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12.12.2011, 07:14 Uhr

111 Tipps, um Berlin mal mit anderen Augen zu sehen in Kooperation mit WELT Online

Drei Berliner Autorinnen präsentieren in ihrem neuen Stadtführer bekannte und weniger bekannte Orte in ihrer Stadt. Berlin ist "schief und krumm".

Von Britta Klar

Wie eine Szene aus einem Roman von Erich Kästner sieht das aus. Eine steht auffällig unauffällig pfeifend vor dem Zaun, bohrt mit der Zehenspitze eine Delle in den Kies. Zwei Andere stehen davor, bilden eine Räuberleiter. Und schwupp - ist die Erste drüben. Die Protagonisten: keine blonden Jungs in kurzen Latzshorts, sondern drei Frauen im Alter von 34, 35 und 43 Jahren. Der Ort: Der lässt sich herausfinden, wenn man in ihr Buch schaut.

Lucia Jay von Seldeneck, Carolin Huder und Verena Eidel haben für ihren Stadtführer "111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss" die Hauptstadt erkundet. Berlin ist schief und krumm, nicht glatt und glänzend und schon gar nicht aus einem Guss", heißt es in dem Vorwort der drei Berlinerinnen, die sich von ihrer gemeinsamen Arbeit im Volkstheater "Heimathafen Neukölln" kennen. Carolin Huder und Verena Eidel kennen sich sogar noch etwas länger: Sie sind Schwestern.

Ein Jahr lang machten sich die drei Frauen kreuz und quer auf durch die zwölf Berliner Bezirke, bewaffnet mit Stift, Block, Kamera – und Neugier. "Etwa 200 Orte hatten wir gesammelt, bevor wir losgezogen sind. Welche, die wir kannten, die uns Freunde gesagt hatten. Oder Orte, über die wir etwas gelesen hatten und wo wir mal vorbeigefahren waren", sagt Carolin Huder.

Sie war es, die die Aufgabe, Berlin in 111 Orten vorzustellen, mitgebracht hat. "Ich war im letzten Jahr beruflich auf der Frankfurter Buchmesse, da wurde die Idee an mich heran getragen", sagt Carolin Huder. Sie hielt es für einen Scherz. Doch das war die Idee nicht: Der Emons-Verlag wollte eine Berliner Ausgabe der auch in anderen Städten bereits aufgelegten Buchreihe produzieren. Einzige Vorgabe: Die Orte müssen gleichmäßig über die Stadt verteilt sein. Also sammelten die Drei, dann ging's los.

"Man fährt plötzlich anders durch die Stadt, die man doch schon so lange kennt", sagt Lucia Jay von Seldeneck. "In dem Jahr der Recherche wurden wir dann immer besser, bekamen einen Blick für die Besonderheiten."

Einige der vorher festgelegten Punkte fielen heraus, wie die drei Frauen sagen. Andere seien dafür hinzu gekommen. 130 Orte haben sie letztlich gesehen, gefühlt, erlebt - und ausprobiert. Sie legten sich bei "Herrn Kim" auf die Massageliegen mit erwärmten Jadesteinen - und gehen heute regelmäßig in das Massageinstitut.

Berlin im Selbsttest

Sie fuhren mit dem Straßenbahnsimulator, bis das Chaos, das sie im virtuellen Verkehr ausgelöst hatten, untragbar wurde. Und zwei von ihnen waren joggen auf der Tartanbahn d'Amour - die sechs Spuren im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sind unter Insidern eine beliebte Single-Börse.

"Dabei seid ihr doch gar keine Singles", sagt eine der Autorinnen. "Hat ja auch nicht geklappt", antworten die anderen beiden. Welche der drei Singles sind, das wollen sie nicht verraten.

Auch über die Orte, die in dem Buch vorkommen, wollen sie nicht alles erzählen. "Hingehen und herausfinden" ist die Devise der drei Autorinnen. Es sei kein Reiseführer mit Anspruch auf Vollständigkeit - und es gebe sicher immer jemanden, der einen der Orte schon kenne.

Ein paar bekannte Orte sind auch vertreten: Der Dorfkern von Alt-Lübars, die Schaukeln im Mauerpark, der Steglitzer Bierpinsel. Viele andere sind eine feine, subjektive Auswahl. "Es geht ja auch darum, über den eigenen Bezirk hinaus zu schauen", sagt Lucia Jay von Seldeneck. "Oder in dem eigenen mal genauer hinzuschauen." Wer das tue, finde Historisches, Architektonisches, Gastronomisches, Abseitiges.

Eine häufige Reaktion, wie die Drei erzählen, war: "Wie könnt ihr Eure geheimen Lieblingsorte verraten?" Aber darum gehe es ja gar nicht, sagt Verena Eidel. "Zum einen haben wir ja auch ein paar Orte für uns behalten. Und andererseits kann man auch mal Menschen unterstützen." Wie "Herrn Kim" zum Beispiel, den Masseur mit seinen Jadesteinen. Dabei hat der längst eine eingeschworene Fangemeinde und kann nicht über Kunden klagen.

"Aber es gibt einfach so viele Dinge und auch so viele Menschen in dieser Stadt, die haben wir noch nie beachtet und über die haben wir uns noch nie Gedanken gemacht", sagt Carolin Huder. "Die haben es verdient, dass man sie zeigt.

Aufmerksamkeit für die unbekannten Ecken der Stadt

Wie zum Beispiel Wolfram Liebchen, der antike Berliner Bauelemente sammelt und so ein Stück Geschichte bewahrt. Oder das Berliner Artenschutz Team, das sich um die bis zu 10.000 Fledermäuse kümmert, die in den Gewölben der Zitadelle Spandau überwintern.

