Mit der dritten Bestzeit eines Ferrari-Piloten am vierten Tag endete am Donnerstag auf dem Circuit de Catalunya die erste von zwei Testwochen im Vorfeld der Formel-1-Saison 2016. Kimi Räikkönen war dank einer Bestzeit in 1:23.477 Minuten der Tagesschnellste vor Daniil Kwjat (2./Red Bull/+0,816 Sekunden) und Alfonso Celis (3./Force India/+1,363) . Mercedes konzentrierte sich erneut auf Longruns und deckte die Karten bei nur auf den ersten Blick mittelmäßigen Runden nicht auf, während McLaren mit Fernando Alonso ein Debakel erlebte .

Die Wochenbestzeit jedoch ging an Sebastian Vettel, der bereits am Dienstag den Kurs in 1:22.810 Minuten umrundete . Faustdicke Überraschug: Force-India-Pilot Nico Hülkenberg, der am Donnerstag nicht mehr zum Einsatz kam, war mit seiner Mittwochs-Bestzeit in 1:23.110 Minuten der zweitschnellste Mann des Testauftaktes. Räikkönen wird nach seinem gelungenen Abschluss bei den kombinierten Zeiten auf dem dritten Rang geführt.

Allerdings war kein Pilot so fleißig wie Lewis Hamilton (343 Runden), gefolgt von Teamkollege Nico Rosberg (332) - der neue Mercedes scheint schon jetzt unkaputtbar zu sein .

Mercedes beeindruckend konstant und zuverlässig

Zum Tagesgeschehen: Räikkönen fuhr seine schnellste Runde bereits am Vormittag auf den neuen Ultrasoft-Pneus Pirellis, der weichesten aller Mischungen. Ferrari setzte damit wie schon bei Vettel die Taktik fort, bei der Wahl der Reifen sukzessive auf weniger haltbare Typen zu gehen. Auch ein Problem mit dem Benzinsystem, das den Finnen noch am Mittwoch ausgebremst hatte, überwand die Scuderia. Fraglich blieb jedoch, wieso Räikkönen am frühen Nachmittag mehrere Stunden in der Box stand. Er stellt nach einem "ganz normalen Tag" fest: "Tests sind schmerzhaft, aber lieber vorher etwas abklären als unter der Saison Probleme zu bekommen." Auffällig: Im Vergleich mit dem deutschen Stallgefährten war er über 0,667 Sekunden langsamer.

Bei Mercedes war am Donnerstag erneut Arbeitsteilung zwischen den Piloten angesagt: Hamilton (8./+2,818) spulte am Vormittag starke und konstante Longruns ab, ehe Rosberg (7./+2,735) am Nachmittag den Silberpfeil übernahm und an die Testarbeit des Briten anknüpfte. Da das Team wie im Vorfeld angekündigt seit Montag nur auf den Medium-Pneus ausrückte, war der Abstand zur Spitze groß, bei genauerer Betrachtung aber - aus Sicht der Konkurrenz - besorgniserregend gering. Dafür scheinen technische Schwäche am neuen Auto ausgemerzt: Insgesamt 185 Runden waren ein kleines Ausdauerwunder, obwohl die Mannschaft auch noch Hitzetests durchführte.

Mercedes setzte am Donnerstag eine neue Haifisch-Nase ein samt neuer Luftleitbleche unter dem Auto ein, die auf den Namen "Bruce" hört und ein radikales S-Schacht-Design beinhaltet. "Der Frontflügel ist eine Verbesserung", sagt Hamilton. Die Zuverlässigkeit des W07 nach Testwoche eins findet er "unglaublich" und meint: "So etwas habe ich noch nie erlebt. Die Robustheit dieses Autos ist beeindruckend, es fährt und fährt und fährt."

