Bereits mit seiner Rollenspiel-Reihe "Shin Megami Tensei" (u.a. "Devil Summoner", "Digital Devil Saga" und "Persona") hat sich Publisher Atlus einen Namen für skurrile und okkult angehauchte Spielekost gemacht. Mit "Catherine" setzt man jetzt noch mal einen drauf und präsentiert eine bizarre Mixtur aus Knobelspiel und erotisierend-esoterischer Interaktiv-Novelle.
Die ist ebenso hintergründig wie durchgeknallt: Weil sich Mittdreißiger Vincent nicht mit dem Gedanken anfreunden kann, seine Langzeitgespielin Katherine (mit "K") endlich in den Hafen der Ehe zu führen, wird er nachts von bizarren Albträumen geplagt. In diesen Horrorvisionen erklimmt der schlaksige Protagonist gigantische Türme aus Quadern. Da die unteren Reihen der schwindelerregenden Konstruktionen allmählich wegbröckeln, muss Vincent in aller Eile die Blöcke so hin und herschubsen, dass er sie als Treppe entfremden und mit ihnen das nächste Höhenniveau erreichen kann. Aufgelesene Kopfkissen und Münzen machen ihm dabei das Leben leichter.
Nur wenn er den Gipfel des Würfelgebildes erklimmt, erlebt er den nächsten Morgen und damit die Rückkehr in die Realität, um sich einen weiteren Tag lang in seinem Stammlokal "The Stray Sheep" herumzudrücken: Hier trifft er sich mit anderen Junggesellen-Kumpels, plaudert mit der Belegschaft, kippt Kurze und Cocktails oder schickt seiner Freundin Katherine eifrig SMS-Nachrichten, deren Tonus der Spieler bestimmen darf. Außerdem lernt er dort die verführerische Catherine (mit "C") kennen: Deren zunächst unverbindliche Avancen erscheinen Vincent angesichts des drohenden Ehestandes umso verlockender.
Bald schon sieht sich der krampfhaft um die Erhaltung seiner Unabhängigkeit bemühte Fremdgänger in einem stressigen Beziehungsdreieck gefangen - und die Tatsache, dass sich das neue Betthupferl als übernatürliches Wesen entpuppt, trägt nicht unbedingt dazu bei, die prekäre Situation zu entschärfen.
Nacht für Nacht schlägt sich der gehetzte Junggeselle mit denselben rätselhaften Albträumen herum - Albträume übrigens, die er mit zahlreichen Leidensgenossen teilt: Außer ihm tummeln sich noch etliche andere Opfer der paranormalen Verführungskünstlerin im seltsamen Knobel-Limbus.
Wer hier landet, betritt das Rätsel-Labyrinth nicht als Mensch, sondern verwandelt sich ein Schaf. Diese Gehörnten sind es dann auch, die Vincent in die Regeln der geträumten Zwischenwelt einführen und ihm mit dem einen oder anderen Knobelkniff aushelfen, wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, mit ihnen um die Wette zu klettern oder in einem Beichtstuhl moralische Gretchenfragen zu beantworten: "Das Leben beginnt oder endet mit der Ehe?" Die protokollierte Gesinnung - Engelchen oder Teufelchen - beeinflusst Handlung und Ende ...
Leider ist das im Laufe launiger Trickfilm- und (nur wenig interaktiver) 3-D-Sequenzen erzählte Drumherum nicht mehr als schmückendes Beiwerk. Beiwerk, das "Catherine" zumindest inszenatorisch dank Bach- und Beethoven-Klängen zu etwas ganz Besonderem macht, aber trotz aller sexueller Doppeldeutigkeiten und des fein pointierten Nippon-Humors nicht darüber hinwegtäuscht, dass der Titel im Kern nicht mehr ist als ein schlichtes, aber cleveres und unterhaltsames Knobel-Rendezvous, das im Download-Store für schmale 15 Euro sicher besser aufgehoben wäre.
Wertung
| Grafik | gut |
| Sound | gut |
| Steuerung | gut |
| Spielspaß | befriedigend |
| Gesamt | befriedigend |
Datenblatt
| Titel | Catherine |
| Genre | Puzzle / Quiz |
| Alter | ab 16 Jahren |
| Schwierigkeit | Für Profis |
| Plattform | PlayStation3, Xbox 360 (getestet) |
| System | |
| Mehrspieler | nein |
| Entwickler | Atlus |
| Anbieter | Koch Media |
| Preis | ca. 60 Euro |
| EAN | 4020628088903 |
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5 Meinungen zu ""Catherine:" Freundin süß-sauer"
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LordOida
Donnerstag, 16.02.2012, 11:57 Uhr 160 Mark vlt nicht, aber eine alte Mega Drive Kassette (Sonic & Knuckles) hat damals auch noch 110 mark gekostet. also vom Preisniveau hat sich nicht viel geändert. nur sind PC-Spiele meisten 10-20 € Billiger als die Konsolenspiele, was ich nicht so ganz nachvollziehen kann. -
Muffinman
Freitag, 10.02.2012, 17:28 Uhr Ich hab mir ja früher auch oft Computerspiele gekauft. Auch welche für die Playstation I + II. Aber ich hab nie 159 Mark!! für ein simples Konsolenspiel hingelegt. -
SummerRain86
Freitag, 10.02.2012, 13:05 Uhr Auch vor 10 Jahren waren Konsolenspiele so teuer... ich erinnere mich noch für diverse SuperNintendo-Spiele bis zu 159 D-Mark gezahlt zu haben.. Von daher: Soweit nichts neues ;) -
Muffinman
Freitag, 10.02.2012, 12:51 Uhr 60 Euro für ein Computerspiel?? Ist das ein Druckfehler? Ich hab mir zwar schon seit mindestens 10 Jahren kein neu auf dem Markt erschienenes Computerspiel mehr gekauft - aber sind die Preise in diesen 10 Jahren derart in die Höhe geschnellt? Das sind in D-Mark (ja, die hatten wir früher mal...) locker 130 Steine! Ein reichlich unverschämter Preis. Selbst für ein Spiel das mehr bietet als dieses hier.
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