1:0 für den Weltmeister. So fällt das erste Kräftemessen zwischen Lewis Hamilton und seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg in Melbourne aus. Während der Deutsche seinen Silberpfeil im zweiten Freien Training bei Regen in die Mauer setzte, fuhr der Brite ganz cool in seiner zweiten schnellen Runde, als die Bedingungen etwas besser waren, Bestzeit - 0,421 Sekunden vor Red-Bull-Pilot Daniil Kwjat .

Zu allem Überdruss verschrottete Rosberg bei seinem Unfall auch die neue schmale Nase des F1 W07, während Hamilton mit dem alten Modell ausrückte. Damit man nicht auf die neue Frontpartie verzichten muss, werden nun offenbar neue Teile eingeflogen. Im Gesamtklassement landete Rosberg 2,089 Sekunden hinter Hamilton auf Platz sechs.

Wie Rosberg den Crash erlebte

"Ich habe zu viel beschleunigt und dann das Auto verloren. Das war natürlich nicht gut", nimmt Rosberg den Fehler ganz klar auf seine Kappe - ein Dämpfer im Psychoduell gegen Hamilton. Eigentlich wollte er das Auto zurück an die Box schleppen und das Training erneut aufnehmen, doch die FIA verhinderte dies.

"Ich habe das Auto dann auf Anordnung der FIA abgestellt, weil der Frontflügel unter meinem Auto steckte und die Gefahr bestand, dass er sich löst und für viele Wrackteile sorgt", erklärt Rosberg. "Das war frustrierend, denn das Auto war grundsätzlich in Ordnung."

Glück im Unglück für Rosberg

Abgesehen von der Nase und dem Frontflügel hielt sich die Beschädigung an Rosbergs Auto in Grenzen. "Wir haben das Auto vorne links als Vorsichtsmaßnahme erneuert", stellt der Technikverantwortliche Paddy Lowe klar. "Das wird ihn aber für den Rest des Wochenendes nicht beeinträchtigen."

Am Ende hatte Rosberg Glück im Unglück, denn die Strecke trocknete nicht komplett ab, als er seinen Kollegen bei der Arbeit zusehen musste. "Das war gut, denn so habe ich nicht viel verloren, und die anderen haben für morgen keinen großen Vorteil gewonnen."

Das gilt natürlich auch für Hamilton, der zum Auftakt eine blitzsaubere Leistung ablieferte. "Die Bedingungen waren heute wirklich schwierig, und es gab nicht viele Gründe, auf die Strecke zu gehen", sagt der Brite nach seinen 21 Runden - um sechs mehr als Rosberg. "Die weißen Linien sind sehr knifflig und ich wollte nicht rausgehen und das Auto beschädigen", kann er sich einen kleinen Seitenhieb auf seinen Teamkollegen nicht verkneifen. "Ich konnte viele Dinge erledigen, habe das Maximum herausgeholt, habe keinen Fehler gemacht."

Hamilton makellos

Wirkliche Erkenntnisse brachte das Training aber nicht: "Die Sektoren waren nie gleichmäßig, es war in jeder Kurve anders, also haben wir uns dann auf die Gewöhnung an den neuen Funkverkehr konzentriert", gibt Hamilton Einblicke. Die Bestzeit bedeutet zwar rein sportlich nichts, aber für die Psyche kann sie durchaus ein Bonus sein. "Ich weiß nun zumindest, dass ich immer noch fahren kann", schmunzelt der Weltmeister.

"Und klar - nach der Runde freust du dich schon. Ich habe es sehr genossen. In dieser Hinsicht hat das Team großartige Arbeit abgeliefert und mich zum richtigen Zeitpunkt rausgeschickt." Nun steht für Mercedes ein stressiger Samstag bevor: Im dritten Freien Training muss nun fast die gesamte Vorbereitung auf Qualifying und Rennen durchgeboxt werden - außerdem wird die Weltmeistertruppe den F1 W07 zum ersten Mal mit Supersoft-Reifen auf die Strecke schicken, denn bei den Tests verwendete man im Gegensatz zur Konkurrenz ausschließlich die Mischungen Medium und Soft.

Ein Nachteil? "Das glaube ich nicht, denn Melbourne ist eine eigene Welt", sieht Rosberg kein Problem. "Die Streckentemperaturen sind ganz anders." Hamilton sieht dies ähnlich. Wichtig wäre aber nun, dass es am Samstag trocken bleibt, damit das Team das geplante Programm doch noch durchziehen kann. "Ich bin sehr zuversichtlich", sagt Rosberg trotz des ins Wasser gefallenen Freitags. Mit einem kleinen Unsicherheitsfaktor: "Es handelt sich hier um eine andere Strecke als Barcelona."© Motorsport-Total.com GmbH