Formel-1-Teamchefin Claire Williams fühlt sich manchmal "wie das kleine Mädchen im Raum", wenn sie mit Branchengrößen wie Bernie Ecclestone, Jean Todt, Christian Horner oder Toto Wolff in Meetings sitzt. Das hat die Tochter von Frank Williams, die seit 2013 als Stellvertretende Teamchefin de facto das operative Geschäft des gleichnamigen Rennstalls leitet, am Rande einer Seminarveranstaltung zugegeben.

"Unser Sport", sagt die 39-Jährige, "ist sehr männlich dominiert. Manchmal bin ich das einzige Mädchen im Raum." Und das noch dazu mit mächtigen Männern wie etwa Ecclestone, der in der Vergangenheit in Interviews immer wieder mit recht machohaften Kommentaren aufgefallen ist. So hat er über die US-Rennfahrerin Danica Patrick einmal gesagt, er habe die wunderbare Vorstellung, dass Frauen in Weiß gekleidet sein sollten, so wie die anderen Küchengeräte auch.

Williams versucht, sich in dieser durchaus einschüchternden Umgebung zu behaupten, und hat das Team zumindest sportlich wieder auf Top-3-Niveau gebracht. Dennoch weiß sie, dass sie in der Männerwelt der Formel 1 noch selbstbewusster auftreten muss: "Manchmal wünschte ich, ein bisschen mutiger zu sein, wenn ich dafür verantwortlich bin, für die Stellung unseres Teams in diesem Sport zu kämpfen."

Unabhängig davon stört sie sich sehr daran, dass Williams seit Beginn des Aufschwungs im Vergleich zu Teams wie Mercedes oder Ferrari oft als "Underdog" bezeichnet wird: "Ich hasse diesen Ausdruck", so Williams. "Ich glaube nicht, dass man ein Team, das 16 Weltmeisterschaften gewonnen hat, Underdog nennen kann." Dieses Image möchte sie ändern, weil sie es für das Selbstbewusstsein der 550 Mitarbeiter nicht für förderlich hält.

Williams hat die Formel-1-Saison 2015 auf dem dritten Platz der Konstrukteurs-WM beendet. Noch 2013 hatte man mit Platz neun vorliebnehmen müssen. Die letzte Weltmeisterschaft liegt inzwischen aber fast 20 Jahre zurück: 1997 wurde Jacques Villeneuve Champion und führte Williams auch zum Sieg in der Konstrukteurswertung. Zudem gelang dem Team seit 2005 nur ein einziger Sieg, nämlich jener von Pastor Maldonado in Barcelona 2012.© Motorsport-Total.com GmbH