Und somit geht es in dem Buch nicht nur um 111 Orte, sondern auch um die Menschen oder die Geschichten, die dahinter stehen, die diesen Orten einen Wert gegeben haben und die diese Orte anziehend machen.

Wie den Ort, an dem die Aufteilung "Schmiere stehen" und "Räuberleiter" angesagt war. Als Verena Eidel und Lucia Jay von Seldeneck völlig aus der Puste sind, beim "Räuberleitern" und dann den einsamen Stuhl auf der anderen Seite des Zauns stehen sehen, müssen sie lachen. Ist wohl nicht ganz geheim, der Ort. Aber ein Stück Berlin, das es sich zu erkunden lohnt.

Deswegen ist dieser "geheime Ort" übrigens auch nicht herausgeflogen. Welcher Ort das war? Vielleicht das marode Ballhaus in Grünau? Die verlassene irakische Botschaft in Pankow? Oder der geisterhafte S-Bahnhof Siemensstadt in Spandau? Nun: Einfach hingehen und herausfinden.

© WELT Online

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8 Meinungen zu "Berlin mit anderen Augen"

  • DieReblaus
    Dienstag, 13.12.2011, 13:52 Uhr
    Ich hab es mir grad gekauft und schon reingelinst. Ich werde auf jeden Fall die Kantine mit Berlin-Panorama angucken gehen. Ich finde es super, noch ein Berlin Insider Buch gefunden zu haben. Mein bisheriger Favorit ist "Smiling Berlin - Eine Liebeserklärung in Bildern" gewesen, bzw. ist es noch. Die beiden Bücher ergänzen sich eigentlich ideal. Wahre Geheimstipps sind da zum Beispiel das, vom Schöpfer des Berlin Buches Smiling Berlin, liebevoll als "Pups-Haus" bezeichnete Haus, das, wie er schreibt, "direkt am S-Bahn-Ring" liegt und durch die fette weiße Graffiti-Aufschrift "Pups Mal" ein echter Hingucker wird. Apropos Graffiti. Graffitis scheinen es dem Autor besonders angetan zu haben. Er widmet ihnen ein ganzes Kapitel, ebenso den Themen "Moments", "Shopping/Shops", "Bars & Restaurants" und "Schilder / Signs". Lange Rede, kurzer Sinn; das Berlin Buch "Smiling Berlin" zeigt Berlin, wie es ist. Nicht nur schön, aber auf jeden Fall schön lustig. Von Liebe-ausstrahlenden Ampelanlagen auf dem Nolli bis zum Straßen-Messi unter dem Nolli ist im Buch alles vertreten, was ein echtes Berlin Buch haben sollte. Viele Bilder und Infos zum Buch www.smilingberlin.com
  • carbisch
    Dienstag, 13.12.2011, 09:50 Uhr
    passt schön auf Eure stadt auf: die politik will hieraus ein zweites bonn machen.
  • Sonnemeer
    Montag, 12.12.2011, 15:58 Uhr
    an "meinung9"; Suff, Dummheit, Verwahrlosung, Gewalt finde ich etwas weit hergeholt. hast du dir nur marzahn-hellersdorf oder neukoelln angesehen? man kann das nicht einfach so verallgemeinern. es gibt viele reiche; es gibt viele normale und -zugegeben- viele arme. aber es gibt nicht nur verwahrloste penner. und wie spaceweaver schon richtig gemeint hat: keine hauptstadt hat nur schoene seiten und es liegt daran, mit diesem buch die schoenen seiten zu entdecken; warum immer so pessimistisch????????
  • SloopJohnP
    Montag, 12.12.2011, 11:08 Uhr
    ich liebe diese Stadt. Ich war auch schon oft an den krummen und dreckigen Ecken, aber die gibt es in jeder Großstadt und sie sind nicht typisch für Berlin. Ich mag die Menschen und ich mag die Berliner Schnauze.
  • spaceweaver
    Montag, 12.12.2011, 11:06 Uhr
    was für ein miesmachen unserer interessanten hauptstadt. nur weil die unter mir aus einer geleckten langweile kommen, muss berlin ja nicht drunter leiden. auf euch kann man verzichten. die stadt ist einfach toll. es passiert viel, jeder kann sich verwirklichen, wenn er es wirklich will. jeder zentimeter ist geschichte. und tretmienen gibts auch in anderen städten...ebenso arbeitslose und dreck. mal in london, new york oder paris gewesen?? die städe sind auch nicht die saubersten...und voller menschen ohne existenzen!!!!
  • Meinung9
    Montag, 12.12.2011, 10:08 Uhr
    Berlin: - insgesamt 3,4 Mio Einwohner - davon 600 000 Einwohner die ihre Geld vom Jobcenter holen müssen/ wollen. - ansonsten wie @angeleisi viel Schmutz, Suff, Dummheit, Verwahrlosung, Gewalt usw.
  • angeleisi
    Montag, 12.12.2011, 10:03 Uhr
    berlin ist und bleibt die stadt der tretmienen erstmal dafür sorgen das man ohne stelzen durch berlin kommt weil es ist wie es ist nun einmal von hundekot zugeschissen also dreckig .warum wird das nicht beseitigt für alles unsinnige ist geld da nur nicht für die hundehaufen schärfere strafen sind da auch nicht zu verachten die vierbeiner können nichts dafür die müssen ja auch mal müssen nee ich bin berlinerin aber werbung für so eine verdreckte stast nee danke
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