
Argentinien
- Vorsicht beim Weineinschenken. Wird einem Argentinier der Wein von hinten eingegossen, fühlt er sich beleidigt, denn diese Geste signalisiert Feindschaft.
- Fühlen Sie sich nicht angegriffen, wenn ein Argentinier Sie wegen ihres Gewichts oder ihrer Kleidung beleidigt. Dies ist argentinischer Humor.
Hongkong
- Vermeiden Sie es, Hongkong-Chinesen anzuzwinkern.
- Zeigen Sie nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit der ganzen, geöffneten Hand.
- Reden Sie nicht über Armut oder Tod. Hongkong-Chinesen sind abergläubisch.
Arabien
- Araber sind es nicht gewohnt, dass man ihnen sagt, was zu tun ist. Sie fühlen sich beleidigt, wenn man sich "bossy" benimmt.
- Sie erwarten, dass man sich um sie kümmert und sich mit ihrer Kultur auskennt.
- Es ist unsensibel, einen Araber zu fragen, ob er zum Frühstück Bacon essen möchte.
Brasilien
- Stellen Sie einem Brasilianer keine persönlichen Fragen. Auf dem Index stehen Fragen nach Alter, Ehe, Geld und nach dem Rivalen Argentinien.
Indien
- Körperkontakt mit Indern sollte vermieden werden. Körperliche Berührungen, auch wenn sie unschuldig und freundschaftlich gemeint sind, werden als übergriffig angesehen.
- Seien Sie tolerant gegenüber Indern, wenn sie unhöflich, laut und ungeduldig erscheinen. Dieses Verhalten ist dem Leben in chaotischen Städten und Lebensumständen geschuldet.
Mexiko
- Sprechen Sie mit Mexikanern nicht über Armut, illegale Einwanderung, Erdbeben oder den Krieg mit den Vereinigten Staaten 1845–1846, sondern lieber über mexikanische Kultur, Geschichte, Kunst und Museen.
- Lautes Rülpsen gilt als unhöflich.
Australien und Neuseeland
- Fühlen Sie sich nicht beleidigt, wenn ein Australier oder Neuseeländer Engländer als "Poms" ("Prisoner of the Mother Country", Anm. d. Red.) bezeichnet. Sie meinen es freundlich.
Deutschland
- Tippen Sie nicht mit dem Finger an die Stirn, machen Sie nicht mit den Händen das OK-Zeichen (einen Kreis mit Daumen und Zeigefinger zeigen, Anm. d. Red.), beides gilt in Deutschland als grobe Geste.
- Wundern Sie sich nicht, wenn Deutsche Ihr Verhalten korrigieren und zunächst abweisend und reserviert erscheinen. Sie gehören zu den formell wirkenden Nationen, aber nur am Anfang einer Begegnung.
Das Thema Krieg ausgeklammert
Die britische Presse reagierte mit ziemlich viel englischem Humor auf die Etikette, auch in Bezug auf Deutschland. VisitBritain hatte sich jede Erwähnung eines Krieges verkniffen, also die englische Redewendung "Don"t mention the war". Sie stammt aus der auch in Deutschland erfolgreichen Comedy-Serie "Fawlty Towers" ("Ein verrücktes Hotel") des Monty-Python-Mitglieds John Cleese. "Don't mention the war" gilt als Höflichkeitsregel Nummer eins gegenüber Deutschen.
Der Verzicht darauf ist für die britischen Medien seinerseits ein Ereignis – und somit ist "Don't mention the war" doch wieder medienpräsent. Während der Fußball-WM 2010 titelte die britische "Sun" mit "Don't mention the four!" in Anspielung auf die vier Gegentore Englands im Achtelfinalspiel gegen Deutschland.
Vermeiden Sie englischen Humor!
Zweck der Etikettesammlung ist indessen die Vermeidung von Häme und Missverständnissen während der Londoner Spiele. Das Heft wurde darum vorsorglich an alle 8000 freiwilligen Olympiahelfer verteilt und allen anderen Londonern mit häufigem Besucherkontakt wie Taxifahrern, Hoteliers und Kellnern anempfohlen.