Rosberg will einen formverbesserten Silberpfeil ausgemacht haben: "Sicherlich kann man es spüren, es sind kleine Schritte", merkt er über Fortschritte des Topautos im Formel-1-Feld an und rasselt leise mit dem Säbel: "Ich sage nicht, dass wir die Schnellsten wären, aber wir haben beeindruckende Sachen am Wagen." Er wäre schon jetzt gerne mit weniger Benzin gefahren, wie es für die kommende Woche geplant sei, so der Deutsche über die Herangehensweise des Teams.

Red Bull zurückhaltend, Force India überrascht

Zufrieden mit seinem Abschneiden zeigte sich auch der zweitplatzierte Kwjat, der mit Red Bull neben Räikkönen als einziger Pilot Ultrasoft zückte, die Mischung aber nicht auf allen Kursen für die schnellste hält. Mit Kampfansagen hält sich der junge Russe zurück und sagt über das Kräfteverhältnis: "Die Situation scheint im Vergleich zum vergangenen Jahr nicht völlig auf den Kopf gestellt." Das Fazit zur ersten Testwoche fällt bei den Österreichern "ganz in Ordnung" aus, zumal Stallgefährte Daniel Ricciardo am Dienstag die viertbeste Runde gelang und der RB12 recht zuverlässig scheint.

Der mexikanische Paydriver Celis beeindruckte mit seiner Leistung im Force India, zumal auf den VJM09 nur der Supersoft-Reifen geschnallt war. Obwohl Kevin Magnussen (4./Renault/+1,786) am Donnerstagnachmittag einen Defekt zu verzeichnen hatte, waren er und Renault bei ihren Comebacks eindrucksvoll konstant. Der Däne spulte mit 264 Runden die drittmeisten der Woche ab. Max Verstappen (5./Toro Rosso/+1,916) blieb mit Medium-Pneus noch vor Felipe Nasr (6./Sauber/+2,576) auf Soft, allerdings war der Brasilianer bekanntlich mit dem Vorjahresmodell unterwegs.

McLaren wieder im Schlamassel: Nächste Blamage droht

Auf den weiteren Plätzen folgten der bei Williams mehrheitlich mit Arbeiten an der Aerodynamik und Beschleunigungstests beschäftigte, aber auch von technischen Problemen behinderte Felipe Massa (9./+3,006) sowie Esteban Gutierrez (10./+4,325) im Renner der neuen Haas-Mannschaft. Bei den US-Amerikanern hatte sich am Donnerstag ebenfalls die Defekthexe eingeschlichen - nach 89 Runden war Feierabend.

Verlierer des Tages war erneut McLaren: Die Truppe scheint dem Schlamassel mit Antriebspartner Honda nicht zu entkommen und spulte drei Runden - keine gezeitete - ab, ehe ein technisches Problem den MP4-31 mit Fernando Alonso am Steuer stoppte. Zunächst war von einem Leck im Kühlsystem die Rede, jedoch handelte es sich dabei um einen schwerwiegenderen Defekt, der das Zerlegen des kompletten Boliden nötig machte. Mit 257 Runden an vier Tagen war die Kilometerleitung, die das Team so dringend bräuchte, erneut zu gering. Zum Vergleich: Hamilton fuhr einen Umlauf weniger - an einem Tag.

Auch bei Manor lief es nicht rund: Den ersten Unfall der Woche baute Neuling Rio Haryanto (11./+4,789), der schon am Mittwoch einen Dreher zu verzeichnen hatte. Der Indonesier setzte am Nachmittag sein Auto in Kurve 5 in die Leitplanken, blieb unverletzt, musste aber den Testtag beenden. Für den Pascal-Wehrlein-Teamkollegen stand am Ende eine Bestzeit in 1:28.266 Minuten, womit er über zwei Sekunden langsamer war als der Deutsche am Mittwoch - ungeachtet des Setups. Fazit: Manor scheint dank Mercedes-Power den Rückstand auf das Feld im Winter verkürzt zu haben, wenn nicht gerade Haryanto am Steuer sitzt.© Motorsport-Total.com GmbH