Quer durch Deutschland reisen mit der Bahn für 19 Euro: Die DB verkauft derzeit viele Sparpreis-Tickets. Die Stiftung Warentest hat überprüft, für wann und für welche Strecken das Angebot verfügbar ist.

Mit einer groß angelegten Billigoffensive wirbt die Deutsche Bahn derzeit um Kunden. Noch bis zum 20. März verkauft der Konzern im großen Umfang Tickets für 19 Euro. Damit können Fahrgäste "in Fernverkehrszügen von City zu City" reisen, heißt es auf der Webseite der Bahn - solange der Vorrat reicht.

Stiftung Warentest prüft 19 Euro Tickets

Was heißt das konkret? Wie einfach ist es, die versprochenen Schnäppchen zu ergattern? Die Stiftung Warentest hat nun überprüft, was das Angebot taugt.

Vorstand erwägt Tickets in großem Umfang für nur 19 Euro.

Die in dieser Aktion verkauften Tickets mit Zugbindung unterscheiden sich in einem bedeutenden Punkt von den Sparpreistickets, die Bahnreisende aus früheren Angeboten kennen - ein großer Nachteil, sagen die Tester. Sie gelten nämlich nicht für Regionalzüge, sondern nur für Verbindungen mit ICE, IC und EC - sowie gegen Aufpreis in DB-Nachtzügen.

Darum müssten die Kunden zwischen Fernbahnhöfen reisen und könnten nicht an kleineren Bahnhöfen starten und ankommen, wenn sie von den Schnäppchen profitieren wollen.

Die guten Nachrichten: Zum einen können Fahrgäste auf den Fernverbindungen bis zu 90 Prozent sparen. Als Beispiel nennt Stiftung Warentest eine Fahrt von München nach Hamburg. Hier würde ein Ticket normalerweise 142 Euro kosten. Mit dem 19-Euro-Fahrschein spare man entsprechend 87 Prozent.

Außerdem sind bei dem aktuellen Angebot auch ICE-Sprinter-Züge eingeschlossen. Diese halten nicht überall und sind daher schneller unterwegs als die anderen Fernzüge.

Reisende sollen künftig seltener ihren Anschlusszug verpassen.

Kurzfristig geht kaum was

Bleibt die Frage, wie schwierig es ist, an die günstigen Fahrscheine zu kommen. Die Bahn hatte zuvor nicht verraten, wie viele Sparpreis-Tickets sie überhaupt im Rahmen der Aktion auf den Markt werfen wolle.

Es hieß nur, es gebe keine Begrenzung der Gesamtzahl, aber Kontingente für die einzelnen Züge. "Die Ausbeute für die kommenden Wochen und Monate ist recht ordentlich", fanden die Tester nun in ihren Stichproben heraus und zeigen sich mit dem Umfang zufrieden.

Sie überprüften dafür mehr als 2.500 Verbindungen auf über zehn Strecken an mehreren Reisetagen. "Bei mehrwöchiger Vorausbuchung lag die Trefferquote oft weit über 50 Prozent", urteilt Stiftung Warentest. Kurzfristige Buchungsversuche hätten oft keinen Erfolg gehabt.

Tipp der Tester: "Wenn Sie das Angebot der Bahn nutzen wollen, buchen Sie möglichst frühzeitig." Außerdem seien die beliebten Reisetage schnell vergriffen. "Versuchen Sie bei Ihrer Reiseplanung, die teuren Freitag- und Sonntagnachmittage zu umgehen. Ein verlängertes Wochenende hilft sparen: Wer von Donnerstag bis Montag Zeit hat, fährt meist billiger."

Anhand der Zugverbindungen Hamburg-München, Berlin-Hamburg und Leipzig-Stralsund kamen die Tester zu ein paar interessanten Ergebnissen (exemplarisch, bei Buchung etwa einen Monat im Voraus).

Von Montag bis Mittwoch waren oft für 60 bis 70 Prozent der geprüften Verbindungen 19-Euro-Tickets erhältlich. Am Freitag und am Sonntag gab es die billigen Fahrscheine nur für weniger als die Hälfte der überprüften Strecken. Am Samstag erhöht sich die Zahl der Spartickets, je später der Zug fährt.

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Günstige Verbindungen - richtig suchen

Einen Tipp haben die Tester noch für die Suche über die Online-Auskunft der Deutschen Bahn: "Entfernen Sie in den Voreinstellungen den Haken 'schnelle Verbindungen bevorzugen'. So werden auch Züge angezeigt, die möglicherweise kaum langsamer das Ziel erreichen."

Mit der Sparpreis-Offensive will die Bahn wieder mehr Kunden in ihre Züge holen. Zwar stieg die Anzahl der Fahrgäste 2015 leicht auf rund 130 Millionen nach 129 Millionen im Jahr zuvor. Doch vor allem die Fernbusanbieter haben dem Unternehmen stark zugesetzt.

Nach "Spiegel-online"-Informationen verlor der Konzern allein 2013 rund 40 Millionen Euro Umsatz an die Rivalen. Im vergangenen Jahr verzichtete die Bahn wegen des Konkurrenzdrucks sogar auf eine Preiserhöhung.© SPIEGEL ONLINE