Die Formel 1 ohne Bernie Ecclestone? Für viele undenkbar. Doch genau das ist heute Dienstag bei einer Vorstandssitzung der Formel-1-Dachgesellschaft Delta Topco das Thema. Auslöser dafür ist ein Bericht, der vom ehemaligen Finanzchef des Unilever-Konzerns, Jean Marc Huet, heute präsentiert wird. Darin analysiert das Formel-1-Vorstandsmitglied laut dem 'Guardian' die "stagnierende Rentabilität, mangelnde Sponsoreneinnahmen und die Schlüsselpersonen" der Königsklasse des Motorsports. Das umfasst auch einen Nachfolgeplan für den 85-jährigen Ecclestone.

"Bei der vergangenen Vorstandssitzung kamen wir zu dem Schluss, dass sich jemand ansehen sollte, ob wir die Sache richtig angehen und ob wir etwas ändern sollten", erklärt Ecclestone gegenüber dem 'Guardian', wie es zum bislang in der Formel-1-Geschichte einzigartigen Bericht kam. Fokus sei "die aktuelle Geschäftslage und möglicherweise Personalien".

Nach Formel-1-Kritik: Maulkorb für Ecclestone?

Der Formel-1-Zampano hat sich erst kürzlich den Unmut der Teams zugezogen, als er seinen Sport in einem Interview harsch kritisierte. Diese sei "so schlecht wie nie" und er würde für seine Familie "niemals Geld ausgeben, um ein Rennen zu schauen."

Daraufhin warf Daimler-Boss Dieter Zetsche, dessen Rennstall in der Formel 1 aktuell dominiert, dem Briten vor, geschäftsschädigend zu agieren. Es wird davon ausgegangen, dass auch dies bei der Vorstandssitzung Thema ist und Ecclestone gebeten wird, ähnliche Aussagen in Zukunft zu unterlassen.

Dass die Zeit des ehemaligen Formel-1-Teamchefs, der als Vertreter der Rennställe die Kontrolle des Sports übernommen hat, rasch zu Ende gehen wird, gilt in der Szene als unwahrscheinlich. Donald MacKenzie, Boss von Formel-1-Rechteinhaber CVC Capital Partners, hielt Ecclestone in den vergangenen Jahren trotz enormen Gegenwinds wie dem Gerichtsprozess in München stets die Stange.

Zahlreiche Baustellen

Ecclestone hat sich zuletzt in eine schwierige Situation manövriert und im Kräftemessen gegen die Autohersteller einige Niederlagen eingefahren. Im Gegenzug für ihren langfristigen Verbleib in der Formel 1 räumte er ihnen deutlich mehr Mitspracherecht beim Reglement ein und sieht sich jetzt mit seinem Kontrollverlust konfrontiert.

Da Mercedes zwei Mal hintereinander die WM gewonnen hat, geht eine Prämie in Höhe von 40 Millionen US-Dollar nach Stuttgart. Das ist einer der Gründe, warum der Sport nicht mehr Profit macht, obwohl der Rennkalender dieses Jahr durch das Comeback des Grand Prix von Deutschland und das Aserbaidschan-Debüt mit 21 Rennen so umfangreich wie nie ist.

Dazu kommt der Vorwurf der kleinen, teilweise ums Überleben kämpfenden Teams, dass die Verteilung der Formel-1-Einnahmen ungerecht ist: Force India und Sauber haben deswegen sogar bei der EU-Kommission Beschwerde eingelegt. Eine Reaktion steht derzeit noch aus, Ecclestone hat es aber immerhin geschafft, für eine leichte Deeskalation zu sorgen, indem er gemeinsam mit FIA-Boss Jean Todt die Hersteller dazu zwang, die Preise für die Kundenmotoren deutlich zu senken.© Motorsport-Total.com GmbH