Berlin (dpa) - Am 3. Oktober, 10.00 Uhr Ortszeit in Suzuka, soll Max Verstappen ein neues Kapitel Formel-1-Geschichte schreiben. Nur drei Tage nach seinem 17. Geburtstag wird der Niederländer beim ersten Freien Training zum Großen Preis von Japan am Steuer des Toro Rosso Platz nehmen.

Ein Traum werde wahr, betonte der Teenager. "Das ist eine gute Vorbereitung für nächstes Jahr, auch wenn ich mir das vor ein paar Monaten nicht hätte vorstellen können", sagte Verstappen.

Er spulte auf dem Adria International Raceway, zwei Stunden von der Toro-Rosso-Fabrik in Italien entfernt, bereits Testkilometer ab, in Finnland absolvierte er jüngst einen Fitnesscheck. Nun teilte sein Rennstall mit, dass Verstappen auch die Superlizenz vom Internationalen Automobilverband FIA erteilt bekommen habe.

An seinem Geburtstag am 30. September hätte der Sohn des ehemaligen Formel-1-Fahrers Jos Verstappen wahrlich reichlich Grund zum Feiern. Doch die volle Konzentration gilt seinen ersten Runden an einem Grand-Prix-Wochenende.

Anderthalb Stunden wird er fahren dürfen. Bislang kennt er den Kurs nur vom Simulator und den Erzählungen seines Vaters. "Er hat mir gesagt, es sei kein leichter Kurs für jemanden, der beginnt." Dass Max Verstappen seinerzeit gerade rechtzeitig zur Welt kam, dass Papa Jos zum nächsten Rennen zehn Tage später nach Suzuka reisen konnte, passt irgendwie in die wundersame Geschichte des potenziellen Shooting-Stars.

Max Verstappen selbst fuhr bislang lediglich auf einer benachbarten Kartstrecke in Suzuka. "Ich trete nicht an, um Rekorde zu brechen, sondern Erfahrungen zu sammeln", betonte er. Anstelle des französischen Noch-Stammpiloten Jean-Eric Vergne wird er den STR09 im Training auf dem legendären und vor allem anspruchsvollen Kurs in Japan steuern.

Im kommenden Jahr wird er auch Vergnes Platz in den Rennen einnehmen. Verstappen wird dadurch am 15. März beim Auftakt in Melbourne den Spanier Jaime Alguersuari als jüngsten Grand-Prix-Piloten ablösen. Dieser war 2009 mit 19 Jahren angetreten - auch in einem Toro Rosso. Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel, einst ebenfalls bei Toro Rosso, war bei seinem Renndebüt auch 19 Jahre alt gewesen.

Verstappen, der durch seine Leistungen in der aktuellen Formel-3-Saison auf sich aufmerksam machte, wurde von Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko bereits mit Vorschusslorbeeren regelrecht überschüttet. Er sei ein außergewöhnliches Talent, das es nur einmal in zehn Jahren gebe, hatte der Österreicher gesagt.

Als das Fahrer-Engagement des Teenagers vor einigen Wochen bekanntwurde, hatten die künftigen Kollegen trotz genereller Skepsis über einen vermeintlichen Jugendwahn in der Formel 1 Verstappen gratuliert. "Du wirst nicht jeden Tag gefragt, ob du Formel 1 fahren willst. Wenn du die Chance bekommst, musst du sie ergreifen. Auch mit 17", hatte Vettel gesagt. "Vielleicht fährt das Auto am Anfang mehr mit dir als du mit ihm." Aber das werde Verstappen lernen.© dpa