Die böse Vorahnung des titelgebenden Mädchens, ein Leuchten am Himmel, Menschen, die plötzlich zu Zombies werden, ein entgleister Zug ... das ist die Ausgangslage von "Amy", das ursprünglich bereits im April 2011 veröffentlicht werden sollte, erst jetzt aber auf den Online-Plattformen PlayStation Network und Xbox Live zum Download bereitsteht. Der Spieler übernimmt die Kontrolle von Amys Aufpasserin Lana, die nach dem Unglück ihr stummes Mündel erst einmal wieder finden muss, ehe man die nächsten Stunden gemeinsam im Dunkeln tappt, um das Geheimnis der Göre und Zombieplage zu lüften.
Düster wie die Ausgangslage ist auch die optische Umsetzung des Games. So fühlt sich "Amy" an wie ein virtueller Spaziergang durch eine miserabel beleuchtete und karg ausstaffierte Geisterbahn. Die Spannung nährt sich aus dem Wissen, dass hinter jeder dunklen Ecke ein Infizierter lauern könnte. Lana kreischt zudem im Minutentakt, wenn Fernseher Funken schlagen, Lüftungsrohre zischen oder Bilder von der Wand fallen - was der Atmosphäre zwar zuträglich, auf Dauer aber doch ein wenig nervig ist.
Gelungen ist dagegen die Dramaturgie des Third Person-Horrors. Warum haben sich die Leute in Zombies verwandelt? Wer hat die kaltblütigen Soldaten geschickt, die alles über den Haufen schießen? Und was hat es mit Amy auf sich? Die Suche nach den Antworten sorgt angesichts der vielen kleinen und großen Nickeligkeiten des Games für die nötige Motivation. Denn die Technik ist der größte Kritikpunkt von "Amy".
Mitunter hat man mit der trägen Steuerung, üblen Rucklern und ungeschickten Kameraführung mehr zu kämpfen als mit den Widersachern. Leider verkommt die Option, sich an Soldaten und Untoten vorbeizuschleichen, zum reinen Glücksspiel. Wird man ertappt, segnet man schnell das Zeitliche - und muss an einem der unglücklich verteilten Kontrollpunkte einen neuen Versuch starten - allerdings mit geleertem Inventar.
Ebenfalls zu bemängeln sind die repetitiven Rätsel. Immer wieder muss Lana die kleine Amy bitten, mithilfe ihrer Inselbegabung Computer zu hacken oder durch Öffnungen zu kriechen, um auf Knöpfe zu drücken und Türen zu öffnen. Andere Aufgaben ziehen die sechs Kapitel (weitere sollen als kostenpflichter Download erscheinen) unnötig in die Länge: Wer etwa einen Lift von einer erhöhten Position aus aktivieren will, muss in einer leidlich animierten Sequenz immer wieder auf Lanas Hintern starren, während diese in gefühlter Zeitlupe die Sprossen einer Leiter hinauf- und hinabklettert - das ist zwar nicht gruselig, aber dennoch nur für starke Nerven erträglich.
Auf der Haben-Seite bietet "Amy" menschliche Charaktere, deren Verletzlichkeit zur Spannung beiträgt. Wenn Lana und Amy Hand in Hand durchs Zombieland spazieren und sich unter Tischen und in Schränken verstecken, weckt das den Beschützerinstinkt. Ebenfalls originell: Lana selbst ist infiziert. Um die Seuche einzudämmen halten, muss sie immer wieder Amys Nähe suchen, denn das Kind scheint eine heilsame Wirkung zu haben. Entfernt sie sich zu sehr, kann man der Blondine dabei zusehen, wie sie sich zunehmend in einen Zombie verwandelt. Was manchmal aber auch ganz hilfreich ist, weil man dann von den übrigen Untoten nicht mehr behelligt wird.
Fazit: Wer angesichts der vielversprechenden Schlüsselaspekte von "Amy" eine Mischung aus "Resident Evil" und "Ico" erwartet hat, wird von der schwachen Umsetzung enttäuscht. Aber darf man für zehn Euro wirklich ein Spiel auf "Silent Hill"-Niveau erwarten?
Wertung
| Grafik | befriedigend |
| Sound | befriedigend |
| Steuerung | ausreichend |
| Spielspaß | befriedigend |
| Gesamt | befriedigend |
Datenblatt
| Titel | Amy |
| Genre | Action-Adventure |
| Alter | ab 18 Jahren |
| Schwierigkeit | Für Einsteiger und Fortgeschrittene |
| Plattform | PlayStation3 (getestet), Xbox 360 |
| System | |
| Mehrspieler | nein |
| Entwickler | Vector Cell |
| Anbieter | Vector Cell |
| Preis | ca. 10 Euro |
| EAN | 1234567890123 |
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