Bei vielen Formel-1-Piloten war im Vorfeld der Saison Schmalhans Küchenmeister. Da einige Teams mit den neuen Autos an das Gewichtslimit von 702 Kilogramm (inklusive Fahrer) kommen, bekamen etliche Fahrer die Anweisung, ein paar Kilo abzunehmen, was für kontroverse Diskussionen sorgt. Während Daniel Ricciardo selber kocht und an der Diät Spaß hat, prangert Carlos Sainz den neuen Magerwahn an.

"Wie kann man von einem Fahrer verlangen, dass er Höchstleistungen liefern soll, wenn man ihm gleichzeitig sagt, dass er drei oder vier Kilo abnehmen soll?", fragt sich der Toro-Rosso-Pilot im Gespräch mit der Nachrichtenagentur 'Reuters'. "Das widerspricht sich." Sainz war wie Teamkollege Max Verstappen gebeten worden, einige Kilo abzunehmen, da der neue STR11 schwerer ist als das Vorjahresauto.

"Es gibt mehr aerodynamische Bauteile, also wird mehr Kohlefaser verbaut. Der Radstand ist größer, also ist das Auto länger und damit schwerer", erklärt Sainz. Auch Ricciardo und Renault-Pilot Kevin Magnussen hatten am Rande der Testfahrten in Barcelona erklärt, dass sie abnehmen müssen.

Parallelen zur Saison 2014

Diese Entwicklung ist in der Formel 1 nicht neu. Bereits in der Saison 2014 hatte der Magerwahn in der Serie grassiert, nachdem die Autos durch den Einbau der damals neuen Hybrid-Antriebseinheiten ans Gewichtslimit kamen - mit haarsträubenden Folgen für einige Piloten. So hatte Adrian Sutil als einer der größten und damit schwersten Fahrer zeitweise auf eine Null-Diät gesetzt und im Auto sogar auf eine Trinkflasche verzichtet, um Gewicht einzusparen.

Der damalige Toro-Rosso-Pilot Jean-Eric Vergne war nach dem Grand Prix von Australien nach einem Schwächeanfall wegen Dehydrierung sogar ins Krankenhaus gekommen. "Ich habe von Jean-Eric schlimme Dinge gehört, die er tun musste", sagt Sainz. "Das war gefährlich und falsch." Um solche Auswüchse zu verhindern, was 2015 das Mindestgewicht der Autos auf 702 Kilogramm erhöht worden.

Doch offensichtlich reicht das im Jahr 2016 nicht. "Darüber sollten wir vielleicht reden", regt Sainz eine Diskussion innerhalb der Fahrervereinigung GPDA an. "Wir wollen fit und schlank sein. Das ist unser Job, aber nicht extrem dürr zu sein."

Ricciardo hat beim Abnehmen Spaß

Ricciardo, der nach eigener Aussage bereits drei Kilo abgenommen hat, auf seinem Weg zum Zielgewicht von 67 Kilogramm (bei einer Körpergröße von 1,80 Metern) aber noch zwei weitere Kilos verlieren will, hat mit der Diät allerdings keine Probleme und kann dem Ganzen sogar etwas Gutes abgewinnen.

"Ich koche jetzt viel öfter selbst, denn nur so kann ich kontrollieren, was ich esse", sagt Ricciardo der Zeitung 'West Australian'. "So langsam weiß ich, wie man ein kleiner Chefkoch wird und habe Spaß. Ich habe mich noch nie im Leben so gesund ernährt", meint der Australier, dessen folgende Aussage jedoch zunächst ein bisschen bedenklich klingt.

"Es ist irgendwie schön, wenn man auf die Waage steigt und sieht, dass man Gewicht verliert. Das ist belohnend", sagt Ricciardo. Im nächsten Satz stellt er jedoch klar, dass er nicht vorhabe in die Magersucht abzugleiten. "Ich mache es klug. Ich werde nicht dürr und schwach, sondern möchte weiter fit und stark bleiben."

Für Max Verstappen ist das allerdings leichter gesagt als getan. "Da ich erst 18 bin, werde ich noch stärker", so der Niederländer gegenüber 'Reuters'. "Man trainiert, und letztlich wiegen Muskeln auch. Das macht es etwas schwierig." Und auch die Gene machen ihm das Abspecken seiner Ansicht nach nicht leichter. "Meine ganze Familie ist recht kräftig gebaut", sagt Verstappen.© Motorsport-Total.com GmbH