Auf der Reise- und Freizeitmesse in München ist das Angebot groß. Auf barrierefreie Destinationen für Rollstuhlfahrer wird allerdings wenig Rücksicht genommen. Der Messestand der VbA Selbstbestimmt Leben e. V. ist der einzige, der sich auf der Messe München mit behindertengerechten Reisen auseinandergesetzt hat.

Die meisten Reisenden suchen sich ein Reiseziel nach den eigenen Wünschen aus und überlegen sich dann, wie sie dort am schnellsten und preisgünstigsten hinkommen. Personen im Rollstuhl mit Behinderungen können ihre Destinationen nicht so frei wählen. Andreas Vega vom VbA Selbstbestimmt Leben e.V. in München spricht über seinen barrierefreien Reiseservice und die damit verbundenen Probleme.

Herr Vega, warum haben Sie diesen Reiseservice gegründet?

Andreas Vega: Wir haben unseren Reisedienst 1995 gegründet und mit barrierefreien Reisebussen angefangen, einen Service für Gruppen mit Menschen mit und ohne Behinderung anzubieten. Wir betreiben zwei Reisebusse. Wenn das nicht reicht, was in der Saison häufiger vorkommt, dann vermieten wir oder mieten zusätzlich Reisebusse von anderen Unternehmen, die auch barrierefrei sind. Wir dachten uns damals, dass wir so etwas gründen möchten, weil nur die großen Wohlfahrtsverbände solche Reisen anbieten. Wir wollten es selber einmal probieren, weil wir denken, dass wir Experten in eigener Sache sind. Außerdem können wir unsere Bedürfnisse am besten beurteilen. Mittlerweile arbeiten wir auch mit anderen Organisationen zusammen und planen Reisen. Hauptsächlich vermieten wir aber die Reisebusse samt Fahrern und geben unser Wissen auch an die Gruppen weiter.

Die Innenausstattung der Busse kann auf die Wünsche der Reisenden angepasst werden.

Welche speziellen Ausstattungen haben Ihre Busse?

Darf man Witze über Randgruppe machen? Ja, findet ein Betroffener.

Das sind rollstuhlgerecht ausgestattete Reisebusse, die einen Hebelift haben und auch im Innenraum Vorrichtungen, damit Rollstühle befestigt werden können. Die Stühle sind je Gruppe variabel einbaubar. Die Reisebusse haben außerdem eine Behinderten gerechte Toilette. Die Gruppengröße beträgt durchschnittlich 30 bis 35 Personen. Je nachdem wie viele Rollstühle dabei sind und wie viele Personen während der Fahrt im Rollstuhl sitzen bleiben wollen.

Wohin fahren Sie mit Ihren Reisebussen?

Mit den Reisebussen fahren wir natürlich europaweit. Unsere weiteste Reise war vorletztes Jahr, da waren wir in Lettland und Litauen. Wir waren auch schon in Finnland, Spanien und Italien. Natürlich sind die meisten Reisen in Deutschland. Aber dort, wo der Bus hinrollen kann, dort fahren wir hin.

Einen Gesamtkatalog, der alle barrierefreien Destinationen und Hotels auflistet, gibt es nicht. Das ist utopisch. Wir haben eine Webseite, auf der Sie weiterführende Links finden. Für die Recherche scheint außerdem das Internet das am besten geeignete Instrument zu sein. Dort werden Sie sicherlich fündig werden.

Die Rollstuhlfahrer werden mit einem Hebelift in den Bus gebracht.

Wie werden die Reisen organisiert?

Wir veranstalten die Reisen mittlerweile nur noch in Kooperation mit anderen Anbietern. Selber machen wir das gar nicht mehr, weil die Nachfrage von Veranstaltungen oder von Gruppen zu groß ist. Dafür haben wir keinen Platz mehr.

Welche Probleme gibt es bei den Reisen?

Für Gruppenvermietungen ist es schwer, eine Destination zu finden, die für Gruppen geeignet ist. Hotels haben zwar alle rollstuhlgerechte Zimmer dabei, aber meistens sind das nur zwei bis drei oder gar nur ein Zimmer. Hotels, die komplett behindertengerecht sind, gibt es fast gar nicht. Dann gibt es natürlich noch das Problem der Zertifizierung. Viele Hotels denken, dass nur, wenn sie keine Stufe am Eingang haben, gleich alles Rollstuhl gerecht ist. Das stimmt aber nicht. Beim Reisen stellen sich die Fragen: Wie sind die Toiletten? Sind sie groß genug und Haltegriffe vorhanden? Ist die Zimmertür breit genug und ein Aufzug vorhanden? Wie groß ist der Aufzug? Leider ist es auch immer noch so, dass man sich sein Urlaubziel meistens nicht nach dem Ort aussuchen kann, wo Sie gerne hin möchten, sondern vorher schauen muss, wo es barrierefreie Hotels gibt. Das ist ein bisschen schade. Da sind wir von Inklusion noch sehr weit entfernt. Wenn Sie zum Beispiel sagen, Sie wollen ans Mittelmeer nach Italien, dann werden Sie an der gesamten Mittelmeerküste vielleicht vier oder fünf Orte finden, wo ein Urlaub überhaupt überhaupt möglich ist. Und das ist natürlich reichlich wenig.

Sowohl die Türen als auch der Innenraum sind auf Rollstühle angepasst.

Was ist Ihnen an Ihrem Service wichtig?

Es ist wichtig, dass die Leute sich informieren. Dass sie den Mut haben, ihre Reise trotzdem zu machen. Es gibt ganz viele Initiativen, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Andreas Vega ist geschäftsführender Vorstand des VbA Selbstbestimmt Leben e.V. in München. Da er selbst im Rollstuhl sitzt, möchte er Menschen mit ähnlichen Behinderungen das Leben in Hinblick auf das Reisen einfacher machen.
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