Leafield (dpa) - Die Formel 1 muss beim Großen Preis der USA notgedrungen mit dem kleinsten Teilnehmerfeld seit über neun Jahren antreten. Die beiden finanziell schwer angeschlagenen Teams Caterham und Marussia werden im texanischen Austin nicht dabei sein.

Dies erklärte Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone der Zeitung "Daily Mail". Stellungnahmen der beiden Teams lagen zunächst nicht vor.

Vermutlich werden beide Rennställe auch das vorletzte Saisonrennen nur eine Woche später in Brasilien verpassen, weil das Material direkt von Austin aus nach Sao Paulo transportiert wird. Somit werden nur 18 der eigentlich 22 Wagen in die Rennen gehen. Erst beim Finale am 23. November in Abu Dhabi wäre ein Einsatz der Autos von Caterham, für das dringend ein neuer Käufer gesucht wird, und Marussia wohl wieder denkbar. Wenn überhaupt.

Die monatelangen Sorgen um die Zukunft einiger Rennställe hat damit vorläufig ihren alarmierenden Tiefpunkt erreicht. Zuletzt hatten 2005 in Monte Carlo nur 18 Autos an einem Grand Prix teilgenommen. Damals traten allerdings insgesamt nur zehn Teams an, das damalige BAR-Honda-Team war für den Klassiker wegen eines vorhergehenden Regelverstoßes gesperrt worden.

Diesmal sind es existenzielle Sorgen. Der Insolvenzverwalter von Caterham sucht nach einem bizarren Streit zwischen Vorbesitzer Tony Fernandes und der Investorengruppe Engavest händeringend einen neuen Käufer für den Rennstall, der sportlich mit null Punkten auf dem letzten Platz der Konstrukteurswertung denkbar wenig zu bieten hat.

Marussias drohendes Aus war trotz Platz neun und zwei Punkten ebenfalls schon befürchtet worden. Manch einer hatte vermutet, dass das Team mit dem Namen eines russischen Autobauers und mit russischer Lizenz ohnehin nur bis zur Premiere der Formel 1 in Sotschi durchhalten würde. Hinzu kommt die anhaltende Sorge um Pilot Jules Bianchi, der nach seinem Unfall in einem Marussia-Rennwagen in Japan mit schweren Hirnverletzungen weiter um sein Leben kämpft. Teambesitzer Andrej Scheglakow soll auch beabsichtigen, das Team, für das einst der deutsche Pilot Timo Glock aus finanziellen Gründen seinen Platz geräumt hatte, zu verkaufen.

Für den Fall, dass unter 20 Autos gemeldet werden, hat sich die Formel 1 zwar auf einen Notfallplan verständigt, dieser greift aber nicht auf die Schnelle. Die Tatsache, dass manche Teams das Feld mit einem dritten Wagen auffüllen könnten, erfordert Zeit. Nach Aussage von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff kämen zudem weitere hohe Kosten auf diese Teams zu. Andere widersprechen dem. Ferrari drängt seit langem auf den Einsatz eines dritten Autos.

Vor einem Szenario wie dem aktuellen wurde seit langem vor allem auch von den kleineren Teams gewarnt. Auf eine Ausgabengrenze konnten sich die Rennställe zusammen bislang nicht einigen. "Die Formel 1 liegt auf der Intensivstation. Ich habe Angst, dass wir Teams verlieren", hatte der Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes FIA, Jean Todt, schon im März gemahnt. Vergeblich. Statt einer Ausgabenbremse kostete die größte technische Reform mit der Rückkehr des Turbo-Antriebs und hochkomplexer Hybridtechnik noch einmal viel Geld.© dpa