Trotz einer erneuten Bestzeit Lewis Hamiltons im zweiten Freien Training zum Australien-Grand-Prix in Melbourne am Freitagnachmittag müssen sich die Formel-1-Fans weiter in Geduld üben. Klarheit über das Kräfteverhältnis brachte seine Runde in 1:38.841 Minuten komplettes Resultat nicht, da die Session von Regenschauern bestimmt und auf nasser Fahrbahn ausgetragenen wurde - Slicks blieben im Regal. Nur 15 Piloten setzten gezeitete Runden, sodass ein Unfall Nico Rosbergs zum zentralen Ereignis wurde.

Der Mercedes-Pilot verlor kurz nach der Aufnahme des Trainingsbetriebs beim Beschleunigen die Kontrolle über das Heck seines Boliden und schlug vorwärts in die Streckenbegrenzung ein. Die Nase und der Frontflügel gingen zu Bruch, trotz eines ersten Versuches schleppte sich Rosberg auf Anweisung des Teams nicht mehr aus eigener Kraft zurück an die Box, sondern stellte seinen Dienstwagen in einer Auslaufzone ab. Unglücklich: Kurz zuvor hatten die Silberpfeile auf die von den Barcelona-Tests bekannte neue Nase mit dem Rufnamen "Bruce" und S-Schacht umgerüstet.

Nun könnte das Bauteil knapp werden, wenn nicht neues Material nach Australien eingeflogen wird. Toto Wolff befindet die Nasen-Situation für "in Ordnung", doch der Mercedes-Sportchef hat weitere Sorgen. Er betrachtet den Rosberg-Unfall als erste Folge der neuen Einschränkungen des Funkverkehrs: "Man kann ihnen ja nichts mehr über Funk sagen", beklagt er vor dem Hintergrund schwieriger Streckenverhältnisse und dem Maulkorb für Ingenieure mit Fahrtipps in petto.

Marc Surer hat weniger Verständnis für Rosberg: "Es ist einfach peinlich, wenn man die neue Nase kaputt macht, zumal sie im ersten Freien Training noch mit der alten gefahren sind, damit sie eben nicht kaputt geht", kritisiert der 'Sky'-Experte den Deutschen. "Als hätten sie eine böse Vorahnung gehabt", fügt Surer hinzu. Sollte der Rosberg-Unfall ein Fahrfehler gewesen sein, wäre der Vizeweltmeister im auch psychologisch mit harten Bandagen geführten Teamduell gegen Hamilton schon jetzt im Hintertreffen.

Force India stark: Perez war auf Bestzeit-Kurs

Denn der Brite zeigte sich von den schwierigen Bedingungen unbeeindruckt, landete seine Bestzeit jedoch mit einer Portion Glück. Hamilton, der erst 25 Minuten vor der Zielflagge ausrückte, sicherte sich den Platz an der Sonne, der ihm schon am Vormittag dank Fortunas Zutun gebührte, in seiner zweiten schnellen Runde. Bei abtrockender Bahn herrschten zu diesem Zeitpunkt die besten Bedingungen. Anschließend setzte erneut Regen ein, was zahlreiche aussichtsreiche Anläufe zunichte machte und dem Fahrbetrieb erneut ein abruptes Ende bescherte.

Entsprechend vorsichtig bewertet auch Ferrari-Star Sebastian Vettel (8./+1,920 Sekunden) die Session: "Wir haben heute nicht viele Erkenntnisse gewonnen", resümiert der Deutsche. "Es war aber gut, dass wir zumindest ein paar Runden drehen konnten, um ein Gefühl für das Auto zu bekommen." Der SF16-H fühle sich gut an, bestätigt Vettel. "Der Rest war heute ein wenig verschwendete Zeit. Wenn es nass ist, ist es sehr rutschig, vor allem mit den Straßenmarkierungen. Das kann einen kalt erwischen." Bei Rosberg sei das der Fall gewesen und "kein großer Fehler".

Fleißkärtchen für Rookie Pascal Wehrlein

Hamilton lag um 0,467 Sekunden vor Freitags-Überraschungsmann Nico Hülkenberg (Force India). Rang drei ging mit 0,645 Sekunden Abstand an Kimi Räikkönen (Ferrari). Den vierten Platz sicherte sich Lokalmatador Daniel Ricciardo (Red Bull/+0,694 Sekunden) vor dem spanischen Duo Carlos Sainz (Toro Rosso/+0,853) und Fernando Alonso (+1,054), der im McLaren übrigens einen durchaus soliden Eindruck - ohne erkennbare technische Probleme bei Honda - hinterließ.

Die Ränge sieben bis zehn belegten Jenson Button im zweiten McLaren (+1,167), Vettel, Sergio Perez im zweiten Force India (+2,415) sowie Red-Bull-Fahrer Daniil Kwjat (+3,570). Wie wenig belastbar das Resultat war, zeigte die Tatsache, dass der Mexikaner auf dem Weg zu einer Bestzeit war, als eine Viertelstunde vor dem Ende der Himmel seine Schleusen öffnete. Sauber und Williams stellten daraufhin ihre Aktivität ein, weil für Samstag und Sonntag Wetterbesserung vorausgesagt ist - man wollte kein Risiko eingehen, verkündeten die beiden Teams über die sozialen Medien.

Formel-1-Neuling Pascal Wehrlein, der im Manor mit 23 Runden fleißigster Fahrer war und 4,560 Sekunden Rückstand zu verzeichnen hatte, landete auf dem zwölften Rang von 15 gewerteten Piloten. Auch das neue US-Team Haas brachte seine Boliden auf die Bahn, Esteban Gutierrez als Elfter und Romain Grosjean als 13. hatten jedoch keine Paukenschläge im Köcher. Renault blieb bei der werksseitigen Rückkehr in die Königsklasse im zweiten Freien Training ohne gezeitete Runde.© Motorsport-Total.com GmbH