Sie sollen nicht auf die Idee kommen, den Gästen mit so etwas Englischem wie englischem Humor zu kommen. Immerhin spülen die Millionen, wie VisitBritain vorrechnet, 16 Milliarden Pfund in die Inselkassen.
Es könnte sein, dass sich manche Gäste ihren Besuch in Great Britain anders vorgestellt hatten. Wer sich aus Rücksicht oder Höflichkeit schon mal mit den fremden Sitten vertraut gemacht hatte, wird sich auf kulturelle Verwirrung einstellen müssen.
20 Meinungen zu "Britische Manieren für Olympia"
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kommenundgehen
Montag, 30.07.2012, 09:38 Uhr Das mit dem Verhaltenskodex gegenüber Deutschen ist ein guter Witz. Wenn ein Deutscher sich beleidigt fühlt und das ist er gleich einmal, gib ihm ein paar Prozente Rabatt oder schenk ihm etwas, dann frisst er dir aus der Hand und der ganze Stolz ist wie weggeblasen. -
Mirona2
Sonntag, 29.07.2012, 12:03 Uhr Ich würde da nicht hinfahren weil man da vor lauter Werbung die Sportler nicht mehr sehen kann!!!!!!!!!!!!! Lg-Mirona2 -
Mulder
Samstag, 28.07.2012, 12:28 Uhr oh dear... warum werden die englaender immer als aeusserst hoeflich angesehen, das ist total uebertrieben, die sind mindestens genauso unhoeflich wie wir deustche, ich finde sie persoenlich sogar um einiges schlimmer. ich habe bis vor 2 wochen 4 jahre dort gewohnt. -
siti1864
Samstag, 28.07.2012, 11:13 Uhr Andere Länder, andere Sitten! Wenn ich verreise, dann darf ich doch nicht erwarten, dass überall Alles nach meiner Pfeife tanzt. Und wenn ich in Deutschland etwas ganz Normales tue und damit einen Touristen verschrecke, ist dies sicherlich nicht so schlimm. Auch für Touristen in Deutschland gilt ... s. o. Natürlich sollte man immer eine gemeinsame Basis mit Andersgesitteten anstreben, aber total verbiegen sollte sich niemand und niemand sollte dies von jemanden erwarten. -
ghirtz
Samstag, 28.07.2012, 10:59 Uhr @ ... Waliser, Schotten und Pikten betrachten sich als `britische` Urbevölkerung deren eigene Sprache und Kultur keltisch ist, wohingegen die Engländer Nachfahren germanischer Invasoren sind. Eine im Kern völlig andere Kultur also. Der Bergriff englisch kommt von anglisc was wiederum von Angeln - einer Landschaft in Schlesswig-Holstein Norddeutschland (dem Stammland der Angeln) abgeleitet ist. So Ernst sollte man diese ethnokulturellen Zusammenhänge zwar nicht nehmen, da im Laufe der Jahrhunderte sich ohnehin alles und jeder miteinander vermischt, aber ich glaube dennoch, das in diesen Fakten ein derartiges Bewußtsein einiger `englischer`Kreise begründet sein könnte. P.S. Das Internet ist voll mit antibritischen englischen Foren und die sind zum Teil doch recht bürgerlich und weniger radikal als man vermuten würde. Den Oxford-Professor, der brüskiert darauf hingewiesen hat Engländer zu sein, als er Brite bezeichnet wurde, habe ich vor gut einem halben Jahr auf CNN, in einem Beitrag über die Vorbereitung des IAP Heathrow auf die Olympischen Spiele gesehen :) -
nolopol
Samstag, 28.07.2012, 10:14 Uhr Ich spalte eigentlich Haare. Die Nordiren sind aber kein Briten. Sie Leben nicht auf Großbritannien, sondern auf der Insel "Irland". Auf der Insel "Großbritannien" leben Engländer, Schotten, und Waliser. In Frankreich spricht man von Bretgne und von Grande Bretagne. -
seistelweg
Samstag, 28.07.2012, 10:05 Uhr hallo,...normalerweise sollte man immer respektvoll und höflich mit seinen Mitmenschen umgehen...nicht nur bei Olympia, und keine einzelnen Länder. Es gibt leider in jedem Land sehr nette Menschen, und es gibt in jedem Land viele Ignoranten.
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