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19.03.2013, 17:54 Uhr

Spiel der Woche: "Starcraft II: Heart of the Swarm"

Entwickler Blizzard folgt dem Hollywood-Beispiel der Häppchen-Vermarktung: Wie "Harry Potter", "Twilight" und "Der Hobbit" wird auch das Echtzeitstrategiespiel "Starcraft 2" in mehreren Teilen veröffentlicht. Schließlich soll jede der drei Fraktionen - Menschen, Protoss und Zerg - einen eigenen Ableger bekommen, um der episch angelegten Geschichte gerecht zu werden. Und um dreifach abzukassieren. Bei Episode eins, "Wings of Liberty" (2010) standen die Terraner rund um den Rebellen Jim Raynor im Mittelpunkt. Bei der nun veröffentlichten Erweiterung "Heart of the Swarm" dreht sich alles um die schleimigen Zerg-Aliens und ihre alte und neue Anführerin: Kerrigan, die Königin der Klingen.

VonGerd Hilber

Auch wenn für viele "Starcraft 2"-Spieler der Multiplayer-Modus mit seinen drei nahezu perfekt ausbalancierten Kriegsparteien und den daraus resultierenden Online-Gefechten den Kern des Titels darstellt: Der Aufwand, den Blizzard für das Solo-Erlebnis betreibt, ist enorm.

Die Geschichte von "Heart of the Swarm" setzt wenige Wochen nach den Ereignissen aus "Wings of Liberty" ein und besitzt alles, was auch einen Hollywood-Blockbuster auszeichnen würde: Kernige Helden, größenwahnsinnige Diktatoren, schleimige Aliens, gewaltige Schlachten und eine Geschichte um Liebe, Verzweiflung und Rache. Mittendrin: Kerrigan. Einst ein Mensch, dann ein Monster - und nach dem Finale von "Wings of Liberty" von beidem etwas. Notgedrungen kehrt sie zu ihrem Zerg-Schwarm zurück und verfällt nach und nach in alte Verhaltensmuster: Als Matriarchin sticht sie machtgeile Konkurrentinnen aus, eint die Alien-Brut und steckt das halbe Universum in Brand, um dem Terraner-Tyrannen Arcturus Mengsk zu stürzen.

Im Test: StarCraft 2 Addon 'Heart of the Swarm' Video

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Vorweg: Quereinsteiger verstehen womöglich nur Bahnhof bei dieser mal ergreifenden, mal abstrusen Space-Opera. "Heart of the Swarm" erklärt so gut wie nichts von der Vorgeschichte. Man sollte also die erste Episode "Wings of Liberty" auf jeden Fall durchspielen, um der Handlung halbwegs folgen und die gewohnt erstklassig animierten Renderfilmchen genießen zu können.

Doch nicht nur die Inszenierung stimmt: Die Erweiterung bietet rund 20 Missionen, die kaum kurzweiliger und abwechslungsreicher gestaltet sein könnten. Mal geben die Blizzard-Entwickler dem Spieler nur eine Handvoll Einheiten an die Hand, um eine schwer bewachte Basis zu knacken. Mal unterstellen sie ihm Heerscharen von Aliens, die den gesamten Bildschirm fluten und sich neuerdings per Tastendruck vollzählig auswählen lassen. In manchen Einsätzen spielt wiederum das Wetter eine Rolle, in anderen die Zeit - etwa dann, wenn man so schnell wie möglich 100 Zerg-Eier sammeln muss. Heimlicher Höhepunkt der knapp zwölf- bis 15-stündigen Kampagne ist jedoch ein Auftrag, bei dem man mit einer Larve nach und nach ein ganzes Raumschiff der Protos infiziert ... Ridley Scotts "Alien" lässt grüßen!

Bei Erfolg werden sich nicht nur neue Zerg-Arten wie der Schwarmwirt oder die Viper freigeschaltet, auch Kerrigans PSI-Fähigkeiten lassen sich wie in einem Rollenspiel ausbauen. Letzteres geschieht an Bord des Leviathan - eine Art riesiges, lebendes Kommando-Raumschiff, wo die Königin der Klingen gerne auch mit dem morbiden Zuchtmeister Abathur über die Fortentwicklung des Schwarms diskutiert. Sieben wichtige Einheitentypen lassen sich nach ebenso vielen sogenannten Evolutionsmissionen nämlich unumkehrbar spezialisieren.

Der Spieler hat die Qual der Wahl: Sollen seine Zerglinge lieber Klippen überspringen - oder in Dreiergruppen aus den Eiern schlüpfen? Sollen sich Ultralisken unteriridisch heranschleichen oder sich lieber selbst heilen können? Diese Entscheidungen erhöhen die taktische Vielfalt und den Wiederspielwert von "Heart of the Swarm" - sofern man sich nicht für die beiden niedrigen Schwierigkeitsgrade entschieden hat, die aufgrund der arg zahmen Künstlichen Intelligenz und der übermächtigen Kerrigan auf dem Schlachtfeld kaum eine Herausforderung darstellen.

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Nicht die einzige Schwäche der Erweiterung: Die Grafik wirkt trotz zahlreicher neuer Effekte mittlerweile etwas angestaubt. Nebenmissionen wie bei "Wings of Liberty" sucht man vergebens. Ein paar der eingestreuten Kommentare wirken ebenso peinlich wie manche bedienten Klischees. Und beim Multiplayer-Modus hat Blizzard einen Teil der Versprechungen schlicht nicht eingelöst: Viele der in Aussicht gestellten Einheiten tauchen nur am Rande der Einzelspielerkampagne auf. Wie sich die wenigen echten Neuzugänge auf das taktische Gleichgewicht zwischen den Fraktionen auswirken, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen.

Dennoch ist "Heart of the Swarm" eine klare Kaufempfehlung. Warum? Weil Blizzard mit Inbrunst versucht, Solo-Spieler emotional zu packen - und das in einem Genre, in dem für gewöhnlich einfach nur gesichtslose Armeen aufeinander prallen. Dass die Entwickler dabei gerne mal übers Ziel hinaus schießen und Klischees bemühen? Sei's drum. Multiplayer-Fans und ambitionierte E-Sportler kommen um eine Anschaffung ohnehin nicht herum, da sie sonst den Anschluss verlieren.

Wer sich übrigens die Wartezeit auf die dritte Episode "Legacy of the Void" verkürzen möchte, der kann entweder die Replays von "Starcraft 2"-Profis anschauen - oder auf dem Battlenet-Marktplatz stöbern, auf dem die Spieler mit dem Editor selbstgebastelte Karten und Kampagnen anbieten. Davon gibt es bereits einige Hundert, die sich obendrein bewerten lassen.

Wertung

Grafik gut
Sound sehr gut
Steuerung sehr gut
Spielspaß sehr gut
Gesamt sehr gut

Datenblatt

Titel Starcraft II: Heart of the Swarm
Genre Strategie
Alter ab 12
Schwierigkeit Für Fortgeschrittene bis Profis
Plattform PC (getestet), Mac OS X (getestet)
System
Mehrspieler 2-8 (WWW)
Entwickler Blizzard Entertainment
Anbieter Activision Blizzard
Preis ca. 40 Euro
EAN 5030917120091

© teleschau - der mediendienst GmbH

Alle News vom: 19. März 2013 Zur Übersicht: Games

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