In der Formel 1 der Generation 2016 beschweren sich immer wieder Piloten über den Magerwahn. Angesichts der schwereren Hybridantriebe müssen die Piloten auf jedes Gramm Fett achten, damit ihr Fahrzeug (samt Fahrer) nicht oberhalb des Mindestgewichts von 702 Kilogramm rennen muss. Mehr noch: Die Teams wünschen sich beim Gewicht möglichst viel Spielraum, um den Ballast zur optimalen Gewichtsverteilung nutzen zu können.

Das war nicht immer so. In früheren Zeiten galt es als durchaus akzeptabel, dass Piloten das Fitnessstudio mieden und stattdessen lieber nach dem Motto "Mars macht mobil" lebten. Ein Beispiel war Nigel Mansell, der sich durch schiere Kraft zu Rennsiegen und zum WM-Titel 1992 wuchtete. Auch später wurde eine eher "mollige" Figur beim Williams-Piloten Juan Pablo Montoya klaglos hingenommen. Im Wettbewerb gegen seinen ehemaligen Teamkollegen Ralf Schumacher, der auf Figur und Fitness achtete, war dies selten ein Nachteil.

"Manchmal hörten wir, dass er im Auto etwas schwerer atmet als Ralf oder andere, wenn er den Funk einschaltet. Er war sicher nicht so fit wie andere Fahrer - da war er nicht in der gleichen Spielklasse", berichtet der ehemalige Williams-Teilhaber und -Technikchef Patrick Head im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. Die Messlatte in Sachen Fitness sei damals Michael Schumacher gewesen, der dieses Thema auf dem Weg zu seinen Erfolgen derart konsequent lebte wie sonst kaum jemand.

Karamelbonbon statt Kardiotraining: Geht auch!

"Juan nahm das nicht so ernst wie ein Schumacher. Dafür hatte er beim Fahren einen massiven Adrenalinschub. Das machte ihn am glücklichsten, und so fuhr er besser", schmunzelt Head. "Wenn er jeden Tag drei Stunden im Fitnessraum verbracht hätte, dann wäre er vielleicht schlanker gewesen, aber er wäre über eine Renndistanz vielleicht nicht mehr auf so hohem Niveau gefahren. Schwer zu sagen, wie sehr die Fitness seine Fähigkeiten im Rennauto beeinträchtigt hat."

Auch Mansell habe sich weniger um Fitness als vielmehr um ein gewisses Wohlfühl-Gewicht gekümmert. "Manchmal wirft man uns bei Williams vor, ständig an Alan Jones zu denken, aber der war auch so ein Typ: Er hasste die Kraftkammer und das Lauftraining. Er nahm auf seine Ernährung Rücksicht, aber das Training war nicht so seine Sache. Alan war unglaublich stark und hatte richtig Adrenalin. Er war ein richtig harter Racer und konnte im Rennen jede Runde Qualifying fahren", so Head. "Juan Pablo war auch so."

Der Kolumbianer schaffte es in seinen 95 Grands Prix zu sieben Siegen. 2002 und 2003 schloss Montoya die WM als Gesamtdritter ab . Der heute 40-Jährige gehörte 2001 zur "goldenen Rookie-Generation" in der Königsklasse. Am 4. März jenes Jahres debütierten neben Montoya auch die heutigen Formel-1-Superstars Fernando Alonso und Kimi Räikkönen. Allen drei Piloten widmet 'Motorsport-Total.com' am morgigen Freitag anlässlich des 15-jährigen Jubiläums ihres Formel-1-Debüts ein umfangreiches Special mit interessanten Fakten, Hintergründen und Aussagen ehemaliger Wegbegleiter.© Motorsport-Total.com GmbH