Der Traum schien schon ausgeträumt, doch wie schnell es in der Formel 1 gehen kann, hat Kevin Magnussen jetzt auch einmal im Positiven erlebt: Seine kurzfristige Verpflichtung beim Renault-Werksteam, in dem er Pastor Maldonado ersetzt, beflügelt den Dänen. Seit April 2015 musste er die Ersatzbank drücken, die Rückkehr lässt ihn vor Begeisterung fast platzen - und große Pläne schmieden: Magnussen will mit Renault mittelfristig nichts geringeres als den WM-Titel holen.

"Das ist ein unfassbares Gefühl und es bedeutet mir so viel", jubelt der 23-Jährige und macht große Ankündigungen. "Es ist nicht bloß ein Formel-1-Cockpit, sondern ein Top-Cockpit. Schließlich wird Renault künftig um Weltmeisterschaften kämpfen, und ich teile dieses Ziel!" Zwar werde es eine Aufbauphase geben, wie er zugibt, "aber Renault ist hier, um zu gewinnen."

Magnussens Karriereweg schien vorgezeichnet: Als McLaren-Zögling gewann er 2013 die Formel Renault 3.5 und schlug dabei insbesondere den letztjährigen GP2-Überflieger Stoffel Vandoorne. 2014 ging es ins McLaren-Cockpit, doch nach nur einer Saison musste er den Platz für Fernando Alonso räumen. Ende 2015 erfolgte die unrühmliche Trennung von McLaren via E-Mail an seinem Geburtstag.

Aus dem schweren Schlag erstarkt hervorgegangen

"Das war wirklich charakterbildend", gibt sich Magnussen diplomatisch. "Ich hatte 2014 eine Saison bei McLaren und denke, dass ich mich gegen einen ehemaligen Weltmeister ganz gut geschlagen habe", kommentiert er seine Leistung als Teamkollege von Jenson Button. McLarens Abstieg war allerdings bereits in vollem Gange - trotz des Podiumsplatzes direkt zu Saisonbeginn.

"Dann für das Folgejahr ersetzt zu werden war ein harter Schlag, obschon ihr Lineup sehr stark gewesen ist", sagt er über seinen früheren Arbeitgeber. "Ich bin seit meinem sechsten Lebensjahr jedes Jahr Rennen gefahren und das stand sicherlich nicht im Plan." Nach seinem McLaren-Rauswurf sah sich Magnussen nach weiteren Beschäftigungsmöglichkeiten um, darunter ein DTM-Test für Mercedes und eine LMP1-Probefahrt für Porsche. Doch die Türen waren verschlossen. Der niedrige Ölpreis öffnete dann die Tür bei Renault, weil Pastor Maldonados Sponsor PDVSA stark unter dem Preisverfall zu leiden hat.

Viel Selbstvertrauen und Motivation

"Ich hoffe, dass ich mich hier beweisen kann", sprudelt Magnussen vor Tatendrang. Ihm wird mit Jolyon Palmer ein Rookie zur Seite gestellt - eine lösbare Aufgabe im teaminternen Kampf. Er würde am liebsten gleich loslegen: "Ich bin so was von motiviert nach einem Jahr Pause. Ich bin mein ganzes Leben Rennen gefahren und extrem hungrig, ins Auto zu steigen und meinen Wert unter Beweis zu stellen."

Dass ihn das Jahr Pause aus der Bahn geworfen habe, glaubt Kevin Magnussen nicht. "Ich hatte mehr Zeit zum Trainieren und fühle mich topfit. Ich bin physisch absolut bereit." Bislang konnte er aber allenfalls Simulatorfahrten absolvieren; seit seinem Renneinsatz beim Großen Preis von Australien 2015, als er den verletzten Alonso ersetzte, hat er nicht mehr im Formel-1-Cockpit gesessen. Kein Problem, wie er findet: "Ich war immer selbst überrascht, wie schnell ich mich wieder eingeschossen habe, nachdem ich mal längere Zeit nicht gefahren bin. Ich war beim Porsche-Test sofort bei der Pace und werde es auch im Formel-1-Auto sein."

An mangelndem Selbstbewusstsein soll es bei Magnussen nicht scheitern: "Ich kann ihnen viel geben. Ich war fünf Jahre lang mit einem Topteam verbunden und drei von diesen bin ich Rennen gefahren oder habe getestet. Obwohl es nur eine Saison gewesen ist, habe ich viel Erfahrung. Ich kann es nicht abwarten, dieses spannende Projekt zu beginnen." Magnussen hatte bereits während seiner zwei Jahre in der Formel Renault 3.5 Kontakt zu den Franzosen. "Es waren großartige Erfahrungen", schmiert er seinem Arbeitgeber Honig um den Mund.© Motorsport-Total.com GmbH